Wer weiss bei Meyer Burger mehr?

Das Kursfeuerwerk bei den Aktien von Meyer Burger lässt die Gerüchteküche brodeln - Die S+B-Aktien könnten bis auf 2 Franken klettern - Und: Hat die Zurich ein Kostenproblem?
22.05.2014 12:30
cash Insider
Wer weiss bei Meyer Burger mehr?

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Die erste Kaufwelle traf gestern kurz vor dem Mittag ein: Innerhalb nur weniger Minuten schnellten die Namenaktien von Meyer Burger um 10 Prozent nach oben. Im Laufe des Nachmittags folgte dann eine weitere Welle, die sich nicht mehr länger nur auf die Aktien beschränkte. Auch in zahlreichen Warrants war Kaufinteresse zu verzeichnen.

Wenig überraschend trafen gleich mehrere Anfragen aus dem Berufshandel bei mir ein. Aufgrund fehlender plausibler Erklärungen für das Kursfeuerwerk wurde in der Folge ziemlich wild spekuliert.

Das im bernischen Gwatt beheimatete Solarzulieferunternehmen habe schon längere Zeit keine Aufträge mehr bekanntgegeben und werde diese vermutlich gebündelt kommunizieren, sagte ein Händler mir gegenüber.

Einer seiner Berufskollegen holte hingegen alte Übernahmegerüchte aus der Schublade und meinte salopp, dass der Kurszerfall der letzten Monate Meyer Burger wieder zum Übernahmeziel für einen chinesischen Interessenten mache.

Meine Vermutung ist eine andere: Vergangene Woche näherten sich die Aktien unaufhaltsam der psychologisch wichtigen Marke von 10 Franken. Zu diesem Zeitpunkt hatten einige Hedgefonds vermutlich schon Blut geleckt. Doch es sollte alles anders kommen. Als sich der Kurs gestern nicht mehr weiter drücken liess, warfen erste Fonds das Handtuch und versetzten damit andere Baissiers in Zugzwang.

Vielleicht liege ich mit dieser Vermutung auch falsch und es gibt sich bei Meyer Burger in den nächsten Tagen ein neuer Grossaktionär oder gar ein Kaufinteressent zu erkennen. Oder aber das Unternehmen kann endlich den Eingang neuer Aufträge verbuchen. Aus Sicht der Aktionäre nicht auszudenken was, wenn nicht. Falls nicht, ist der von einigen Hedgefonds erhoffte Rückschlag der Aktien auf einstellige Kurse vermutlich doch noch nicht ganz vom Tisch.

An dieser Stelle sei gesagt, dass aus London Berichte einer ominösen Rückstufung von "Neutral" auf "Sell" durch die Citigroup eintreffen. Dem seit gestern zu beobachtenden Höhenflug tun diese bisher keinen Abbruch.

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Was die Spatzen am Hauptsitz von Schmolz + Bickenbach im luzernischen Emmenbrücke schon seit Wochen von den Dächern pfiffen, ist seit heute Gewissheit: Dem Edelstahlhersteller gelangen in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres 2014 beeindruckende Fortschritte auf der Kostenseite.

Interessant ist vor allem, was der für Kepler Cheuvreux tätige Experte in einer ersten Stellungnahme schreibt. Er fühlt sich durch das Ergebnis in seiner positiven Einschätzung bestärkt und bestätigt sowohl die Kaufempfehlung als auch das Kursziel von 1,65 Franken.

Schmolz + Bickenbach habe Verhandlungen aufgenommen, um die Finanzierung auf neue Beine zu stellen. Darüber hinaus arbeite das Unternehmen noch immer an einem Verkauf von Teilen der Vertriebsorganisation.

Unter der Annahme, dass sich die EBITDA-Marge über den Zyklus hinweg auf 8 Prozent verbessert, hält der Experte sogar einen Aktienkurs von bis zu 2 Franken für möglich.

Die heutige Ergebnisüberraschung freut mich natürlich sehr, brach ich in den letzten Wochen und Monaten an dieser Stelle doch immer wieder eine Lanze für die Aktien des Edelstahlherstellers.

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Im Anschluss an die Ergebnispräsentation wurde viel über die Zurich Insurance Group und ihre Namenaktien geschrieben. Auch ich griff in den letzten Tagen das eine oder andere aus Sicht der Aktionäre wichtige Thema auf.

Insgesamt fiel die Resonanz auf den für das erste Quartal veröffentlichten Zahlenkranz ziemlich unterkühlt aus. Dem in Zürich beheimateten Versicherungskonzern wurde in Analystenkreisen vor allem die eher mässige Ergebnisqualität angekreidet.

Heute nun giesst der für Bernstein Research tätige Experte weiteres Öl ins Feuer. In einem Kommentar lässt er die Leserschaft zumindest erahnen, dass die Zurich Insurance Group ein Kostenproblem habe. Entsprechende Anhaltspunkte entnimmt der Experte dem vorliegenden Zahlenkranz.

Gerade im Nichtleben-Geschäft verfolge das Unternehmen die falsche Strategie. Dieser Faktor spreche genauso gegen die angestrebte operative Eigenkapitalrendite von 12 bis 14 Prozent wie die Herausforderungen bei der US-Tochter Farmers und das anhaltend gedrückte Zinsumfeld.

Während die Konsensschätzungen für die Jahre 2014 und 2015 in den vergangenen zwölf Monaten um 11 beziehungsweise 8 Prozent nach unten revidiert worden seien, hätten die Aktien der Zurich Insurance Group um nahezu 8 Prozent zugelegt. In Erwartung weiterer Schätzungsreduktionen hält der Experte von Bernstein Research am "Market Perform" lautenden Anlageurteil fest.

Gerade in der Hedgefonds-Industrie wird dem Bankinstitut seit je her eine gewaltige Beachtung zuteil. Bleibt aus Sicht der Aktionäre nur zu hoffen, dass sich nicht angelsächsische Hedgefonds gegen die Versicherungsgruppe verschwören.