Wird Novartis die Krebstherapie revolutionieren?

Wie Novartis den Kampf gegen den Krebs revolutionieren könnte – Für ABB kommt der Rücktritt von CEO Hogan zu einem ungünstigen Zeitpunkt – Und: Bietet Astellas 72 Franken je Basilea-Aktie?
10.05.2013 12:30
cash Insider
Wird Novartis die Krebstherapie revolutionieren?

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Roche gilt als Pionier auf dem Gebiet der Krebsbehandlung. Mit der Übernahme von Genentech stieg der Basler Pharmakonzern in der Onkologie schon vor Jahren zum Weltmarktführer auf.

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Auch der Platzrivale Novartis hat das lukrative Geschäft mit Krebsmedikamenten in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut und ist so zu einem für Roche ernst zu nehmenden Mitbewerber herangewachsen.

Darf man dem für die Citigroup tätigen Pharmaanalysten Glauben schenken, dann könnte Novartis den Kampf gegen den Krebs sogar revolutionieren. Das Unternehmen verfüge mit CART-19 über eine viel versprechende Plattform zur Behandlung von Leukämie. Der Experte sagt dieser Plattform sogar ein über die Behandlung von Leukämie hinaus gehendes kommerzielles Potenzial vorher, eigne sie sich doch auch zur Behandlung von Tumoren sowie Virusinfektionen oder Erkrankungen des Autoimmunsystems.

Schon heute liegt der Experte mit seinen Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre um 8 bis 16 Prozent über den jeweiligen Konsensschätzungen des Marktes. Dieser Umstand spiegelt sich auch im 83 Franken lautenden Kursziel für die zum Kauf empfohlenen Aktien wider. In seinem Bewertungsmodell berücksichtigt er für die Jahre ab 2020 allerdings nur einen Umsatzbeitrag der besagten Produktplattform von jährlich 2 Milliarden Dollar, weshalb er selbst auf Basis seiner Schätzungen noch Überraschungspotenzial ausmacht.

Heute steigen die Aktien von Novartis auf neue Jahreshöchststände und auf den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2007. Man könnte nicht meinen, dass sich das Basler Gesundheitskonglomerat aufgrund von Patentabläufen in einem Übergangsjahr befindet. Ich zähle die Papiere deshalb zwar weiterhin zu meinen Ende Dezember kommunizierten Schweizer Aktienfavoriten, würde den Aktien aber nicht mehr länger hinterher rennen.

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Joe Hogan räumt bei ABB auf eigenen Wunsch den Chefsessel. Diese Nachricht schlägt hierzulande wie eine Bombe ein. Obschon sich über die Gründe für den Rücktritt nur spekulieren lässt, kommt er für den in Zürich niedergelassenen Industriekonzern zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Denn Hogan gilt in Analystenkreisen als gewiefter Stratege und als einer der Hauptverantwortlichen für den durch zahlreiche Firmenübernahmen geprägten Konzernumbau. Und auch die in den letzten Monaten erzielten Ergebnisverbesserungen im Strominfrastrukturbereich gehen zumindest teilweise auf das Konto des bisherigen CEO.

Es erstaunt nicht, dass Hogan als amerikanischer Staatsbürger gerade in angelsächsischen Analystenkreisen mit seiner Art gut ankam. Doch auch in hiesigen Bankenkreisen zweifelte niemand an seinen herausragenden Fähigkeiten und seinen Branchenkenntnissen.

Der Rücktritt von Joe Hogan wird bei ABB eine gewaltige Lücke hinterlassen. Der Verwaltungsrat um Hubertus von Grünberg ist nun gefordert, möglichst rasch einen geeigneten Nachfolger zu finden. Auch wenn ich es ABB wünschen würde, lässt sich ein solcher nicht einfach so aus dem Ärmel zaubern.

Die Börse hasst nichts mehr als die Ungewissheit, was auch die heutige Talfahrt der Aktien des Börsenlieblings erklärt. Denn der zukünftige CEO wird den Beweis antreten müssen, dass er den Konzernumbau genauso wie den Turnaround im Strominfrastrukturgeschäft weiter vorantreiben will und kann. Auf längere Sicht bieten Übertreibungen meines Erachtens allerdings günstige Einstiegsgelegenheiten – so sehr ich den Rücktritt Hogans aufgrund seines Leistungsausweises auch bedauere.

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In den Namenaktien von Basilea wird mir heute Freitag seit dem frühen Vormittag von gezielten Käufen aus dem Ausland berichtet. Mittlerweile beschränken sich diese Käufe nicht mehr nur auf die Papiere selber, sie erstrecken sich auch auf mehrere Call-Warrants.

Ebenfalls aus dem Berufshandel wird mir von Spekulationen berichtet, wonach das japanische Partnerunternehmen Astellas den Publikumsaktionären 72 Franken je Aktie bieten wolle.

Nicht zum ersten Mal wird Astellas ein Interesse am Basler Biotechnologieunternehmen nachgesagt. Und dies nicht ohne Grund, kennen sich die beiden Firmen aufgrund einer Entwicklungs- und Vertriebspartnerschaft doch schon seit einigen Jahren. Ausserdem würde das von Basilea entwickelte Medikament Ceftobiprole gut ins Produktportfolio der Japaner passen. Zahlt sich die Geduld der Basilea-Aktionäre der letzten Jahre nun doch noch aus?