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Drei entscheidende Elemente beim nachhaltigen Investieren

Nachhaltiges Investieren wird immer beliebter, kann aber viele verschiedene Formen annehmen. Nicholette MacDonald-Brown, Leiterin European Blend, erläutert die drei Kernelemente in ihrem Ansatz.
15.02.2021 15:30
Nicholette MacDonald-Brown, Fondsmanagerin, europäische Aktien Schroders

Nachhaltige Fonds werden seit einigen Jahren immer beliebter. Der Grund: Das zunehmende Umweltbewusstsein und die Pandemie, die soziale Themen in den Vordergrund gerückt hat. Es gibt jedoch keine branchenübliche Definition für nachhaltiges Investieren.

Auf den Begriff Nachhaltigkeit wird im Investmentbereich allzu oft zurückgegriffen, um viele verschiedene Ansätze abzudecken. Unser Sustainable Investment Team hat einen Leitfaden zusammengestellt, der die häufigsten Fachbegriffe erklärt: Alles, was Sie über nachhaltiges Investieren wissen müssen. 

Für unseren Ansatz sind drei Elemente grundlegend:

  1. „Purpose“ – Was sich über nachhaltiges Investieren in puncto Anlagerenditen und Einflussnahme auf Unternehmen erreichen lässt;
     
  2. „People“ – Nachhaltiges Investieren ist oft eine Ermessensfrage, die sich nicht mit Scores oder Ratings Dritter beantworten lässt;
     
  3. „Process" – Die Kombination von „Purpose“ und „People“ in einem wiederholbaren Prozess, der im Lauf der Zeit weiterentwickelt und verbessert wird.

Zielorientiert investieren

Für uns hat nachhaltiges Investieren das Ziel, eine positive Wirkung auf die Gesellschaft und das Unternehmensverhalten zu erzielen und die Anlageziele der Kunden zu erreichen. Das bedeutet, dass wir unser Kapital in Unternehmen investieren, die entweder bereits nachhaltig geführt werden, sich in einem Übergang befinden oder auf dem Weg sind, ihr Nachhaltigkeitsprofil zu verbessern.

Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass Anleger ihre Risiko- und Renditeerwartungen einschränken müssen, um eine positive Wirkung zu erzielen. Wir sind davon überzeugt, dass dem nicht so ist. Nachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil beim Investieren – kein Kompromiss.

Nachhaltiges Investieren setzt Mindeststandards für das Verhalten eines Unternehmens, in das wir investieren. Wenn die Aktivitäten oder Verhaltensweisen eines Unternehmens der Gesellschaft schaden, dann kann keine noch so attraktive Bewertung dafür entschädigen. Wir glauben nicht, dass sich unsere Einstellung ungünstig auf die Anlagerenditen auswirkt.

Und warum? Weil wir letztlich an nachhaltigen Geschäftsmodellen interessiert sind. Als Anleger in europäischen Aktien wollen wir langfristig orientiert investieren und die Aussichten eines Unternehmens abschätzen. Kann es expandieren? Kann es seine Gewinnmargen steigern? Besteht das Risiko, dass das Unternehmen von einer Aufsichtsbehörde mit einer Geldbusse belegt oder hinter seinen Mitbewerbern zurückbleibt?

Wenn ein Unternehmen beispielsweise seine Auswirkungen auf die Umwelt nicht berücksichtigt, besteht die Gefahr von Geldbussen durch Aufsichtsbehörden und Reputationsschäden bei den Kunden. Zahlt das Unternehmen seinen Mitarbeitenden nicht genug, hat es möglicherweise Probleme bei der Mitarbeiterbindung – und bei Lohnerhöhungen könnten die Gewinnmargen schrumpfen. Unternehmen hingegen, die ihre Auswirkungen auf Betroffene – wie Personal oder die Umwelt – berücksichtigen, sind besser aufgestellt, um solche Risiken zu umgehen.

Wir möchten ausdrücklich darauf verweisen, dass wir nicht einfach in die aktuell nachhaltigsten Unternehmen investieren, ohne Rücksicht auf die Aussichten für ihren Aktienkurs. Wir suchen nach fehlbewerteten Anlagegelegenheiten, deren aktueller Aktienkurs das Potenzial des Unternehmens nicht angemessen widerspiegelt. Die Identifikation von Nachhaltigkeitsrisiken und des Verbesserungspotenzials ist ein wichtiges Element, um höhere Anlagerenditen zu erzielen.

Analysen von Menschenhand

Die Bewertung von Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen ist oft eine Frage des persönlichen Ermessens. Deshalb ist unser Team von europäischen Aktienanalysten so wertvoll.

Wir haben bereits erwähnt, dass nachhaltiges Investieren eine positive Wirkung auf die Gesellschaft und das Unternehmensverhalten bedeutet. Die Wirkung eines Unternehmens untersuchen wir anhand von drei Kategorien:

  1. Welche Produkte oder Dienstleistungen bietet das Unternehmen?
     
  2. Welche (möglicherweise nicht unmittelbar offensichtlichen) Kosten oder Vorteile schafft das Unternehmen für die Gesellschaft? Bei Schroders nutzen wir unser Anlagetool SustainEx, um dies zu bewerten.
     
  3. Wie verhält sich das Unternehmen gegenüber seinen Mitarbeitenden, Zulieferern und anderen Stakeholdern? Wir haben ein weiteres Anlagetool, CONTEXT, mit dem wir diese Frage beantworten und das Unternehmen mit seinen Mitbewerbern vergleichen können.

Diese Prüfung findet in enger Zusammenarbeit mit unseren Finanzanalysten statt. Wir haben festgestellt, dass Fragen zum Thema Nachhaltigkeit uns zu einem besseren Verständnis des Unternehmens verhelfen. Anstatt ausschliesslich mit der Geschäftsleitung eines Unternehmens zu sprechen, kann uns ein Engagement zu Nachhaltigkeitsthemen im ganzen Unternehmen oft ein genaueres Bild seiner operativen Aspekte verschaffen.

Für uns als Anleger in europäischen Aktien ist das besonders wichtig. Die Region Europa ist, was Nachhaltigkeitsberichte betrifft, weiter fortgeschritten als die meisten anderen Regionen. Deshalb ist es für uns umso wichtiger, zu prüfen, ob das Unternehmen Nachhaltigkeit lediglich als bürokratische Pflichtübung behandelt oder wirklich verinnerlicht hat.

Anstatt uns auf grobe Tools wie Ratings von Drittunternehmen, beispielsweise Sustainalytics, zu verlassen, vermitteln uns die Gespräche, die wir und die Analysten mit Unternehmen führen, ein differenziertes, zukunftsorientiertes Bild des Unternehmens. Da Nachhaltigkeit immer wichtiger wird, entwickelt sich in diesen Gesprächen oft eine Partnerschaft, bei der wir als auch die Unternehmen selbst an einer Verbesserung interessiert sind. Die von uns gestellten Fragen können zum Fortschritt beitragen.

So könnte ein Unternehmen nachhaltige Praktiken entwickelt haben, braucht aber vielleicht Unterstützung dabei, wie es dies am besten nachweisen kann. Andere Unternehmen, insbesondere kleinere Unternehmen, brauchen vielleicht Orientierungshilfen in puncto Best Practice.

Manchmal werden wir mit Situationen konfrontiert, in denen ein Unternehmen nicht die Best Practice bei einem Nachhaltigkeitsthema befolgt. Das muss nicht automatisch ein Warnsignal sein. Unsere Analysten können gemeinsam mit dem Unternehmen herausfinden, ob es dafür vielleicht einen guten Grund gibt. Unseres Erachtens muss man die Grauzonen in Bezug auf Nachhaltigkeit diskutieren können. Es genügt nicht, sich nur auf die Ratings von Drittanbietern zu verlassen. Wir stellen auch oft fest, dass ein Gespräch über Nachhaltigkeit mit einem Unternehmen uns dabei hilft, ähnliche Probleme bei einem anderen Unternehmen besser zu verstehen.

Ein wiederholbarer Prozess

Wir kombinieren unser Ziel, unsere Tools und unsere Erkenntnisse in einem zukunftsgerichteten, wiederholbaren und branchenübergreifenden  Prozesss zur Bewertung der Nachhaltigkeit.

Dieser Prozess funktioniert, egal ob es um niedrig bewertete Titel oder um hochwertige Wachstumstitel geht. Hochwertige Wachstumsunternehmen weisen in der Regel stabile Renditen auf, was oft als Zeichen der Nachhaltigkeit gesehen wird. Niedrig bewertete Unternehmen können aber ebenfalls nachhaltige Anlagen sein.

Der Bankensektor ist beispielsweise ein Bereich, der niedrig bewertet ist und sich mit vielen heiklen Nachhaltigkeitsfragen auseinandersetzen muss. Dazu gehört, an wen Banken Kredite vergeben und welche Aktivitäten sie möglicherweise finanzieren, sowie die Kundensicherheit im ständig wachsenden Online-Banking. Für diese Probleme gibt es keine einfachen Lösungen. Die Banken sind sich aber der Risiken in Bezug auf Geldbussen und Reputationsschäden bewusst, wenn etwas schief geht. Ihr Denken in Bezug auf Nachhaltigkeit ist daher weiter fortgeschritten, als ihre Aktienkurse vermuten lassen.

Entscheidend ist, dass sich unser Prozess weiterentwickelt, wenn Nachhaltigkeitsthemen für Kunden und die Gesellschaft insgesamt relevanter werden. Zum Beispiel hat die Pandemie verdeutlicht, wie wichtig widerstandsfähige Lieferketten und der Umgang mit Mitarbeitenden sind.  Wir glauben, dass die Nachhaltigkeitsstandards mit der Zeit steigen werden: Die Best Practice von heute kann morgen schon das absolute Minimum sein. Unser Prozess kann weiterentwickelt und verbessert werden, sodass wir uns weiterhin auf die Zukunft und die besten fehlbewerteten Anlagechancen konzentrieren können, die wir finden können.

Hier erfahren Sie mehr: www.schroders.com/de/ch/asset-management/insights/

Wichtige Informationen:

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