Kolumne

US-BörseTrumps Trümpfe

Mit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten setzte Starinvestor George Soros an den Börsen auf Absturz, Carl Icahn auf eine Rally. Bisher hat Icahn Recht behalten. Und wer der beiden lacht am Ende von Trumps Amtszeit?
30.01.2017 01:00
Helmut Dietl, Professor Universität Zürich
Trumps Trümpfe

Am 20. Januar 2017 wurde Donald J. Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Viele Investoren fragen sich, wie sich die Aktienmärkte unter seiner Präsidentschaft entwickeln werden. Dabei gehen die Meinungen weit auseinander.

Harvard-Professor Michael Porter prognostizierte bereits unmittelbar nach Trumps Wahlsieg drastische Kurseinbrüche. Dasselbe dachte auch die Investorenlegende George Soros und verlor mehr als eine Milliarde Dollar, weil er auf fallende Kurse setzte.

Auf der anderen Seite steht Starinvestor Carl Icahn. Der Milliardär gehörte zu Trumps engerem Wahlkampfteam und wurde mittlerweile zum Sonderberater für Regulierungsfragen ernannt. In der Wahlnacht suchte Trump auf seiner Siegesfeier vergeblich nach Carl Icahn. Der war bereits nach Hause gegangen, um möglichst schnell Aktien zu kaufen.

Wie geht es weiter?

Bislang hat Icahn Recht behalten. Aber wie wird es weitergehen? Soros glaubt nach wie vor an Kurseinbrüche. Er hält Trump für einen Möchtegern-Diktator und ist davon überzeugt, dass sich die Anfangseuphorie schnell legen wird. Anschliessend wird es zu einer anhaltenden Phase grosser Unsicherheit kommen, was bekanntlich Gift für die Aktienmärkte ist.

Optimistischer ist hingegen Warren Buffett. Obwohl er im Wahlkampf Hillary Clinton unterstützte, glaubt er, dass Amerika auch unter einem Präsidenten Donald Trump funktionieren werde, und warnt ausdrücklich davor, gegen Amerika zu wetten. In einem Brief an seine Berkshire Hathaway-Aktionäre weist er darauf hin, dass es in den letzten 240 Jahren ein schrecklicher Fehler gewesen wäre, gegen Amerika zu wetten, und jetzt sei auch kein guter Zeitpunkt, plötzlich damit anzufangen.

Tatsächlich tritt Trump diesbezüglich ein schweres Erbe an. Unter seinem Vorgänger Barack Obama legte der Dow Jones um 150 Prozent zu. Wenn Trump mit seinem Vorgänger mithalten möchte, müsste der Dow bis zum Ende seiner Amtszeit bei rund 50‘000 Punkten stehen.

Eine noch bessere Bilanz kann Bill Clinton vorweisen. Unter seiner Präsidentschaft stieg der Dow Jones Index um sagenhafte 227 Prozent. Das entspricht einer jährlichen Durchschnittsrendite von rund 16 Prozent.

Insgesamt gesehen haben die Demokraten hier die Nase deutlich vorne. Aber auch einzelne republikanische Präsidenten können hohe Indexzuwächse aufweisen. Unter Ronald Reagan legte der Dow Jones um 135 Prozent zu. Die mit Abstand schlechteste Bilanz seit dem 2. Weltkrieg weist hingegen George Bush auf. Unter seiner Regierung brach der Dow um 25 Prozent ein.

Skeptische Stimmen

Nach Trumps Antrittsrede häufen sich wieder die Stimmen der Skeptiker. Viele hatten gehofft, dass Trump in seiner Antrittsrede im Gegensatz zum Wahlkampf versöhnliche Töne anschlagen würde. Tatsächlich tat er das Gegenteil. Zunächst versprach er vor den Augen seiner Vorgänger, die Macht endlich wieder dem Volk zu übergeben. In Wirklichkeit ist es gerade umgekehrt: Das US-amerikanische Volk hat ihm die Macht für die nächsten vier Jahre anvertraut.

Um nach diesen vier Jahren möglichst gut dazustehen, hat er die aktuelle wirtschaftliche Lage als desaströs beschrieben: landesweit schliessen Betriebe und entlassen ihre Mitarbeiter. In Wirklichkeit hatten in den USA noch nie mehr Menschen einen Job als heute (im Dezember waren es über 145 Millionen) und die Arbeitslosenquote liegt im historischen Vergleich auf einem sehr niedrigen Wert (4.7 Prozent im Dezember).

Das ist natürlich ein schwacher Trost für die zahlreichen Fabrikarbeiter, die im Zuge der Automation ihren Job verloren haben. Ihnen versprach Trump, die verlorenen Jobs mit protektionistischen Massnahmen zurückzuholen. Abgesehen davon, dass dies nicht gelingen wird, verunsichern solche Aussagen die Aktienmärkte, da Protektionismus wachstumshemmend wirkt.

Abkommen abschaffen - oder neu verhandeln?

Vielleicht möchte Trump die Handelsabkommen aber auch nicht ganz abschaffen, sondern nur bessere Konditionen für sein Land aushandeln. Unabhängig davon hält Trump immer noch drei wertvolle Trümpfe in seiner Hand, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die Aktienkurse unter seiner Präsidentschaft weiter zu beflügeln.

Sein erster Trumpf sind Steuerreformen. Wenn es ihm gelingt, die Unternehmenssteuern zu senken, werden die Unternehmen wieder mehr investieren.

Sein zweiter Trumpf sind Infrastrukturinvestitionen. Wenn Trump die Staatsausgaben erhöht, um die US-amerikanische Infrastruktur zu modernisieren, wird das Wirtschaftswachstum weiter zunehmen.

Sein dritter Trumpf ist die Deregulierung. Wenn er durch einen sinnvollen Abbau der Überregulierung den Unternehmen mehr Handlungsfreiräume verschafft, kann er die Wirtschaftsdynamik weiter verbessern.

Es bleibt zu hoffen, dass er diese Trümpfe richtig einsetzt und am Ende Buffett und Icahn anstatt Soros und Porter Recht behalten.