Märkte - Fünf Gründe, weshalb Grossstädte ein Anlagetrend bleiben

Grossstädte laufen Ländern den Rang ab: Ihr Erfolg ist gekennzeichnet von Innovation, Effizienz und der Clusterbildung von Branchen. Was bedeutet das für Anleger?
29.01.2020 17:50
Tom Walker, Co-Head of Global Listed Real Estate bei Schroders
Tom Walker, Co-Head of Global Listed Real Estate bei Schroders

Die Verlagerung des wirtschaftlichen Fokus von Ländern zu Städten ist ein weltweit zu beobachtendes Phänomen. Grossstädte sind effizient und können eine wesentlich grössere Wirtschaftsleistung hervorbringen, als es Länder tun können.

Technologische Neuerungen und der Austausch neuer Ideen durch die Clusterbildung von Branchen führen dazu, dass die Städte aufgrund der daraus resultierenden Urbanisierung einen Wandel durchlaufen.

Bis Ende dieses Jahrhunderts werden Forschungsergebnissen der Universität Oxford zufolge 90 % der Weltbevölkerung in Städten leben. Somit handelt es sich um einen langfristigen Trend, durch den sich Anlegern erhebliche Chancen zur Vermögenssteigerung eröffnen.

Wohlstand durch Urbanisierung

Drei der wohlhabendsten Länder der Welt (gemessen am BIP pro Kopf) sind Katar, Luxemburg und Singapur. In allen drei Ländern leben mehr als 90 % der Bevölkerung gemäss den Daten des CIA World Factbook für das Jahr 2018 in Städten.

Drei der weltweit ärmsten Länder sind hingegen die Zentralafrikanische Republik, die Demokratische Republik Kongo sowie Burundi. In diesen Ländern liegt der Anteil der in städtischen Gebieten lebenden Bevölkerung (d. h. der Grad der Urbanisierung) jeweils bei 41,4 %, 44,5 % bzw. 13 %.

Vergleicht man das Vermögen der Länder Afrikas mit ihrem Urbanisierungsgrad, wird deutlich, dass eine stärker ausgeprägte Verstädterung ein höheres Wirtschaftswachstum zur Folge hat.

Es besteht eine direkte Korrelation zwischen Städten und der Schaffung von Wohlstand. Urbanisierung schafft Effizienzen, die Unternehmen und Menschen aufgrund der Arbeitsmöglichkeiten anziehen. Dadurch werden wiederum verstärkt Unternehmen angezogen, da mehr qualifizierte Arbeitskräfte verfügbar sind. Mit ihren Kompetenzen tragen sie zu Wachstum und Innovation der Unternehmen bei, was abermals qualifizierte Arbeitskräfte anzieht. Darin besteht die Macht der Urbanisierung.

Zunehmend rasantes Tempo der Urbanisierung

Urbanisierung ist nichts Neues. Seit der Frühphase der industriellen Revolution ziehen Menschen aufgrund der besseren Arbeitsmöglichkeiten in die Städte. Allerdings verläuft diese Entwicklung heute immer rasanter. In Ländern wie China nimmt der Grad der Verstädterung exponentiell zu.

Im Jahr 1950 lebten den Vereinten Nationen (UN) zufolge nur 30 % der Weltbevölkerung in Städten. Dieser Anteil dürfte bis 2035 auf 63% steigen, so die UN. Sarah Harper, Expertin für Bevölkerungsentwicklung und Demografie an der Universität Oxford, schätzt, dass 90 % der Menschen zum Ende des Jahrhunderts in Städten leben werden. Dies unterstreicht den langfristigen Charakter der Urbanisierung.

In Grossstädten leben die Menschen am effizientesten, und durch diese Effizienz wird Wohlstand geschaffen. Anleger in den Städten der Welt sollten herausfinden, wo Innovation stattfindet. Denn dadurch entstehen neue Arbeitsplätze, was mehr Menschen anzieht und weitere Investitionen in die Stadt fördert.

Die Vorteile der Clusterbildung 

Einer der wesentlichen Vorteile einer Stadt ist die Möglichkeit der geografischen Nähe verschiedener Unternehmen. Dies wird als «Clusterbildung» bezeichnet und stellt heute eine wesentliche Komponente für den Erfolg vieler Unternehmen dar, da die Effizienz auf diese Weise gesteigert wird und Unternehmen die Möglichkeit haben, zusammenzuarbeiten und Ideen auszutauschen.

Heutzutage lassen sich in den Städten in der Regel verschiedene Branchencluster ausmachen. Los Angeles beispielsweise ist ein zentrales Drehkreuz für die Unterhaltungsindustrie, Boston für medizinische Forschung und Singapur für die Finanzwelt. 

Während manche Grossstädte erfolgreich sind, bleiben andere auf der Strecke

Die US-amerikanische Stadt Detroit war lange ein Paradebeispiel für schrumpfende Städte. Die Stadt ist stark von der Automobilbranche abhängig und verzeichnete in den vergangenen Jahrzehnten eine rückläufige Bevölkerungsentwicklung, nachdem viele der grossen US-Automobilhersteller ihre Produktionsstätten in Standorte ausserhalb der Stadt verlagerten. Die sinkende Einwohnerzahl ist teilweise auf das Unvermögen der Stadt, sich an industrielle und wirtschaftliche Veränderungen anzupassen, zurückzuführen. In den kommenden fünf bis zehn Jahren werden weitere Städte ein ähnliches Schicksal erleiden.

Der Erfolg einer Stadt ist heute entscheidend vom Faktor Innovation abhängig. Die Anzahl der Patentanmeldungen der einzelnen Städte dient als aussagekräftiges Barometer, da erfolgreiche Städte (wie San Francisco und San José) deutlich mehr Patente anmelden als weniger erfolgreiche (wie Detroit). Innovation schafft Arbeitsplätze, zieht qualifizierte Arbeitskräfte an und fördert weitere Investitionen in die entsprechende Stadt.

Investitionen in Städten sind mit einem erheblichen langfristigen Wachstumspotenzial verbunden, wobei es sich um einen langfristigen Trend handelt. Mit Anlagen in aufstrebenden Städten kann noch jahrzehntelang eine im Vergleich zu weniger erfolgreichen Städten hohe Rendite erzielt werden.

Universitäten sind für den Erfolg einer Stadt von wesentlicher Bedeutung

Universitäten bilden eine zentrale Komponente für den Erfolg einer Stadt. Eine Universität von Weltruf ist im Hinblick auf Innovation und Kompetenz das Herzstück einer jeden Stadt. Die 20 wichtigsten Universitäten weltweit befinden sich allesamt in erfolgreichen Städten und zentralen globalen Innovationszentren wie New York, Boston, London, Peking und Singapur – allesamt Städte, in denen die Innovation in vollem Gange ist. Bei einer Anlage in diesen Städten ist der Werterhalt wahrscheinlicher als in Städten ohne solche Weltklasse-Universitäten.  

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