MARKTSTIMMEN

Anlegererwartungen für COP26

Expertinnen und Experten von Schroders, wie Simon Webber, Mark Lacey, Saida Eggerstedt und Kate Rogers, teilen ihre Erwartungen im Vorfeld der COP26-Klimakonferenz.
02.11.2021 15:50
Vicki Owen und Andrew Oxlade, Schroders Asset Management

Der Klimagipfel wird von manchen als letzte Chance für die Menschheit gesehen, den Planeten zu retten. Selbst wenn Sie sich vor so grossen Aussagen hüten, lässt sich nicht leugnen, dass die COP26 einen wichtigen Punkt im Klimakampf und der Emissionsreduktionen darstellt. 

Anleger werden die Konferenz zweifelsohne genau beobachten und versuchen, die Auswirkungen auf ihre Portfolios abzuschätzen.

Wie unser Vorstandsvorsitzender Peter Harrison glaubt, sind die Veränderungen, die zur Bekämpfung des Klimawandels erforderlich sind, vergleichbar mit den Ereignissen von 1929. Nach dem Börseneinbruch an der Wall Street wurden weitreichende Änderungen an der Rechnungslegung eingeführt. Ähnlich umwälzende Entwicklungen sind auch jetzt im Gange. Die Auswirkungen des Geschäftsbetriebs von Unternehmen werden bald deutlich werden.

Im Folgenden haben wir die Ansichten von Experten zum Thema Nachhaltigkeit in unserem Unternehmen erfasst und auch Fondsmanager befragt, die in Trends rund um den Klimawandel investieren. Sie beantworten wichtige Fragen und heben Einzelheiten hervor, die Anleger berücksichtigen sollten.

Lesen Sie auch unseren Leitfaden zur COP26. Im Pariser Abkommen von 2015 wurde beschlossen, den langfristigen Temperaturanstieg auf "deutlich unter 2 °C" unter dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen. Über 120 Politiker aus aller Welt werden in Glasgow eintreffen, bevor sie den Staffelstab an Umweltminister und andere Führungspersönlichkeiten übergeben. Rund 25'000 Menschen werden am Freitag, den 12. November erwartet, aber die Erfahrungen mit COPs zeigen, dass sich die Konferenz wahrscheinlich auf Samstag und möglicherweise sogar Sonntag erstrecken wird.

Wie wichtig ist die COP26 und was bedeutet das Konzept des "gerechten Übergangs"?

Andy Howard, Globaler Leiter Sustainable Investment:

"Die einzelnen Länder bleiben bislang weit hinter den globalen Verpflichtungen zurück, die in Paris vereinbart wurden. 

Der Klimagipfel stellt einen wichtigen Zwischenstopp dar. Von den politischen Entscheidungsträgern wird erwartet, dass sie ehrgeiziger werden und die Lücke zwischen den gemeinsamen Zielen und ihrem individuellen Handeln schliessen.   

Der Gipfel könnte sich als entscheidender Moment für die globale Klimadiplomatie erweisen. Der Druck nimmt zu. Die diesjährige Konferenz könnte ein Scheidepunkt im Klimakampf sein. 

Das Prinzip eines gerechten Übergangs – also ein Übergang zu einer kohlenstoffarmen Weltwirtschaft, der schwächere Volkswirtschaften oder Teile der Gesellschaft nicht unangemessen belastet – setzt sich ebenfalls zunehmend durch. Als globale Herausforderung erfordert der Klimawandel koordiniertes Handeln. Aus dieser Sicht ist der gerechte Übergang sowohl Ziel als auch Voraussetzung: Eine globale Einigung unter politischen Entscheidungsträgern aus aller Welt ist nur möglich, wenn alle Länder die Vereinbarung gerecht finden. 

Das Scheitern einer solchen Einigung war auf vergangenen Gipfeln der Hauptgrund, warum bislang noch nicht ausreichend auf den Klimawandel reagiert wurde. Daher gehen wir davon aus, dass die Notwendigkeit einer globalen Zusammenarbeit und der Unterstützung weniger entwickelter Volkswirtschaften ein wichtiger Bestandteil der Verhandlungen im Vorfeld und während der COP26 sein wird." 

Was sind die Ziele der COP26 und worauf sollten Anleger achten?

Kate Rogers, Leiterin Nachhaltigkeit & Wealth:

"Wir stehen vor einem Scheidepunkt. Wenn wir auf diesen Moment zurückblicken, können wir hoffentlich sagen, dass koordinierte Massnahmen ergriffen wurden. 

Der richtungsweisende Bericht des Klimarats (International Panel on Climate Change, IPCC) vom August enthielt fast 4'000 Seiten, in denen Wissenschaftler die Auswirkungen der Tatenlosigkeit darlegten. Ihre Schlussfolgerung? Die Erderwärmung kann nur dann auf unter 2 °C begrenzt werden, wenn in den kommenden Jahrzehnten CO2- und andere Treibhausgasemissionen dramatisch reduziert werden. Das Pariser Abkommen von 2015 wurde inzwischen von 191 Ländern ratifiziert, wobei die Türkei, der Iran und der Irak die einzigen grossen Emittenten sind, die das Abkommen noch nicht unterzeichnet haben.

Nach dieser Vereinbarung muss jedes Land seine eigenen Emissionsreduktionsziele festlegen, die als national festgelegte Beiträge (NDCs) bezeichnet werden. Derzeit reicht die Summe dieser NDCs nicht aus, um den Temperaturanstieg auf 1,5 °C globale Erwärmung zu begrenzen. Daher müssen die Länder dringend ehrgeizigere Ziele zur Emissionsreduzierung setzen.

Das übergreifende Ziel von Grossbritannien für die Konferenz ist es, das 1,5 °C-Ziel am Leben zu erhalten. Boris Johnson hat als Premierminister des Gastgeberlandes zum Handeln in Bezug auf Kohle, Autos, Finanzen und Bäume aufgerufen: 

  • Kohle: Kohleausstieg bis 2030 (Industrieländer) und 2040 (Schwellenländer)
  • Autos: Verbot von Autos mit Verbrennungsmotoren
  • Finanzen: Die reichsten Länder sollen erneut 100 Mrd. US-Dollar bereitstellen, um ärmeren Ländern beim Übergang zu helfen
  • Bäume: Naturschutz und mehr Bäume pflanzen, als wir verlieren

Ein erfolgreiches Ergebnis der Konferenz wären sowohl bedeutende Verpflichtungen als auch eine internationale Zusammenarbeit. Ein wirksamer Anreiz für Unternehmen zur Dekarbonisierung wäre ein Kohlenstoffpreis: Emittenten würden für die Menge an Kohlenstoff zahlen, die sie ausstossen.

Viele Länder haben bereits Kohlenstoffpreise festgelegt. Damit dies aber effektiv ist, ist eine universelle Annahme dieses Systems erforderlich. Könnte die COP26 diese Gelegenheit sein? Die Anlagemärkte spielen zwar eine wichtige positive Rolle im Klimakampf, die Auswirkungen der bevorstehenden Veränderungen auf die Märkte könnten jedoch beträchtlich sein. Unsere Methodologie Carbon Value at Risk (CVaR) stellt unter Annahme eines Kohlenstoffpreises von 100 US-Dollar pro Tonne (das vom UN Global Compact im Jahr 2016 vorgeschlagene Niveau) fest, dass 14 % der Einnahmen des MSCI World gefährdet sind." 

Wie wird sich die Dynamik zwischen China und den USA auf die Verhandlungen auswirken?

Simon Webber, leitender Portfoliomanager, der seit 15 Jahren in Klimawandeltrends investiert:

"Manchmal sind Konferenzen reine Formsache, aber die COP26 ist die wohl wichtigste Klimakonferenz seit zehn Jahren. Es gibt mehrere grosse Unbekannte, wobei die Beziehung zwischen China und den USA die wichtigste ist.  

Wir alle sind uns der Handelsspannungen zwischen den beiden Nationen bewusst. In gewisser Weise greift die Biden-Regierung gegenüber China härter durch als die USA unter Trump. Der Kampf um Handelstechnologie hält ungebrochen an, aber es gibt immer noch viele Verhandlungen über den Klimawandel, die hinter den Kulissen stattfinden.  

Das Klima ist ein Thema, bei dem beide Länder allen Anschein nach zusammenarbeiten wollen. Die Frage ist, ob die Beziehung stabil genug ist, um positive Ankündigungen auf der COP26 möglich zu machen.  

Bislang fehlen noch konkrete Einzelheiten zur Position Chinas. Das Land hat sich im vergangenen Jahr verpflichtet, das Netto-Null-Ziel bis 2060 zu erreichen.  

Aber auch die Position der USA muss gefestigt und durch detaillierte Richtlinien zur Umsetzung von Veränderungen untermauert werden. In den kommenden Wochen müssen konkrete Verpflichtungen und Gesetze entwickelt werden, die vom Kongress verabschiedet werden können, um den Plänen der USA zur Dekarbonisierung Glaubwürdigkeit zu verleihen. Das wird ein wichtiger Katalysator für Investitionen in den Klimawandel sein.  

Von den langfristigen Vorteilen einer Verhinderung der Klimakatastrophe abgesehen, hat auch die öffentliche Besorgnis in beiden Ländern erheblich zugenommen – ein politischer Anreiz für beide Länder, um beim Klimaschutz zusammenzuarbeiten. Einer der Katalysatoren der jüngsten regulatorischen Änderungen in China ist, dass die Menschen mit Umweltverschmutzung und Ungleichheit unzufrieden sind. China greift in letzter Zeit in mehreren umweltschädlichen Industrien viel härter durch. Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass Umweltverschmutzung und -standards in einer Weise Priorität eingeräumt wird, die vor drei oder fünf Jahren nicht der Fall war.  

Es gibt diesbezüglich eine Interessengleichheit zwischen China und den USA. Die Frage ist nur, ob die Handelskonflikte einer Einigung im Weg stehen werden."  

Was hat jetzt unmittelbar Priorität?

Saida Eggerstedt, Leiterin Nachhaltige und Europäische Kredite und Spezialistin für CO2-neutrales Investieren:

"Ich würde mir viel mehr umsetzbare Zusagen aller Regierungen zur Kohlenstoffneutralität wünschen. Es ist absolut zu begrüssen, dass sich viele Länder dem Netto-Null-Ziel verschrieben haben. Um jedoch die wissenschaftsbasierten Ziele zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs zu erreichen, müssen wir kurz- bis mittelfristig handeln. Offenlegung und Governance dazu, wie Länder kohlenstoffneutral werden und den Privatsektor in die Pflicht nehmen, sind von entscheidender Bedeutung.  

Ausserdem wünsche ich mir auch eine sofortige und dringende Bereitstellung von Finanzmitteln und technischer Hilfe für Schwellenländer und gefährdete Gebiete.  

Es wäre toll, wenn sich die Konferenz mit der Frage der klimabezogenen Offenlegung durch Unternehmen mit weiteren Fortschritten in Richtung Leitlinien befasst. Auch die gemeinsame Nutzung von Technologien zur Erfassung und Wiederverwendung von Treibhausgasen muss Priorität haben."  

Mit welchen Auswirkungen müssen die Schwellenländer rechnen?

Jonathan Fletcher, Fondsmanager Schwellenländer und Leiter Nachhaltigkeitsresearch Schwellenländer:  

"Ich bin wirklich optimistisch, was die COP26 und die Chance angeht, die Klimaherausforderungen der Welt anzugehen. Als Investor in Schwellenländern bin ich mir der Auswirkungen des Klimawandels nur allzu bewusst. Von den zehn Städten, die durch den Klimawandel am meisten gefährdet sind, befinden sich neun in Schwellenländern. Die Luftverschmutzung ist in vielen Schwellenländern ein Problem. Von den 50 Städten mit der grössten Luftverschmutzung befinden sich wiederum 45 in Schwellenländern. Koordinierte Massnahmen und finanzielle Unterstützung dieser Länder sind unbedingt notwendig.  

Viele der Unternehmen in Schwellenländern, in die wir investieren, fördern positive Umweltauswirkungen. Das ist eines von fünf Schlüsselthemen in unserem Anlageprozess. Während Anleger und die börsennotierten Unternehmen, in die sie investieren, eine entscheidende Rolle spielen, ist die Zusammenarbeit mit den Regierungen sowie die Zusammenarbeit unter den einzelnen Regierungen ebenfalls sehr wichtig." 

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