Manche Studienergebnisse reichen über das blosse Erreichen eines klinischen Endpunkts hinaus. Mitte August legten Moderna und Merck & Co. solche Ergebnisse mit der ersten erfolgreichen Spätphasenstudie eines personalisierten mRNA-Krebsimpfstoffs gegen Hautkrebs vor. Aktuell sprechen die Konzerne mit den Behörden über eine Zulassung. Nach Einschätzung von Moderna könnte die Therapie bereits 2027 verfügbar sein. Die Nachricht löste eine deutliche Kursreaktion aus: Die Moderna-Aktie legte zeitweise um bis zu 160 Prozent zu.1

Gut einen Monat später meldete Amgen positive Topline-Ergebnisse für Dazodalibep. In der Phase-3-Studie OASIZ 301 zeigte das Mittel bei Patienten mit systemischer Sjögren-Krankheit beim wichtigsten Wirksamkeitskriterium eine statistisch signifikante Verbesserung gegenüber Placebo. Die systemische Sjögren-Krankheit ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die vor allem Tränen- und Speicheldrüsen, aber auch andere Organe betreffen kann. Diese Indikation ist besonders interessant, da es in den USA bislang keine von der FDA zugelassene Therapie für die Autoimmunerkrankung gibt. Noch im vierten Quartal soll eine zweite Phase-3-Studie abgeschlossen werden.2 Auch diese Botschaft kam am Kapitalmarkt gut an, die Amgen-Aktie näherte sich ihrem Allzeithoch. Dass die Erholung über einzelne Erfolgsgeschichten hinausgeht, zeigt der Bloomberg Transatlantic Top 50 Biotech Index: Seit Jahresbeginn legte er um knapp 18 Prozent zu (Stand: 22. Oktober 2026).

KI als Forschungsbeschleuniger 

Ein wichtiger längerfristiger Katalysator könnte allerdings abseits von einzelnen Medikamenten liegen. Die Rede ist von Künstlicher Intelligenz. Ihr Potenzial reicht von der Auswertung klinischer Daten über das Design von Molekülen bis hin zu Biomarkern. Dies gilt nicht nur in der Onkologie, sondern auch für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Die FDA spricht ausdrücklich von einem transformativen Potenzial für klinische Forschung und Arzneimittelentwicklung und hat inzwischen sogar einen regulatorischen Rahmen für KI-Modelle geschaffen.3 

Wie weit die Entwicklung bereits fortgeschritten ist, zeigt Rentosertib von Insilico Medicine. Der mithilfe generativer KI entdeckte Wirkstoffkandidat wird gegen idiopathische Lungenfibrose (IPF), eine fortschreitende Erkrankung des Lungengewebes, entwickelt. In einer Phase-2a-Studie zeigten sich ermutigende Signale; inzwischen wird der Kandidat in einer Phase-3-Studie untersucht. Auch wenn noch grössere Studien nötig sind, zeigen die Ergebnisse, dass KI den Sprung von der schnellen Computersimulation zu klinischen Daten schaffen kann. Eine explorative Analyse von Proteomdaten von 42 Studienteilnehmern zeigte zudem eine Abnahme des geschätzten biologischen Alters. Ob daraus ein klinisch relevanter Effekt auf Alterungsprozesse folgt, müssen weitere Studien zeigen.4

Apropos Longevity: Langlebigkeit zählt neben KI zu den strategischen Anlagethemen des UBS Chief Investment Office, den sogenannten «Transformational Innovation Opportunities». Nach Schätzung von UBS CIO könnte das entsprechende Anlageuniversum von 5,3 Billionen US-Dollar im Jahr 2023 auf acht Billionen US-Dollar bis 2030 wachsen. Die Experten verweisen für das laufende Jahr unter anderem auf zahlreiche klinische Studien in späten Entwicklungsphasen in den Bereichen Onkologie, Adipositas und Medizintechnik sowie auf mögliche Übernahmen.5 Auch für den gesamten Biotechnologiemarkt erwarten Marktstudien weiteres Wachstum. Grand View Research prognostiziert, dass sich das Marktvolumen zwischen 2023 und 2030 auf 3,88 Billionen US-Dollar mehr als verdoppeln könnte.6

Unterschiedliche Entwicklungen

Wie unterschiedlich sich klinische Programme entwickeln können, zeigen zwei Schwergewichte des Bloomberg Transatlantic Top 50 Biotech Index. Das niederländische Unternehmen argenx steht exemplarisch für beide Seiten des Biotech-Geschäfts. Während mit dem Muskelschwäche-Medikament Vyvgart Milliardenumsätze und hohes Wachstum verbucht werden, scheiterte Anfang Oktober eine Phase-3-Studie mit Efgartigimod bei Sjögren.7 Die Aktie verzeichnete daraufhin den grössten Tagesverlust seit fast drei Jahren. Amgen steht bei derselben Erkrankung nach den positiven Topline-Ergebnissen der Studie OASIZ 301 dagegen vor einer anderen Ausgangslage. Vertex wiederum verbreitert sein Portfolio durch Zukäufe. Anfang September schloss das Unternehmen die rund zehn Milliarden US-Dollar schwere Übernahme von Crinetics ab und erweiterte damit sein Portfolio im Bereich seltener endokrinologischer Erkrankungen. Nach Unternehmensangaben könnten Palsonify und Atumelnant zusammen in der Spitze mehr als fünf Milliarden US-Dollar Jahresumsatz erzielen.8

Innovationen sind ein volatiles Geschäft

Gerade Amgen und argenx zeigen, weshalb die Biotech-Branche nichts für schwache Nerven ist. Eine einzige klinische Studie kann Milliarden an erwartetem Umsatzpotenzial schaffen – oder auch vernichten. Hinzu kommen Zulassungsrisiken, Konkurrenzprodukte und hohe Forschungs- und Entwicklungskosten. Diversifikation ist daher von grosser Bedeutung. Hier setzt der Bloomberg Transatlantic Top 50 Biotech Index an. Er bündelt die grössten Biotech-Titel dies und jenseits des Atlantiks. Nordamerika und Europa sind jeweils mit einer Zielgewichtung von 50 Prozent vertreten; die Zusammensetzung wird vierteljährlich überprüft. Selbst wenn sich damit das Risiko einzelner klinischer Programme nicht beseitigen lassen, wird es über eine Vielzahl von Unternehmen verteilt. Das Open-End-Tracker-Zertifikat mit dem SIX Symbol BTECHU bildet die Entwicklung des Index ab. Nettodividenden der Indexmitglieder werden reinvestiert; die Verwaltungsgebühr beträgt 0,50 Prozent pro Jahr. Damit ermöglicht das Produkt eine kostengünstige, breitere Abdeckung des Biotech-Sektors, anstatt von der Entwicklung eines einzelnen Medikaments abhängig zu sein.

Das Produkt verfügt über keinen Kapitalschutz. Anleger tragen neben Kurs-, Branchen- und Währungsrisiken auch das Emittentenrisiko; bei ungünstiger Marktentwicklung oder Insolvenz der Emittentin sind erhebliche Verluste bis hin zum Totalverlust möglich. Massgeblich sind ausschliesslich die rechtlich verbindlichen Produktunterlagen. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

Quellen:

1 Reuters, Medienbericht, 19.08.2026
2 Amgen, Pressemitteilung, 22.09.2026
3 FDA, Pressemitteilung, 06.01.2025
4 Insilico, Pressemitteilung, 07.09.2026
5 UBS CIO GWM, Invest in transformational innovation, 17.07.2026
6 Grand View Research, Biotechnology Market, August 2023
7 argenx, Pressemitteilung, 08.10.2026
8 Vertex, Pressemitteilung, 01.09.2026
 

Zum Autor

Jérôme Allet, Leiter Public Distribution für Strukturierte Produkte Schweiz, UBS Investment Bank
Jérôme Allet begann seine berufliche Laufbahn 2011 als Graduate Talent bei der UBS Investment Bank. Seit 2017 leitet er das Team «Public Distribution Sales Switzerland» im Bereich Structured & Solutions Distribution. In dieser Funktion verantwortet er den öffentlichen Vertrieb von Strukturierten Produkten in der Schweiz. Seit 2018 ist er zusätzlich für White Label Lösungen im Bereich Hebelprodukte in Europa zuständig.

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