Einfache Anpassung der Anlagestrategie

Schwankungen an den Finanzmärkten führen dazu, dass sich die Gewichtung der Anlageklassen im Portfolio verändert. Dadurch kann der Anleger einem höheren Risiko ausgesetzt sein, als er dies bei der Aufteilung seines Vermögens in die verschiendenen Anlageklassen vorsah. Durch eine einfache Anpassung lässt sich dies beheben und ermöglicht dem Anleger zudem, mehr Rendite zu erzielen.
20.12.2013 15:35
Thomas Merz, Head UBS ETFs Schweiz und Liechtenstein, UBS Global Asset Management

Hat ein Anleger sein Kapital gemäss seiner Anlagestrategie auf die Anlageklassen aufgeteilt, können die Schwankungen an den Finanzmärkten dazu führen, dass die ursprünglich definierte Ausrichtung schon nach kurzer Zeit nicht mehr mit der gewünschten Portfoliozusammensetzung übereinstimmt. Diese Verschiebungen in der ursprünglichen Kapitalallokation kommen zu Stande, da die Renditen der verschiedenen Anlagekategorien durch die Schwankungen an den Finanzmärkten unterschiedlich ausfallen und sich somit die Portfoliogewichte verschieben. Solche Abweichungen von der strategischen Ausrichtung eines Portfolios besitzen grosse Relevanz, da gemäss diversen Studien, wie bspw. jene von Brinson et al. (1986, 1991) oder Ibbotson und Kaplan (2000), die strategische Vermögensaufteilung den grössten Teil der Portfoliorendite erklärt. Weichen nun die Portfoliogewichte der einzelnen Anlagekategorien stark von der definierten Anlagestrategie ab, so ändert sich dadurch - mit grosser Wahrscheinlichkeit - auch das zu erwartende Rendite-Risiko Verhältnis dieser Anlage. Dies könnte dazu führen, dass ein Anleger damit unbeachtet grössere Risiken eingeht, als ursprünglich einmal angedacht. So kommt bspw. die Aktienquote eines ursprünglich 50%/50% Aktien/Obligationen Portfolios über den Zeitablauf mehrmals nahe oder gar über die 80% zu liegen (vgl. Grafik).

Strategie zur Anpassung der Gewichtung der Anlageklassen

Strategietreue Anleger sind daher mit der Herausforderung konfrontiert, wie die ursprünglich definierte Anlagestrategie beizubehalten ist, ohne allzu grosse und häufige Umschichtungen vornehmen zu müssen. So erstaunt es nicht, dass Pensionskassen und grosse institutionelle Investoren wie bspw. öffentliche Vorsorgeeinrichtungen, welche klar definierte Leistungen in Form von Alters- und Invalidenrenten erbringen müssen, sich solche Strategieabweichungen nicht leisten können bzw. wollen. In der Folge haben sich eine ganze Reihe von Anpassungs ("Rebalancing")-Strategien entwickelt, welche das Ziel verfolgen die oben beschriebenen Abweichungen möglichst optimal zu bewerkstelligen.

Eine sehr einfache und auch für private Investoren einfach umsetzbare Variante stellt das kalendarische Rebalancing-Konzept dar. Dabei werden die Strategiegewichte nach einem abgelaufenen Zeitinterval wieder auf die ursprünglichen Grössen zurückgesetzt, beispielsweise jährlich oder halbjährlich. Konzeptionell mag dieses einfache Konzept einige Ungereimtheiten mit sich bringen, denn es nimmt überhaupt keine Rücksicht auf das aktuelle Mass der Strategieabweichung. Es besteht dabei also keine Relation zwischen der Verschiebung der Portfoliogewichte und dem Rebalancing-Zeitpunkt. So paradox dies auch tönt, scheint gerade darin eine Stärke dieses Ansatzes zu liegen.

Jährlich über 1% mehr Rendite bei weniger Risiko

Wie unsere Analyse zeigt, ist ein einfaches Konzept wie es das Kalendar-Rebalancing darstellt, in der Lage mehr Rendite bei weniger Risiko zu liefern. Vor der Berücksichtigung der jährlichen Transaktionskosten von schätzungsweise 0,4% lieferte die Kernanlage, welche einmal im Jahr auf die Strategiewerte 50/50 (Aktien/Obligationen) zurückgesetzt wurde, eine Mehrrendite von 1,56% gegenüber einem statischen "Buy and Hold"-Portfolio (vgl. Tabelle). Zieht man die hierfür anfallenden Transaktionskosten ab, resultiert noch immer eine um mehr als 1% höhere Jahresrendite, dies bei einem deutlich reduzierten Portfoliorisiko. Dies zeigt sich im doppelt so hohen Rendite-Risiko Verhältnis des jährlich ausbalancierten Kernportfolios.

Tabelle: Mehrwert Kalender-Rebalancing vs. "Buy and Hold"-Strategie

Indexreihen (Dez. 1925 = 100), inklusive reinvestierte Erträge Buy and Hold Reb. jährl.
Beobachtungen (n) 84 84
Minimum -44.06% -30.73%
Maximum 29.20% 21.78%
Arith. Mittel p.a. 2.81% 4.40%
Median p.a. 8.57% 4.05%
Schiefe (3. Moment -1.0095 -0.6500
Wölbung (4. Moment) 4.4178 3.5271
Volatilität p.a. 14.46% 10.77%
Rendite/Risiko Quotient 0.1940 0.4084

Quelle: Pictet Aktien und Obligationen Index 1925-1997, erweitert bis 2012, eigene Berechnungen, stetige reale Jahresrenditen

Mit einer Transaktion die Portfoliogewichte wieder herstellen

Wie die Resultate der historischen Renditezeitreihen des Schweizer Kapitalmarktes von 1925 bis heute zeigen, ist ein Anleger in der Lage durch den Einsatz einer simplen Umschichtung sein Portfolio auf dem strategischen Kurs zu halten und dabei gar mehr Rendite bei geringerem Risiko zu erhalten (s. Grafik). Dies gelingt jedoch nur, wenn dabei keine allzu grossen Kosten entstehen und sich der Aufwand auf ein Minimum begrenzt. Ein Exchange Traded Fund (ETF) erlaubt es einem Anleger mit einer Transaktion einen gesamten Markt hinzufügen oder weglassen zu können. Damit ist auch das Zurücksetzen der Portfoliogewichte auf die entsprechende Portfoliostrategie mit einer einzigen Transaktion einfach und kostengünstig möglich. Somit stellt die Verwendung von ETFs aus dem Gesichtspunkt einer einfachen und effizienten Rebalancing-Strategie eine äusserst sinnvolle Umsetzung dar.

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