Vor dem House Financial Services Subcommittee on Capital Markets appellierte sie an die Mitglieder des US-Kongresses, Investoren ihre Entscheidungsfreiheiten zu lassen, und sprach darüber, wie wichtig aktives Management für das reibungslose Funktionieren von Kapitalmärkten ist. Der Ausschuss wollte wissen, ob die aktuelle Politik zu den Neuerungen am Markt, wie den kürzlich eingeführten Trump Accounts, sinnvoll ist. Dabei handelt es sich um Ansparkonten für den Ruhestand, deren Mittel in kostengünstige US-Aktienindexfonds investiert werden müssen.
Jonssons Stellungnahme war das Ergebnis jahrelanger Arbeit und des Beziehungsaufbaus bei Gesetzgebern, deren Mitarbeitern und Regulierungsbehörden. Capital Group steht im regelmässigen Austausch mit Vertretern der Gesetzgebung, um zur Stärkung der Kapitalmärkte, zu Kostensenkungen, zum Abbau von Reibungspunkten und zur Weiterentwicklung von Regulierungen beizutragen, sodass sie für Investoren und ihre Berater sinnvoll bleiben.
Ziel sei es vor allem, politische Rahmenbedingungen zu schaffen, die Investoren bestmögliche Ergebnisse sicherten.
Es sei wichtig, dass sich Gesetzgeber bei Fragen zum aktiven Management an das Unternehmen wendeten. Seit Jahren würden Beziehungen zu Kongressabgeordneten aufgebaut und diese über die Sichtweise von Investoren zu Themen informiert, die die Altersvorsorge und langfristige Anlageergebnisse beträfen. Zudem werde sichergestellt, dass den Abgeordneten bewusst sei, wie viele Investoren und Berater in ihren Wahlkreisen vertreten würden.
Diese vier Marktperspektiven hat Jody Jonsson dem Kongress vorgestellt:
1. Investoren brauchen Entscheidungsfreiheit
Investoren verfolgen unterschiedliche Ziele und befinden sich in verschiedenen Lebensphasen. Die Politik sollte ihnen die Freiheit lassen zu entscheiden, welcher Ansatz für sie selbst der Beste ist. Deshalb braucht man heute sowohl aktive als auch passive Strategien.
„Kein einzelner Investmentansatz, kein Produkt und keine Strategie zur Sicherung der Finanzierung des Ruhestands ist für jeden gleichermassen geeignet“, sagte Jonsson den Kongressmitgliedern. „Deshalb brauchen Investoren Zugang zu vielen verschiedenen Investmentlösungen, darunter aktive und passive Strategien sowie Kombinationen aus beidem.“
Diese Diskussion fällt in eine Zeit mit einem steigenden Anteil passiver Strategien am Gesamtmarkt, einem aktiveren Handel und wachsender Marktkonzentration – mit Folgen für Investoren. In den letzten 20 Jahren ist der Anteil passiver Strategien auf etwa zwei Drittel des gesamten in den USA verwalteten Vermögens gestiegen.
Passive Aktienanlagen machen mehr als die Hälfte des Marktes aus

Jonsson nannte Target-Date-Fonds als Beispiel für Anlagen, die Investoren die gewünschte Entscheidungsfreiheit lassen. Vor 20 Jahren wurden sie in den USA zu Standardanlagen für Altersvorsorgepläne. Seitdem sind eine Vielzahl von Strategien entstanden, die auf die Anlagehorizonte und die Risikobereitschaft der Anleger zugeschnitten sind. „Einige von ihnen werden passiv gemanagt, einige aktiv und einige sind eine Kombination aus beidem“, sagt Jonsson.
Sie wies darauf hin, dass die Trump Accounts zwar vielversprechend sind, zurzeit aber ausschliesslich auf passive Anlagen beschränkt. „Ähnlich wie bei Target-Date-Fonds könnten Anleger auch hier stärker profitieren, wenn das Vermögen sowohl passiv als auch aktiv angelegt werden könnte.“
2. Billiger heisst nicht sicherer
Ein allgemeiner Irrglaube ist, dass passive Anlagen sicherer seien als aktive. Passives Investieren mag kostengünstiger sein. Im Durchschnitt sind die Kosten niedriger, aber niedrigere Gebühren bedeuten nicht zwangsläufig bessere Ergebnisse.
So fällt beispielsweise ein passiver Fonds bei einem Marktrückgang genauso stark wie der Markt selbst. Während der Technologie- und Telekommunikationsblase im Jahr 2000 und der internationalen Finanzkrise 2008 verloren passive Anlagen genauso viel wie diese Märkte. „Passiv bedeutet, dass man keine aktiven Risiken eingeht. Es geht nicht nur um die Einzelwertauswahl“, sagte Jonsson dem Ausschuss.
Tatsächlich haben sogar einige Risiken durch den Anstieg des passiv gemanagten Vermögens zugenommen. Passive Strategien investieren, sobald sie Mittelzuflüsse erhalten. Deshalb bilden sie in der Regel die Marktzyklen exakt ab. Sie folgen den Märkten in Aufschwüngen und in Abschwüngen bis auf den höchsten und niedrigsten Stand und investieren aufgrund ihrer Struktur entsprechend den Indexgewichtungen. Das bedeutet, dass Anleger möglicherweise genau dann am meisten in Unternehmen investieren, wenn diese besonders hoch bewertet sind. Heute haben die zehn grössten Unternehmen im S&P 500 fast 40% Anteil am Index. Das war zuletzt Mitte der 1960er-Jahre der Fall.
Eine Handvoll Aktien bestimmen den Markt

Anders als passive Strategien können aktive Manager Portfolios an Veränderungen der Marktbedingungen anpassen, um Verluste bei fallenden Märkten zu mindern.
„Das Argument für passives Investieren sind die Kosten, nicht die Risiken“, sagte Jonsson in ihrem Vortrag. „Wer das durcheinander bringt, kann Anleger hinsichtlich des Produkts, das sie erwerben, in die Irre führen. Für Investoren zählt vor allem die Wertschöpfung: der Gesamtertrag nach Abzug von Gebühren.“
3. Aktives Management ist wichtig für das reibungslose Funktionieren des Kapitalmarktes
Aktives Investieren spielt eine wichtige Rolle für das Funktionieren der Märkte. Erstens leisten aktive Manager einen entscheidenden Beitrag bei der Preisfindung, also dem Prozess, bei dem die Informationen zu einem bestimmten Zeitpunkt in die Kurse einfliessen. Weil aktive Manager ihre Kauf- und Verkaufsentscheidungen auf Grundlage ihrer Einschätzung der Aussichten, Risiken und Bewertung eines Unternehmens treffen, tragen sie dazu bei, dass die Märkte die tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten widerspiegeln.
„Dieser Prozess verbessert die Markteffizienz und verringert Fehlbewertungen“, so Jonsson. Wenn weniger Manager an der Preisfindung beteiligt sind, also Unternehmen auf Basis ihrer Fundamentaldaten bewerten, können die Märkte stärker von kurzfristigen Entwicklungen beeinflusst werden. „Aktives Management ist nicht nur Teil des Finanzsystems, sondern ein massgeblicher Faktor dafür, dass das System funktioniert“, betonte sie.
Zudem kann aktives Management dazu beitragen, dass Kapital in die Unternehmen fliesst, die Wirtschaftswachstum, Innovationen und die Schaffung neuer Stellen vorantreiben.
4. Finanzberatung ist wichtig für den Erfolg von Investoren
Jonsson unterstrich auch die wichtige Rolle von Finanzberatern. Sie unterstützen Investoren in unsicheren Zeiten, kennen die Optionen und haben immer die langfristigen Ziele im Blick.
In volatilen Marktphasen können Berater Investoren helfen, rational zu bleiben und vorschnelle Entscheidungen zu vermeiden, die ihre langfristigen Anlageziele gefährden könnten.
Jody Jonsson ist Vice Chair von Capital Group, President der Capital Research and Management Company und Aktienportfoliomanagerin und hat 39 Jahre Investmenterfahrung (Stand 31. Dezember 2025). Sie hat einen MBA von der Stanford University und einen Bachelor in Volkswirtschaft von der Princeton University.

