Murat Yakin gilt als ein Meister der Rotation. Als Fussball-Trainer scheute er noch nie davor zurück, Mannschaftsaufstellungen und taktische Herangehensweise zu verändern. Diesen Ruf bestätigt der 51-Jährige auch während der WM 2026. »Yakin wirft die Rotationsmaschine an«, titelte das deutsche Fachmagazin »Kicker« vor dem letzten Gruppenspiel der Nati gegen Kanada. In der Tat wich die Startelf gleich auf vier Positionen von der Formation der Partie zuvor gegen Bosnien-Herzegowina ab. Und auch bei den K.o.-Spielen rotierte Yakin munter weiter – und hatte Erfolg: Erst im Viertelfinale musste sich seine Mannschaft Argentinien nach einem erbitterten Kampf in der Verlängerung geschlagen geben. Für die Nati war es dennoch die beste WM aller Zeiten, entsprechend euphorisch wurde sie nach der Rückkehr in Zürich empfangen.

Nicht nur im Fussball, auch an der Börse ist die Rotationsmaschine angesprungen. Investoren haben die Aufstellung ihrer Portfolios angepasst. Dabei zeichnete sich eine taktische Verschiebung in Richtung mehr Defensive ab. Bis vor kurzem dominierte an den Aktienmärkten der Offensivdrang. Der weltweite Vormarsch der künstlichen Intelligenz (KI) bescherte den Wachstumsaktien aus dem Technologiesektor eine massive Rally. Besonders gefragt waren Halbleiterunternehmen, deren Bauteile für die Nutzung der KI respektive den damit einhergehenden Umschlag riesiger Datenmengen unabdingbar sind.

Transatlantische Parallelen

20 Chiphersteller aus den USA kommen im S&P 500 Semiconductor zusammen. Im April und Mai 2026 hat die mit Branchenriesen und KI-Profiteuren wie NVIDIA, Broadcom oder Micron Technology bestückte Auswahl ein Kursplus von annähernd 50 Prozent erzielt. Anschliessend geriet die Rally ins Stocken. Von Anfang Juni bis zum 22. Juli gab der US-Halbleitersektor mehr als 4 Prozent nach. Grafik 1 zeigt, dass sich bei den an der Wall Street kotierten IT-Werten, zu denen Apple, Microsoft oder Palantir zählen, ein ähnliches Muster zeigt. Derweil drängten zu Beginn des Sommers defensivere Sektoren nach vorne. Dazu zählt die US-Gesundheitsbranche (Healthcare) genauso wie die Versorger (Utilities).

Grafik 1: Wertentwicklung ausgewählter Sektoren in einem spezifischen Zeitraum
In Prozent

Grafik 1: Wertentwicklung ausgewählter Sektoren in einem spezifischen Zeitraum

Stand: 22. Juli 2026; Quelle: LSEG
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. Weitere Informationen zu der hier dargestellten Wertentwicklung entnehmen Sie bitte den Rechtlichen Hinweisen. Die Grafik zeigt die Wertentwicklung ausgewählter Sektoren während der angegebenen Vergleichszeiträume und dient ausschliesslich der Illustration der beobachteten Sektorrotation.

Die Rotationsmaschine drehte sich nicht nur am wichtigsten Aktienmarkt der Welt. Auch in Europa liess sich ein Umdenken beobachten. Auf dem alten Kontinent sind die Profiteure der KI geballt im STOXX Europe 600 Technology anzutreffen. Folgerichtig dehnte sich die Kapitalisierung dieser Börsenbenchmark im April und Mai um mehr als ein Viertel aus. Mitte Juni erreichte der Index noch das höchste Niveau seit der Spätphase der Dotcom-Ära im Jahr 2000. Gegenüber diesem Top gab der STOXX Europe 600 Technology bis zum Stichtag um mehr als 8 Prozent nach (siehe Grafik 2).

Grafik 2: Wertentwicklung STOXX Europe 600 Technology
30 Jahre

Grafik 2: Wertentwicklung STOXX Europe 600 Technology

Stand: 23. Juli 2026; Quelle: LSEG
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. Weitere Informationen zu der hier dargestellten Wertentwicklung entnehmen Sie bitte den Rechtlichen Hinweisen.

 

Die aufkeimende Vorsicht gegenüber den haussierenden Technologiewerten blitzte auch bei der Zahlenvorlage mehrerer Grosskonzerne auf. Beispiel ASML Holding: Mit den Zahlen für das zweite Quartal 2026 konnte der niederländische Chipausrüster die Erwartungen klar übertreffen. Ausserdem gab der Hersteller von Lithografiemaschinen einen optimistischen Ausblick ab. Die Investoren waren zunächst begeistert, am Tag der Zahlenvorlage startete die ASML-Aktie mit einem Plus von 6,7 Prozent in den Handel. Doch später drehte das Schwergewicht im STOXX Europe 600 Technology nach unten und beendete die Session mit einem Minus.

Ausgedehnte Bewertungen

Dieses Muster zeigt zweierlei: Einerseits schreitet der Ausbau der KI mit milliardenschweren Investitionen voran. Gleichzeitig ist aber viel Euphorie in den Kursen eingepreist, weshalb eine Konsolidierung nicht schaden kann. Diesbezüglich spricht die Bewertung für sich. Der STOXX Europe 600 Technology zeigte Mitte des Jahres ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (prognostiziert) von 26. Gegenüber dem marktbreiten STOXX Europe 600 bedeutete das einen Aufschlag von mehr als zwei Drittel. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) der »Techs« hatte sich sogar um weit mehr als das Doppelte vom Gesamtmarkt abgehoben. Derweil liegt die Dividendenrendite des Sektors um gut 60 Prozent unter derjenigen des STOXX Europe 600 (siehe Grafik 3).

Grafik 3: Relative Bewertung europäischer Sektoren
Abweichung zum STOXX Europe 600, in Prozent

Grafik 3: Relative Bewertung europäischer Sektoren

Stand: 30. Juni 2026; Quelle: STOXX
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. Weitere Informationen zu der hier dargestellten Wertentwicklung entnehmen Sie bitte den Rechtlichen Hinweisen.

Versorger: unter Strom

Ganz anders sehen die Relationen bei den Versorgern aus. Der STOXX Europe 600 Utilites liegt beim KGV nur knapp über dem Gesamtmarkt und zeigt gleichzeitig ein unterdurchschnittliches KBV. Durchaus typisch ist die üppige Dividendenrendite der Versorger – mit 5,1 Prozent übertrifft sie die Kennziffer für den STOXX Europe 600 um mehr als ein Drittel. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Stromerzeuger und Netzwerkbetreiber auf dem Rotationskarussell sitzen. Wobei sie schon zuvor nicht wirklich im Börsenabseits standen, sondern als potenzielle Profiteure des mit dem KI-Boom einhergehenden Strombedarfs durchaus angesagt waren.

Das gilt auch für RWE. Gerade hat der deutsche Konzern eine strategische Weichenstellung getroffen. Er stockte die Beteiligung an Amprion auf 55 Prozent auf. Mit der 3,6 Milliarden Euro schweren und über eine Kapitalerhöhung finanzierten Transaktion erweitert das Unternehmen sein Portfolio um die Netzinfrastruktur. Amprion versorgt über ein 11.000 Kilometer langes Höchstspannungsnetz 29 Millionen Menschen sowie wichtige Industriestandorte in ganz Deutschland mit Strom. Bekanntlich spielen diese Leitungen für die Energiewende eine zentrale Rolle. Und auch hier mischt RWE aktiv mit. Bis 2031 möchten die Essener 35 Milliarden Euro in den globalen Ausbau der erneuerbaren Energien, Batteriespeicher sowie der flexiblen Stromproduktion stecken. Die Aufstockung bei Amprion soll daran genauso wenig ändern wie an dem Ziel, die Dividenden weiter kräftig zu erhöhen. RWE plant, die Gewinnbeteiligung pro Jahr um ein Zehntel nach oben zu schrauben.

Nahrungsmittel: neuer Appetit

Verlässliche Ausschüttungen zählen auch zu den Wesenszügen des Lebensmittelsektors. Mit diesem Qualitätsmerkmal konnten diese Unternehmen den Investoren in der jüngeren Vergangenheit den Mund jedoch kaum wässrig machen. Indem die Hersteller von Nahrungsmitteln und Getränken als Reaktion auf einen Schub auf der Kostenseite die Preise deutlich erhöht haben, würgten sie das Volumenwachstum mehr oder minder ab. Ein Blick in das Zahlenwerk von Nestlé spricht Bände: Seit 2022 ist die Verkaufsmenge des weltgrössten Lebensmittelherstellers in jedem Jahr geschrumpft.

Das interne Realwachstum (Real Internal Growth, RIG; diese Kennziffer umfasst die Verkaufsmengen und den Produktmix) lag 2025 nur noch bei 0,8 Prozent. Nur dank Preiserhöhungen schaffte Nestlé ein organisches Wachstum von 3,5 Prozent. Diese Gangart möchte CEO Philipp Navratil im laufenden Jahr halten. Er peilt für 2026 ein organisches Wachstum zwischen 3 und 4 Prozent an. In den ersten sechs Monaten lag die Steigerungsrate bei 3,7 Prozent. Damit hat Nestlé die Erwartungen leicht übertroffen. Obwohl der CEO zudem die Wachstumsprognose nach oben angepasst hat und mit einem milliardenschweren Joint Venture im Wassergeschäft die Portfoliooptimierung vorantreibt, machten Anleger zunächst Kasse.

Vor der jüngsten Zahlenvorlage hatte die Nestlé-Aktie nach oben gedreht und den als defensiv geltenden Sektor mit angeschoben (siehe Grafik 4). Als ein weiteres Zugpferd entpuppte sich Anheuer-Busch InBev. Die Aktie des belgischen Brauereikonzerns ist im Juni auf das höchste Niveau seit Anfang 2020 geklettert. Auch operativ ist der Branchenriese mit Topmarken wie Budweiser, Corona oder Michelob Ultra auf Kurs: In den ersten drei Monaten 2026 hat Anheuer-Busch InBev den Ausstoss zum ersten Mal seit 2023 gesteigert.

Grafik 4: Wertentwicklung STOXX Europe 600 Food & Beverage
Fünf Jahre

Grafik 4: Wertentwicklung STOXX Europe 600 Food & Beverage

Stand: 23. Juli 2026; Quelle: LSEG
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. Weitere Informationen zu der hier dargestellten Wertentwicklung entnehmen Sie bitte den Rechtlichen Hinweisen.

Healthcare: gesunde Entwicklung

Ein weiterer Wirtschaftszweig, der aus dem Schatten der KI-Giganten treten könnte, ist die Gesundheit. Um den Jahreswechsel ist der STOXX Europe 600 Healthcare einem Abwärtstrend entkommen. Auch Lonza – der Pharmaauftragsfertiger zählt zu neun Schweizer Unternehmen im europäischen Sektorindex – gelang dieses Unterfangen vor kurzem. Im Juli lugte die SMI-Aktie über einen seit mehr als vier Jahren laufenden Negativtrend (siehe Grafik 5). Geholfen hat ein Erfolg in den USA. Lonza baut dort die Zusammenarbeit mit einem führenden Biopharmaunternehmen aus. Für den nicht genannten Kunden sind die Basler seit längerem tätig. Jetzt konnten sie sich zusätzliche Aufträge für die Herstellung von zwei Biopharmazeutika mit der Option auf zwei weitere sichern. Insgesamt bestehen dem Management zufolge Vereinbarungen, aus denen ein potenzieller Umsatz von mehreren Milliarden Schweizer Franken resultiert.

Grafik 5: Wertentwicklung Lonza
Fünf Jahre

Grafik 5: Wertentwicklung Lonza

Stand: 23. Juli 2026; Quelle: LSEG 
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Produktidee: ZERTIFIKATE AUF AUSGEWÄHLTE EUROPÄISCHE EINZELWERTE

Bitte beachten: Hebelprodukte können Long- und Short-Positionen abbilden wie zum Beispiel Turbo-Zertifikate. Doch Vorsicht, der Preis für diese Flexibilität ist das Risiko: Bei Hebelprodukten ist ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Wer solche Instrumente nutzt, sollte eine gewisse Erfahrung mitbringen.

Unlimited Turbo-Optionsscheine

Valor Basiswert Typ Hebel Strike Stoppschwelle Handelsplatz

153212979

RWE

Call

6,2

49,3893 EUR

50,74 EUR

Swiss DOTS

150905205

RWE

Call

4,3

45,4188 EUR

46,66 EUR

Swiss DOTS

155379659

RWE

Put

3,9

74,0413 EUR

72,09 EUR

Swiss DOTS

154421630

RWE

Put

5,7

69,0861 EUR

67,26 EUR

Swiss DOTS

129375229

Nestlé

Call

5,5

65,6170 CHF

67,84 CHF

Swiss DOTS

119612249

Nestlé

Call

4,2

61,3257 CHF

64,40 CHF

Swiss DOTS

118847143

Nestlé

Put

3,8

101,1390 CHF

97,72 CHF

Swiss DOTS

129375239

Nestlé

Put

5,9

93,5365 CHF

90,38 CHF

Swiss DOTS

155729857

Anheuer-Busch InBev

Call

6,9

61,0258 EUR

63,43 EUR

Swiss DOTS

150905572

Anheuer-Busch InBev

Call

4,4

54,9696 EUR

57,13 EUR

Swiss DOTS

157967362

Anheuer-Busch InBev

Put

3,2

93,0678 EUR

89,70 EUR

Swiss DOTS

157967361

Anheuer-Busch InBev

Put

4,2

87,8724 EUR

84,70 EUR

Swiss DOTS

155730701

Lonza

Call

5,9

451,7477 CHF

473,35 CHF

Swiss DOTS

131926676

Lonza

Call

4,3

419,8121 CHF

439,88 CHF

Swiss DOTS

132935468

Lonza

Put

3,8

691,7452 CHF

658,72 CHF

Swiss DOTS

136165671

Lonza

Put

5,4

643,1467 CHF

612,44 CHF

Swiss DOTS

Stand: 23. Juli 2026; Quelle: Société Générale

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt zu Informationszwecken lediglich in Kurzform und stellt einen Auszug aus dem Gesamtangebot von Société Générale sowie keine Anlageempfehlung dar. Nicht währungsgesicherte Produkte unterliegen einem Wechselkursrisiko. Die massgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.sg-zertifikate.ch zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die Valorennummer. Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern, den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Prospekts ist nicht als Befürwortung der angebotenen oder zum Handel an einem geregelten Markt zugelassenen Wertpapiere zu verstehen.