«ETF im Vormarsch», sagt der Schweizer Anlagefondsverband

ETF haben einen wachsenden Anteil am Schweizer Anlagefondsvolumen: Das war eine Kernaussage des Mediengesprächs, das der Schweizer Anlagefondsverband SFA unlängst durchgeführt hat.
20.12.2013 15:35
Roland Fischer, Head of Lyxor ETF Switzerland & Liechtenstein

ETF gesetzlich geschützt
Ein wichtiges Ziel des Schweizer Anlagefondsverbands SFA ist es, speziell die privaten Anlegerinnen und Anleger noch besser auf die preiswerten ETF einzustimmen. Dazu brauche es vermehrt Aufklärung über deren Vor- und Nachteile. „Denn die ETF sind trotz ihres markanten Wachstums eher weniger im Zentrum Medienberichterstattung“, wurde am Mediengespräch festgestellt. Noch zu wenig bekannt sei beispielsweise, dass diese Anlagevehikel genauso wie die „normalen“ Anlagefonds vom Schweizer Kollektivanlagegesetz voll geschützte Sondervermögen sind. Dieses wird einfach passiv verwaltet, indem irgendein Index abgebildet wird. Daraus entstehe ein Vorteil: Die Verwaltungskosten sind tief. Und wie es der Name schon sagt, werden die börsengehandelten Indexfonds ETF wie Aktien an der Börse gehandelt. Neben den normalen Courtagen fallen dabei nie teure Ausgabeaufschläge oder Rücknahmekommissionen an.

Begriffswirrwarr
Wichtig: Aus Marketinggründen sind Finanzprodukte mit ETF-ähnlichen Namen wie ETP, ETC oder ETN entwickelt worden. Das alles sind aber keine gesetzlich regulierten und beaufsichtigten Sondervermögen, sondern in der Regel Schuldverschreibungen mit einem Gegenparteirisiko. In diesem Begriffswirrwarr bieten nur die ETF den vollen gesetzlichen Schutz.

Indexabbildung und Handel
Mit den über 900 an der Schweizer Börse gehandelten ETF kann man praktisch in alle Teilbereiche der globalen Finanzmärkte investieren: Aktien weltweit oder Aktien einzelner Regionen, Länder oder Branchen, Obligationenmärkte aller Art, Edelmetalle, Rohstoffe, Geldmärkte und – für fortgeschrittene Investoren – in die verschiedensten Strategien. Die den ETF zugrundeliegenden Indizes werden entweder physisch oder synthetisch abgebildet. Bei der physischen Methode werden die Wertpapiere des Index direkt gekauft. Wenn das nicht oder nur erschwert möglich ist, wird die Rendite des Index mit Tauschgeschäften synthetisch hergestellt. Ob physisch oder synthetisch, auf jeden Fall müssen die Käufer den Abweichungsfehler unter die Lupe nehmen: Ein exzellenter ETF zeichnet sich im Zeitablauf durch eine möglichst exakte Indexabbildung aus.

Im Börsenhandel muss zudem auf eine hohe Liquidität der einzelnen ETF geachtet werden. Diese drückt sich in einer geringen Spanne zwischen dem Geldkurs (Nachfrage) und dem Briefkurs (Angebot) aus.

Passiv versus aktiv
Die passiv verwalteten ETF haben gegenüber den aktiven Fonds einen Nachteil: Sie sind „nur“ darauf ausgerichtet, den Index abzubilden. Laut Studien scheitert aber die überwiegende Zahl der aktiv verwalteten Fonds an ihrem Ziel, nachhaltig besser als ihr Vergleichsindex abzuschneiden. Im Gegenteil, viele Fonds verpassen den Index. Die höheren Managementgebühren für die Aktivfonds spiegeln sich deshalb oft nicht in der versprochenen Mehrrendite.

Entgangene Erträge
Fragt sich, weshalb denn die privaten Investoren in Europa und in der Schweiz – im Gegensatz zu den USA – bei den gebührensparenden ETF nach wie vor eher zögerlich zugreifen. Dies, obwohl sich jedes unnötig zu viel bezahlte Gebührenprozent beispielsweise in der langfristigen Vorsorge wegen des Zinseszinseffekts in hohen entgangenen Erträgen niederschlägt. Die Antwort: Das liegt am Vertrieb der Finanzprodukte und den damit verbundenen Kommissionen. Am SFA-Mediengespräch wurde hervorgehoben, dass Hoffnung auf eine Wende bestehe: „Finanzberater in Europa bieten zunehmend Beratungsmodelle auf Honorarbasis an, was tendenziell vor allem preiswerten und effizienten Produkten wie den ETF zugute kommt“, lautete eine vorgebrachte These.