Mit Branchen-ETFs die Portfoliorendite steigern

An der Schweizer Börse werden ETFs gehandelt, die globale Branchen abbilden. Diese lassen sich im Konjunkturverlauf gezielt übergewichten oder untergewichten. Damit werden die Renditenchancen eines Portfolios erhöht.
16.09.2014 15:39
Roland Fischer, Head of Lyxor ETF Switzerland & Liechtenstein

Mit den börsengehandelten Indexfonds, den Exchange Traded Funds (ETF), lässt sich der Aktienanteil eines Vermögens ganz einfach verwalten: Man packt einen Weltaktien-ETF ins Portfolio. Dann ist man auf einen Schlag global diversifiziert. Es geht aber auch anders: Dank des breiten Angebots von ETFs auf Aktienindizes von Ländern, Regionen, Branchen oder Themen kann man im Aktienbereich gezielt Schwerpunkte setzen. Ziel: Aufgrund seiner Analysen und Erwartungen die Rendite steigern. Besonders erfolgversprechend ist ein derart aktiver Einsatz der passiven Indexinstrumente mit ETFs auf globale Branchen wie hochwertige Konsumgüter, Massenkonsumgüter, Energie, Finanzen, Gesundheit, Industrie, Informationstechnologie (IT), Materialgüter, Telekommunikation oder Energieversorgung. Solche Branchen-ETFs sind seit einiger Zeit an der Schweizer Börse kotiert.

Ergebnis der Globalisierung

Die Renditen von entwickelten Aktienmärkten werden mehr durch globale Brancheneinflüsse beeinflusst als durch regionale Faktoren. Das ist ein Ergebnis der Globalisierung der Weltwirtschaft. In einem langfristigen Vergleich weichen laut MSCI Barra die annualisierte Rendite des MSCI Weltindex und die annualisierten Renditen der zehn wichtigsten Branchenindizes stark voneinander ab (MSCI Barra, MSCI Research Insight, The „New Classic“ Equity Allocation). Dank der beobachteten Renditenunterschiede lässt sich mit einem Branchenansatz die Gesamtrendite eines Portfolios steigern. Zumal die Diversifikation nach Branchen eine bessere Risikominimierung bietet als eine Diversifikation nach Regionen.

Branchen im Konjunkturverlauf

Branchen und Aktien werden oft in zyklische und defensive Werte unterteilt. Zyklische Branchen bestehen aus Unternehmen, deren Umsatz und Gewinn in hohem Mass vom Konjunkturverlauf abhängen. Dazu zählt beispielsweise die Informationstechnologie. Im Gegensatz dazu sind defensive Branchen wie die Gesundheit weniger stark konjunkturabhängig. MSCI Barra hat für mehr als drei Jahrzehnte untersucht, welche Wechselwirkungen zwischen Wirtschaftszyklen und Branchenrenditen bestehen. Dabei wird der Konjunkturverlauf anhand des OECD Composite Leading Indicator(CLI) gemessen: Ein Anstieg dieses Indikators wird mit einem wirtschaftlichen Aufschwung gleichgesetzt, ein Rückgang mit einem Abschwung.

Zyklisch und defensiv

Die zyklischsten Branchen sind demnach die Informationstechnologie, die hochwertigen Konsumgüter sowie die produzierende Industrie. Am defensivsten und damit am wenigsten vom Konjunkturverlauf abhängig sind die Gesundheit, die Massenkonsumgüter und die Energieversorgung. In Aufschwungphasen erzielen die zyklischsten Branchen gegenüber dem MSCI World Index eine Mehrrendite von fast fünf Prozent und die defensivsten Branchen schneiden sechseinhalb Prozent schlechter ab. In Abschwungsphasen läuft es umgekehrt: Die drei zyklischsten Branchen erzielen verglichen mit dem MSCI World eine um fast sechs Prozent tiefere Rendite und die drei defensivsten Branchen eine um über zehn Prozent höhere Rendite. Weil sich Branchen systematisch in zyklische und defensive aufteilen lassen und diese sich im Konjunkturverlauf in erheblichem Ausmass unterschiedlich verhalten, kann das Investieren in globale Branchen somit Mehrwert schaffen.

Investieren in Branchen-ETFs

Mit den an der Schweizer Börse kotierten Branchen-ETFs können einzelne globale Branchen in einem Aktienportfolio gegenüber dem Weltindex kostengünstig und jeweils mit nur einer Transaktion übergewichtet oder untergewichtet werden. Weil sich die Branchen in einzelnen konjunkturellen Phasen unterschiedlich entwickeln, erlaubt die Möglichkeit des Einsatzes von solchen ETFs zur Erhöhung der Renditenchancen eine feine Abstimmung der Vermögensaufteilung auf die Konjunkturerwartungen.