Kolumne

Nutzlos teure Hochzeiten

Je wertvoller der Verlobungsring und je teurer die Hochzeit, desto schneller folgt die Scheidung.
17.11.2014 02:00
Helmut Dietl, Professor Universität Zürich
Nutzlos teure Hochzeiten
Bild: ZVG

"Bis dass der Tod euch scheidet." Dieses Versprechen gilt heute immer seltener. In den meisten westlichen Industrienationen liegen die Scheidungsraten bei rund 50 Prozent. In Luxemburg, Tschechien und Spanien sind sie höher als 60 Prozent. In Belgien erreichen sie sogar 70 Prozent.

Trotz der hohen Scheidungsraten boomt die Hochzeitsbranche. Im Branchenvergleich weist die Hochzeitsindustrie eine der höchsten Wachstumsraten auf. Wer möchte schon bei einem so wichtigen Ereignis sparen?

In Grossbritannien haben die jährlichen Hochzeitsausgaben mittlerweile die Schallmauer von 10 Milliarden Pfund durchbrochen. In den USA liegt der Jahresumsatz der Hochzeitsbranche bei rund 100 Milliarden Dollar. Dabei gibt es grosse regionale Unterschiede. Während eine Hochzeit 2013 in Idaho durchschnittlich nur knapp über 16'000 Dollar kostete, wurden für eine Hochzeit in Manhattan im Durchschnitt knapp 90'000 Dollar ausgegeben.

Am meisten schlägt die Feier zu Buche

Den Löwenanteil des Hochzeitsbudgets verschlingt die Hochzeitsfeier. Aber auch bei Kleidung, Coiffeur, Make-up, Einladungskarten, Kirchenspenden, Fotos und Video, Blumen usw. und natürlich den Ringen wird nicht gespart.

Der Hochzeitsindustrie gelingt es seit Jahrzehenten, die Liebesromantik zu kommerzialisieren. Dabei wird häufig versucht, einen Zusammenhang zwischen den Hochzeitsausgaben und der Liebes- bzw. Ehedauer zu suggerieren. Beispielsweise wirbt De Beers seit Jahrzehnten erfolgreich mit Slogans wie "Ein Diamant ist unvergänglich" und "Ein Diamant ist für die Ewigkeit".

Vor diesem Hintergrund haben Andrew M. Francis und Hugo M. Mialon von der Emory Universität den Zusammenhang zwischen Hochzeitsausgaben und Ehedauer empirisch untersucht. Dabei kommen sie zu überraschenden Ergebnissen: Je wertvoller der Verlobungsring und je teurer die Hochzeit, desto kürzer hielt das Eheversprechen.

Regelmässige Kirchenbesuche verlängern die Ehe

Da Francis und Mialon neben den Hochzeitsausgaben eine Vielzahl anderer möglicher Einflussfaktoren in ihrer Untersuchung berücksichtigten, konnten sie weitere interessante Ergebnisse erzielen. Beispielsweise wirken sich ein hohes Haushaltseinkommen, regelmässige Kirchen-, Moscheen bzw. Synagogenbesuche, gemeinsame Kinder, eine Hochzeitsreise sowie eine hohe Anzahl Hochzeitsgäste positiv auf die Ehedauer aus.

Auf der anderen Seite verringern neben hohen Hochzeitsausgaben und wertvollen Verlobungsringen vor allem grosse Alters- sowie Ausbildungsunterschiede zwischen den Ehepartnern die Ehedauer. Ehen, bei denen das Aussehen der Partnerin bzw. des Partners bei der Entscheidung zu heiraten eine bedeutende Rolle spielte, haben ebenfalls eine geringere Lebenserwartung.

Während der Hochzeitsindustrie der empirische Nachweis eines negativen Zusammenhangs zwischen Hochzeitsausgaben und Ehedauer weniger gut gefallen dürfte, kann er für viele Väter, die die Hochzeit ihrer Tochter finanzieren müssen, ein willkommener Rettungsanker sein.

 

Prof. Helmut Dietl

Helmut Dietl ist ordentlicher Professor für Services & Operations Management am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Zürich.