Kolumne

Indexfonds - Die Credit Suisse steigt ins ETF-Geschäft ein - warum aber erst jetzt?

Das ETF-Geschäft ist für die Grossbank nichts Neues. Bis 2013 hatte die Credit Suisse (CS) selbst ETFs im Angebot.
23.02.2020 13:37
Von Claude Chatelain
Die Credit Suisse steigt ins ETF-Geschäft ein - warum aber erst jetzt?
Bild: Shane Wilkinson

 

Die Kolumne "Gopfried Stutz" erschien zuerst im 

"Credit Suisse Asset Management lanciert Exchange Traded Funds (ETFs)". Diese Schlagzeile stammt nicht von Ende der Neunzigerjahre. Sie stammt von Anfang Februar 2020.

Dabei muss man wissen, dass börsenkotierte Indexfonds, eben ETF, seit zwanzig Jahren einen wahren Boom erleben. Zudem muss man auch wissen, dass gerade die CS über ein stattliches Angebot an ETF verfügte – lange bevor sie mit seltsamen Beschattungsaktionen auf sich aufmerksam machte, 2013 verkaufte sie ihre 58 ETF an den Fondsriesen Blackrock. Jener Gesellschaft also, in der der frühere Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand in der Geschäftsleitung sitzt und jetzt als Nachfolger des glücklosen Urs Rohner als VR-Präsident der CS gehandelt wird.

Nun also bringt die CS drei eigene ETF auf den Markt und schreibt in einer Mitteilung: "Die neuen ETF werden in Bereichen aufgelegt, in denen sie gegenüber Indexfonds Effizienzvorteile aufweisen."

Hier kommt der Laie nicht mehr draus: ETF? Indexfonds? ETF sind ja Indexfonds, nur eben börsenkotierte. Der Begriffswirrwarr rührt daher, dass es neben börsenkotierten auch klassische Indexfonds gibt, die ebenfalls einen Börsenindex wie etwa den SMI abbilden, aber nicht über die Börse gehandelt werden. Sie werden von der Bank beziehungsweise der Fondsgesellschaft herausgegeben.

ETF haben wie Aktien Geld- und Briefkurse, die laufend schwanken. Klassische Fonds haben hingegen pro Tag nur einen Kurs. Er ergibt sich aus der Summe der Schlusskurse der im Fonds befindlichen Wertpapiere. Will man die Fondsanteile zum Schlusskurs des Tages kaufen oder verkaufen, muss man das einige Stunden vor Börsenschluss tun. Der Zeichnungsschluss ist nicht immer gleich. Häufig liegt er um 14.00 Uhr. Platziert man den Auftrag am späteren Nachmittag, wird zu Schlusskursen des Folgetages abgerechnet. Man nennt dies Forwardpricing.

Ein anderer Unterschied liegt bei den Kosten: Beim Handeln mit ETF zahlen Anleger der Bank eine Courtage. Beim konventionellen Fonds verlangen Banken gewöhnlich eine Ausgabe- und manchmal auch eine Rücknahmekommission.

Tendenziell ist der Handel mit Indexfonds günstiger, da im Unterschied zu ETF keine Stempelsteuer fällig wird. Sie beträgt 0,075 Prozent für Fonds nach Schweizer Recht, 0,15 Prozent für ausländische Fonds.

Was ist nun besser? Es kommt auf den Börsenindex an, sagen Spezialisten. Je nachdem, in welchem Land der Fonds aufgelegt ist, fallen unterschiedliche Quellensteuern an. Ich traf mich diese Woche mit Valerio Schmitz-Esser, Head of Index Solutions bei der Credit Suisse. Für ihn gibt es bei Schweizer Aktien nichts Besseres als Schweizer Indexfonds.

Die drei neuen ETF der CS basieren auf Indizes für US-Aktien, für nachhaltige US-Aktien und für nachhaltige Aktien weltweit. Nach Angaben von Valerio Schmitz-Esser haben in diesen Kategorien die in Irland aufgelegten ETF steuerlich die Nase vorn. Weitere ETF sollen folgen – vor allem in Märkten, in denen ETF für Kunden effizienter sind als Indexfonds.

 

 

Claude Chatelain

Claude Chatelain (geb. 1953) ist Kolumnist beim «SonntagsBlick». In der Kolumne «Gopfried Stutz» beschreibt er wöchentlich seine Beobachtungen auf dem Gebiet der Vorsorge, der Versicherungen und der Anlageberatung. Zuvor schrieb der langjährige Wirtschaftsjournalist für die Wirtschaftszeitung Cash und die «Berner Zeitung». Von 1991 bis 1998 betreute der studierte Ökonom im «Blick» die Ratgeber-Kolumne «Chatelain rät».