Kolumne

Das Geschäftsmodell des FC Basel

Weshalb verkauft der FC Basel ständig Top-Spieler ins Ausland? Ganz einfach: Die Lücken füllen talentierte Nachwuchsspieler, die auf internationaler Bühne ihrerseits den Marktwert steigern können.
29.06.2015 06:58
Helmut Dietl, Professor Universität Zürich
Das Geschäftsmodell des FC Basel
Bild: ZVG

Letzte Woche wurde bekannt, dass der 26-jährige Mittelfeldspieler Fabian Frei vom FC Basel zum FSV Mainz 05 wechselt. Über die Ablösesumme wurde zwischen beiden Klubs Stillschweigen vereinbart. Laut www.transfermarkt.ch liegt der Marktwert von Fabian Frei bei 5 Millionen Euro, die Ablösesumme wird auf 3.6 Millionen Euro geschätzt.

Auf den ersten Blick überrascht dieser Wechsel. Sportlich gesehen ist der FC Basel viel erfolgreicher als Mainz 05. Der FC Basel ist Schweizer Serienmeister und spielte in den letzten Jahren regelmässig in der Champions oder zumindest Europa League. In der letzten Saison erreichte der FC Basel als Gruppenzweiter hinter Real Madrid und vor dem FC Liverpool den Achtelfinal der Champions League. Auch für die kommende Saison ist der FC Basel bereits für die dritte Qualifikationsrunde zur Champions League gesetzt. Die Profimannschaft des FSV Mainz 05 hat hingegen noch keinen einzigen Titel gewonnen und ist in der Bundesliga regelmässig in der Rolle des Aussenseiters.

Wirtschaftlich ist der FC Basel dem FSV Mainz ebenfalls deutlich überlegen, obwohl die Zuschauerzahlen beider Klubs vergleichbar sind. Laut Medienberichten erwirtschaftete der FC Basel im letzten Jahr über 100 Millionen Franken. Die Einnahmen des FSV Mainz 05 werden hingegen nur auf rund 60 Millionen Euro geschätzt. Dieser Unterschied beruht vor allem auf den Champions League Einnahmen und den Transfererlösen des FC Basel.

Da der FC Basel sowohl sportlich als auch wirtschaftlich dem FSV Mainz 05 überlegen ist, stellt sich die Frage, warum der FC Basel den Spieler nicht halten wollte. Frei ist Schweizer Nationalspieler, seine Leistungskurve ist in den letzten Jahren stark angestiegen und hat ihren Höhenpunkt vermutlich noch nicht erreicht. Dennoch ist für den FC Basel ein Transfer zum jetzigen Zeitpunkt wirtschaftlich am attraktivsten. Nach Vertragsablauf könnte Frei ablösefrei wechseln. Zudem besteht immer die Gefahr einer Verletzung oder eines Leistungsrückgangs.

Neben der Ablösesumme ist aber vor allem der frei werdende Slot in der Mannschaft von grosser wirtschaftlicher Bedeutung. Diesen Slot kann der FC Basel in der kommenden Saison mit einem neuen hochmotivierten Nachwuchsspieler besetzen. Gerade der FC Basel ist für hochtalentierte Nachwuchsspieler äusserst attraktiv, da sie hier unter härtesten Wettkampfbedingungen in der Champions League ihre sportlichen Fähigkeiten vor einem internationalen Publikum unter Beweis stellen können.

Diese Möglichkeit können nur wenige Klubs bieten, da die meisten Klubs einem ständigen Wettbewerbsdruck ausgesetzt sind, der den Einsatz unerfahrener Nachwuchsspieler zu riskant werden lässt. Nur wenige Klubs sind auf nationaler Ebene ihren Konkurrenten so hoch überlegen wie der FC Basel. Die Young Boys aus Bern erwirtschaften weniger als die Hälfte der Einnahmen des FC Basel, die beiden Zürcher Klubs jeweils nur rund ein Viertel. Unter diesen Bedingungen kann sich der FC Basel den Einsatz hochtalentierter und hochmotivierter, aber noch relativ unerfahrener Nachwuchsspieler leisten.

Solange der FC Basel dabei keine grösseren Managementfehler macht, die er in der Winterpause durch Neuverpflichtungen nicht mehr korrigieren kann, ist ihm die Qualifikation für die Champions League über eine Topplatzierung in der Super League sicher. Durch diese "garantierte" Teilnahme an der Champions bzw. Europa League möchten auch viele Nachwuchsspieler zu vertretbaren Salären für den FC Basel spielen, um hierdurch den internationalen Durchbruch zu schaffen.

Der FC Basel kann somit regelmässig aus einem grossen Angebot hochtalentierter und hochmotivierter Nachwuchsspieler auswählen. Gerade bei diesen Nachwuchsspielern ist die Marktwertsteigerung durch die Spielpraxis in der Champions League sehr hoch.

Im letzten Jahr hat der FC Basel seinen Torhüter Yann Sommer für 9 Millionen Euro an Borussia Mönchengladbach, Mittelfeldspieler Valentin Stocker für 4 Millionen Euro an Hertha BSC Berlin und Stürmer Mohamed Salah für 16.5 Millionen Euro an den FC Chelsea verkauft. Die hiermit erzielte Wertschöpfung war beträchtlich, da Sommer und Stocker aus den eigenen Nachwuchsmannschaften kamen, während Salah zu Beginn der Saison 2012/13 für 2.5 Millionen Euro aus Ägypten zum FC Basel geholt wurde.

Allerdings braucht der FC Basel neben vielen Nachwuchstalenten auch den ein oder anderen erfahrenen Leistungsträger für ein optimales Mannschaftsgefüge. Deshalb sollte Kapitän Marco Streller, der seine Karriere beendet, durch einen erfahrenen Spieler ersetzt werden. Auf den meisten anderen Positionen steht hingegen der beschriebene Wertschöpfungsprozess mit Nachwuchstalenten im Vordergrund. Deshalb wechselte dieses Jahr neben Fabian Frei (Mainz 05) und Trainer Paulo Sousa (AC Florenz) auch Fabian Schär (TSG Hoffenheim) zu einem neuen Klub.

Für Schär, dessen Marktwert bei transfermarkt.ch sogar auf 8 Millionen Euro geschätzt wird, erhielt der FC Basel eine geschätzte Ablöse in Höhe von 4.1 Millionen Euro. Zudem wird ein weiterer Slot im Team für ein neues Talent frei. Der FC Basel führt sein erfolgreiches Geschäftsmodell also konsequent weiter.