Ist die Welt flach?

Die Grenzen werden zunehmend eingerissen. Wir leben nicht mehr in einer geschützten Welt. Das Gleiche trifft auf unsere Aktienportfolios zu.
17.05.2014 11:43
Stephen Docherty, Head Of Global Equities, Aberdeen Asset Management

Das berühmt-berüchtigte Buch von Thomas Friedman mit dem Titel "The World is Flat" ist inzwischen fast zehn Jahre alt. In diesem Buch erzählt Friedman von einer Reise in das indische Bangalore, auf der ihm bewusst wurde, dass die Globalisierung so weit vorangeschritten ist, dass sie zentrale ökonomische Konzepte in Frage stellt und ihnen möglicherweise jede Glaubwürdigkeit abspricht. Das seit langem verstärkte Einreissen von Grenzen zwischen Ländern und Staaten hat es Unternehmen ermöglicht, ihre Tätigkeit weltweit auszuüben und global zu agieren. Dadurch werden der Wettbewerb verschärft und die effiziente Zuweisung von Ressourcen verbessert.

Die Stärke dieser global aufgestellten Unternehmen im Vergleich zu ihren auf regionaler Ebene agierenden Pendants wird heute deutlicher sichtbar denn je. Seit dem letzten Kurshoch von 2007 (dem Jahr, in dem die jüngste Ausgabe von Friedmans Buch erschien) hat der MSCI All Countries World-Index nicht nur besser als der MSCI Europe und der MSCI UK abgeschnitten, sondern war auch besser vor der Finanzkrise der Jahre 2008/2009 geschützt.

Quelle: Bloomberg, Mai 2014.

Warum halten angesichts der starken relativen Performance, die global aufgestellte Unternehmen in den vergangenen Jahren erzielt haben, die meisten Anleger noch immer an dem altmodischen Konzept eines Inlandsportfolios fest? Schliesslich gehen die Vorteile eines globalen Aktienportfolios weit über die Steigerung des Renditepotentials und die Diversifikation eines breiter aufgestellten Portfolios hinaus.

Häufig empfiehlt es sich, auch bei grossen multinationalen Konzernen mit gut diversifizierten Erträgen aufgrund von Faktoren wie Kursdifferenzen oder besseren regionalen Wachstumsperspektiven die Aktie einer Tochtergesellschaft zu kaufen. Ein globales Mandat gibt einem Investmentmanager den Spielraum, genau dies zu tun und damit für seinen Auftraggeber einen höheren Wertzuwachs zu erzielen.

Ein weiteres Merkmal eines globalen Mandats ist, dass es auf regionaler Ebene nicht umgesetzt werden kann. Globale Manager sind in der Lage, das Risiko durch einen Schwerpunkt auf bestimmten Sektoren oder Regionen zu steuern, indem sie von Krisen betroffene Sektoren oder Regionen meiden. Ein regional fokussiertes Portfolio ist weniger flexibel, auch bei schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Ein Argument für regionale Portfolios, vor allem solche mit Anlageschwerpunkt auf britischen Unternehmen, lautete häufig, dass sie ein höheres Dividendenpotential als globale Portfolios besitzen1. Zwar trifft es zu, dass traditionellerweise Dividenden vor allem von britischen Unternehmen ausgeschüttet wurden, doch hat sich dies in den letzten zehn Jahren grundlegend geändert. Beispielsweise zahlen kontinentaleuropäische Unternehmen mittlerweile genau so zuverlässig Dividenden wie ihre britischen Pendants. Und während in den USA Kapitalzuwächse und Aktienrückkaufprogramme beliebter waren als - die höher besteuerten - Dividenden, hat sich durch die Steuerreformen der letzten Jahre die Einstellung der US-Investoren gegenüber Dividendenzahlungen ebenfalls verändert. So gibt es mittlerweile eine Vielzahl global agierender Unternehmen, die Dividenden in der Grössenordnung von 4% bis 5% ausschütten.

Die von Aberdeen umgesetzte Strategie für internationale Aktien beruht auf einem "Best Ideas"-Ansatz, der den Überzeugungen unseres Teams für internationale Aktien entspricht und sich auf die Expertise unserer regionalen Aktien-Researchteams stützt. Wir arbeiten mit einem Bottom-up-Investmentprozess auf der Grundlage einer disziplinierten Bewertung, abgleitet aus den tausenden von Unternehmensbesuchen unserer regionalen Aktienteams und der anschliessenden dokumentierten Analyse.

Im Einklang mit unserer Anlagephilosophie und dem von den regionalen Teams umgesetzten Investmentprozess liegt ein Schwerpunkt auf attraktiv bewerteten und erstklassigen Unternehmen, wobei sich der Begriff Erstklassigkeit in erster Linie auf das Management und das Geschäftsmodell bezieht. Wir wollen die Flexibilität und die Chancen nutzen, die ein gründlich analysiertes globales Anlageuniversum bietet. Jedoch investieren wir grundsätzlich erst dann in ein Unternehmen, nachdem wir dessen Management persönlich kennen gelernt haben.

Wenn uns eine Aktie nicht zusagt, kaufen wir sie nicht - ganz gleich wie hoch sie im Index gewichtet ist. Wir sind nicht an schnellen Gewinnen interessiert, sondern legen grössten Wert auf langfristige Renditen. Als langfristig orientierte Investoren sehen wir die Beziehung zu den Unternehmen, in die wir investieren, als Partnerschaft. Wir sind der Überzeugung, dass wir mit der Kombination aus langfristigem Anlagehorizont und gezieltem Stock-Picking die sich an den globalen Aktienmärkten bietenden Chancen auf lange Sicht optimal nutzen können.

Das Tempo, in dem sich die Welt ändert, ist im vergangenen Jahrzehnt rasant gestiegen. Die Beziehungen zwischen den Ländern wurden intensiviert, viele Unternehmen, die früher nur ein einziges Standbein besassen, haben ein dichtes Geflecht aus Tochtergesellschaften rund um den Globus aufgebaut, und seit einiger Zeit ermöglicht das Internet die weltweite gemeinsame Nutzung von Informationen per Mausklick. Im Einklang mit Friedmans Theorie wurden die Grenzen sprichwörtlich eingerissen. Wir leben nicht mehr in einer geschützten Welt - das Gleiche trifft auf unsere Aktienportfolios zu.
 

1 Quelle: MSCI, Aberdeen Asset Management, März 2014. Diese Aussage bezieht sich auf den Vergleich zwischen dem MSCI World-Index und den Dividendenrenditen der im MSCI UK geführten Werte zwischen dem 31. März 1995 und dem 28. Februar 2014.
 

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