Rohstoffmarkt: Infos in Hülle und Fülle

Der Handel mit Weizen und Co kennt besonders viele preisbestimmende Faktoren. Auf folgende Meldungen sollten Anleger achten.
20.12.2013 15:31
Andreas Stocker, Derivatives & ETFs Public Distribution, Commerzbank Zürich

Von einer Sommerflaute oder gar -pause kann an den internationalen Kapitalmärkten keine Rede sein. Während der Ferienzeit präsentiert sich der Terminkalender sogar besonders dicht gedrängt. Im Juli erreicht die Quartalssaison ihren Höhepunkt. Rund um den Globus gewähren die Unternehmen Einblick in den Geschäftsverlauf der vergangenen drei Monate. In der Schweiz kommt es dabei am 25. Juli zu einem regelrechten "Grosskampftag". Dann präsentieren mit ABB, Credit Suisse, Givaudan und Roche gleich vier Grosskonzerne aus dem SMI ihr Zahlenwerk. Eine Verschnaufpause ist auch den Akteuren an den Rohstoffmärkten nicht gegönnt. In dieser Anlageklasse spielen besonders viele Preisfaktoren eine Rolle. Daher müssen Investoren und Analysten Meldungen zur Konjunktur, Statements von Seiten der Notenbanken, News zur Angebots- respektive Nachfragesituation sowie politische Ereignisse genauso im Blick haben wie den Wetterbericht. Eine Übersicht womöglich Kursrelevanter Termine für die Aktienbörsen finden Sie in diesem Terminkalender.

«Dr. Copper» verheisst wenig Gutes

Die verschiedenen Informationsquellen spielen je nach Warengruppe eine unterschiedlich grosse Rolle. Als besonders konjunktursensitiv gelten Industriemetalle. Kupfer, der wichtigste Vertreter dieses Segments, trägt daher den Namen "Dr. Copper". Nicht ohne Grund: Das rote Metall kommt in vielen Bereichen zum Einsatz, die Bandbreite reicht vom Bau über die Autoindustrie bis zur Elektrotechnik. Der immense Aufschwung Chinas sorgte dafür, dass Meldungen zur konjunkturellen Lage in dem führenden Emerging Market eine hohe Aufmerksamkeit finden. Zuletzt sorgte das Reich der Mitte dabei tendenziell für Enttäuschungen. Jüngstes Beispiel ist der Einkaufsmanagerindex: Im Juni fiel das von Markit zusammen mit HSBC veröffentlichte Stimmungsbarometer auf 48,2 Punkte – der tiefste Stand seit vergangenem September. Damit entfernt sich China immer weiter von der Wachstumsschwelle bei 50 Punkten. Da das Land für mehr als 40 Prozent der globalen Kupfernachfrage verantwortlich ist, überrascht die schwache Entwicklung des Industriemetalls nicht. Im ersten Halbjahr gab der nächstfällige Terminkontrakt knapp 15 Prozent nach. Als zusätzlicher Belastungsfaktor erwies sich die Ankündigung der US-Notenbank, allmählich aus der expansiven Geldpolitik aussteigen zu wollen. Darüber hinaus hat sich die Angebotssituation bei Kupfer deutlich entspannt. Die International Copper Study Group (ICSG) erwartet 2013 erstmals seit vier Jahren einen Überschuss. "Dieser kommt in erster Linie durch eine kräftige Erhöhung der Produktion zustande", meint Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Den jüngsten Preisrückgang hält er dennoch für übertrieben und erwartet daher eine Erholung: "Bis Ende des Jahres gehen wir davon aus, dass der Kupferpreis auf 7.700 US-Dollar je Tonne steigen kann." Neben den Konjunktursignalen aus China dürfte dabei die Entwicklung der Versorgungslage eine zentrale Rolle spielen. Auf ihrer Internetseite (www.icsg.org) veröffentlicht die ICSG in der Regel am 20. jeden Monats die neuesten Daten.

In einer deutlich höheren Frequenz erhalten Anleger Informationen zum Ölmarkt. Die Energy Information Adminis­tration (EIA) legt jeden Mittwoch Zahlen zu den US-Lagerbeständen des wichtigsten Energieträgers vor. Nicht nur wegen dieser Publikation lohnt sich ein Blick auf die Internetseite der Regierungsbehörde (www.eia.gov). Dort ist eine immense Fülle an Daten und Prognosen zum globalen Energiemarkt zu finden. Nur zum Teil frei zugänglich sind die Veröffentlichungen der Internationalen Energieagentur (IEA). Unter www.iea.org legt sie unter anderem jeden Monat einen Bericht zum Ölmarkt vor. Zum Teil erklärt der jüngste Report, weshalb sich der Ölpreis zuletzt im Vergleich zu anderen Rohstoffen stabil entwickelte. Die Agentur erwartet während der Sommermonate überdurchschnittlich starke Produktionsausfälle in der Nordsee. Grund sind Wartungsarbeiten auf den Ölplattformen und an den Pipelines. Carsten Fritsch nennt einen weiteren Grund für die relative Stärke: "Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben zu einem Anstieg der Risikoprämie geführt. " Er verweist auf die Eskalation des Syrienkonflikts sowie auf weitere Unruheherde in der Region, wie die Demonstrationen in der Türkei. Dass das Öl-Angebot trotz aller Probleme nach wie vor reichlich ist, liegt nicht zuletzt an der OPEC. Die Förderung der Organisation erdölexportierender Länder liegt über dem offiziellen Produktionsziel von 30 Millionen Barrel pro Tag. Auch die OPEC äussert sich monatlich zur Marktsituation. Unter www.opec.org steht der ausführliche Report zur Verfügung. Momentan werfen Ölhändler den Blick darüber hinaus häufig auf den Wetterbericht, da die Hurrikansaison angelaufen ist. Treten besonders heftige Stürme auf, können diese die Ölförderung massiv beeinflussen.

Entspannung am Getreidemarkt

Von grundsätzlich hoher Bedeutung ist die Wetterlage im Agrarbereich. Die Rekordhitze in den Kornkammern der USA schürte im vergangenen Jahr Angst vor einer Verknappung. In der Folge schossen die Preise von Weizen & Co. nach oben. Mittlerweile hat sich die Lage deutlich entspannt. Beispielsweise wird in den USA eine Rekordernte für Mais erwartet. Das liegt zum einen daran, dass in den Staaten eine so grosse Fläche wie seit 1936 nicht mehr mit dem Süssgetreide bestellt wurde. Ausserdem ist die Witterung günstig. Entsprechend notiert Mais rund ein Fünftel unter dem Spitzenniveau des vergangenen Jahres. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Weizen und Sojabohnen. Die zentrale Informationsquelle für dieses Segment ist das US-Landwirtschaftsministerium USDA. Es veröffentlicht unzählige Bulletins zu zentralen Faktoren wie Wetter, Aussaat und Ernteerwartungen. Hinzu kommen Daten zum internationalen Handel mit Agrarrohstoffen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem World Agricultural Supply and Demand Estimates Report (WASDE). Diese monatliche Analyse skizziert die Angebots- und Verbrauchssituation für eine Fülle von Naturwaren. Neben einem Rückblick auf die vergangene Saison liefert das Ministerium Prognosen für die kommenden beiden Perioden. Der WASDE befasst sich mit einer Reihe von Getreidesorten sowie Zucker, Baumwolle, Lebendvieh und Milchprodukten. Mithilfe dieses Reports ist es unter anderem möglich, die Relation der Lagerbestände zum Verbrauch zu errechnen. Der im Fachjargon als "Stocks-to-Use Ratio" bezeichneten Kennzahl gilt vor allem im Getreidebereich eine hohe Aufmerksamkeit. Kurzum: Wer etwas Zeit mitbringt, kann auf der Internetseite www.usda.gov tiefe Einblicke in den globalen Agrarmarkt gewinnen.

Mit Hilfe von Faktor-Zertifikaten ist es möglich, sich am Rohstoffmarkt zu positionieren. Neben den Edelmetallen Gold, Silber Platin und Palladium zählen auch die Ölsorten Brent und WTI zum Basiswert-Universum der Commerzbank. Auch die Basiswerte Kakao, Kaffee Mais, Zucker und Weizen stehen Investoren zur Auswahl. Vorteil der Faktor-Zertifikate ist ihr konstanter Hebel auf Tagesbasis. Darüber hinaus kann die implizite Volatilität keinen Einfluss auf das Pricing der Instrumente nehmen.

Die Palette an Faktor-Zertifikatenfinden Sie hier.

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