Kolumne

«Arabischer Winter»

Die Revolution frisst ihre Kinder. Jetzt auch im arabischen Raum. Das Engagement der westlichen Staaten dürfe deshalb nicht mit dem Sturz der Diktatoren beendet sein, findet Hermann Strittmatter.
08.04.2013 09:30
Hermann Strittmatter, VR-Präsident GGK Zürich
«Arabischer Winter»
Bild: ZVG

Vor einem Jahr erschien an dieser Stelle meine Kolumne mit dem Titel "Arabischer Herbst". Da stand unter anderem: "Wie fieberten wir doch mit den mutigen Männern und vor allem Frauen in Kairo! Ganz Nordafrika und auch Teile der Golfregion wurden erfasst vom kräftigen Frühlingswind der ersehnten Demokratie."

Aber dann: "Religiöser Fundamentalismus droht die Minderheiten noch stärker zu drangsalieren als die vorausgehenden Diktaturen. Der Missbrauch der Demokratie droht das Erreichte zu pervertieren." Schliesslich: "Wenn ich Kopte wäre, würde ich Ägypten sofort verlassen."

Die Ereignisse der letzten Tage in Kairo bestätigen, dass ich leider nicht zu pessimistisch war. Der sogenannte "arabische Frühling" ist dort direkt in den echten "arabischen Winter" übergegangen.

Und was passiert in Syrien, wenn die oligarchische Diktatur von der "demokratischen" Diktatur der Islamisten übernommen wird?

Darum muss die internationale Staatengemeinschaft mindestens so viel Energie aufbringen, die Minderheiten zu schützen, wie sie eingesetzt hat, um die früheren Machthaber zu stürzen. Sonst führt die Herrschaft der Volksmehrheit zur Vernichtung der Volksminderheit.

 

Hermann Strittmatter

Hermann Strittmatter ist aktiver VR-Präsident der von ihm gegründeten Werbeagentur GGK in Zürich. Betriebswirtschafter, Swissair-Werber, Weinbauer, Gastrokritiker und Kommunikationsberater für Wirtschaft und Politik. Schreiben Sie Ihre Meinung Hermann Strittmatter direkt stritti2@bluewin.ch oder an die Redaktion.