Platin – das bessere Gold?

Realwerte wie Edelmetalle bieten sich vor dem Hintergrund von Eurokrise und Inflationsangst als Bereicherung für ein breit ausgerichtetes Portfolio an. Platin ist dabei, Gold wieder als Leader abzulösen.
20.12.2013 15:38
Patrick Stettler, Leiter Public Distribution Derivatives Schweiz, UBS

Der Ausgang der Parlamentswahlen in Italien und die jüngsten Äusserungen von Wahlsieger Grillo, das Tabuthema «Euroaustritt» in Betracht zu ziehen, weckte erneut Ängste unter den Anleger. Andreas Höfert, Chefökonom bei UBS WM Research, im UBS Podcast ist sich sicher, dass ein Verbleib Italiens im Euroraum nur möglich ist, wenn wichtige Strukturreformen weiter vorangetrieben werden. Nur so kann die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Währungsunion erhöht werden. Ansonsten müsste Italien langfristig wohl oder übel aus dem Euroraum austreten.

Edelmetalle als Krisengewinner

Das ist eine klare Einschätzung, die auch die Finanzmärkte beschäftigt: Der Goldpreis fing bereits im Vorfeld der Wahlen in Italien an, nach oben zu drehen. Noch stärker  zeigte sich in den letzten Wochen Platin. Das Verhältnis zwischen dem Gold- und Platinpreis hat sich sukzessive verringert. Der interessante Indikator lässt Rückschlüsse über die relative Attraktivität der beiden Edelmetalle zu.

Gold-Platin-Verhältnis seit 2003


Quelle: Bloomberg, Stand: 14.03.2013

Gold wird mit Vorliebe zu Absicherungszwecken erworben. Dagegen folgt Platin eher konjunkturellen Zyklen. Das Verhältnis der beiden Preisgrössen vermittelt daher einen Eindruck, wie stark an den Finanzmärkten die Verunsicherung im Vergleich zur Erwartung einer geregelten Konjunkturentwicklung vorherrscht. Nach einer Schätzung von UBS WM CIO Research per 21. Dezember 2012 ist die Goldnachfrage zu 46 Prozent auf Investmentabsichten zurückzuführen, während dies bei der Platinnachfrage nur rund sechs Prozent ausmacht. Dahingegen beschränkt sich die Goldnachfrage für industrielle Zwecke auf neun Prozent, während die Industrienachfrage nach Platin auf 60 Prozent kommt. Der verbleibende Rest, 45 Prozent bei Gold und 34 Prozent bei Platin, wird vom Schmucksektor nachgefragt.

Platin in der Vergangenheit meistens teurer als Gold

Das Gold-Platin-Verhältnis (siehe Verlauf im Chart) befindet sich im historischen Vergleich weiterhin auf einem hohen Niveau. Seit November 2012 ist eine deutliche Entspannung zu erkennen. Der Quotient ist seither von mehr als 1,1 auf mittlerweile 1,0 abgerutscht. Der Preis von Platin liegt damit wieder auf der Höhe des Goldes. Vor der Finanzkrise und bis zur Eurokrise war Platin stets teurer als Gold. Das jetzige Kursniveau von Platin scheint vor diesem Hintergrund weiterhin günstig. (Stand: 14.03.2013)*

Nachfragesituation bei Edelmetallen

Quelle: UBS CIO WM Research, Stand: 21.12.2012

Absicherung von Extremsituationen

Gold eignet sich in einem konservativen Portfolio als Absicherung gegen Extremrisiken wie zum Beispiel einen kräftigen, überraschenden Inflationsschub oder eine spektakuläre Marktverwerfung, die oftmals mit dem gravierenden Anstieg der Volatilitäten einhergeht. Speziell das Thema Inflation kann in den Vordergrund rücken, wenn die Weltkonjunktur fortgesetzt auf höhere Drehzahlen kommt und die Zentralbanken die bis dato in den Markt gegebene Liquidität nicht schnell genug abschöpfen können. Tritt dieser Fall ein, stellt sich allerdings die Frage, ob Gold wirklich die beste Wahl unter den Edelmetallen darstellt. Für Platin würde zumindest sprechen, dass die branchenspezifische Nachfrage durch den Automobil-Sektor in einem positiven Konjunkturumfeld quasi als Absatzgarant für Platin fungiert.

Drohende Produktionsengpässe bei Platin

Zudem scheint Platin derzeit attraktiv bewertet. Steigende Lohn- und Energiekosten haben die Kosten für die Platingewinnung auf 1‘600 US-Dollar je Feinunze anwachsen lassen. Viele Platinproduzenten können unter diesen Bedingungen nicht mehr kostendeckend arbeiten und schliessen Minen. Das bestehende Angebot deckt die Marktbedürfnisse allerdings nur knapp. Bei einer Erholung der Weltwirtschaft Ende des ersten Halbjahres und im zweiten Halbjahr 2013 droht eine Unterversorgung des Platinmarktes. Aufgrund dieses potenziellen Angebotsdefizits halten die Experten von UBS WM CIO Research einen Anstieg des Platinpreises auf 1‘850 US-Dollar pro Unze in den kommenden sechs bis zwölf Monaten für möglich.

Intelligente Produktlösungen

Rohstoffe werden am Finanzmarkt meist über Terminkontrakte abgebildet, weil auf diese Weise eine Partizipation an der Preisentwicklung von Rohstoffen möglich ist, ohne diese physisch liefern und lagern zu müssen. Das ist auch bei Platin der Fall. Da Terminkontrakte jedoch fest vorgegebene Maturitäten aufweisen, erfordert ein langfristiges Engagement wiederholtes Rollen. Darunter wird die Umschichtung eines vor dem Verfall stehenden Terminkontrakts in einen länger laufenden Kontrakt verstanden. Wer sich für intelligente Anlageinstrumente auf Platin interessiert wird bei ETCs auf  UBS Bloomberg CMCI Platinum Index fündig. Verfügbar sind Tranchen, die sowohl in US-Dollar als auch währungsgesichert in Euro und Schweizer Franken denominiert sind. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter www.ubs.com/cmci.