Kolumne

Vorsorge - Hände weg von gemischten Lebensversicherungen

Wer eine gemischte Versicherung vorzeitig kündigt, verliert meistens viel Geld.
07.05.2019 14:30
Von Claude Chatelain
Hände weg von gemischten Lebensversicherungen
Bild: Shane Wilkinson

 

Die Kolumne "Gopfried Stutz" erschien zuerst im 

 

"Häufig wird in jungen Jahren eine gemischte Lebensversicherung abgeschlossen." Das ist laut Vorsorgeexperte Florian Schubiger der häufigste Vorsorgefehler, wie er auf cash.ch sagte. Später folge dann meist die Erkenntnis, dass man diesen Schutz gar nicht brauche, weil man keine Familie hat. «In jungen Jahren sollte man sich nicht zu lange binden.» Das Leben komme meistens anders, als man erwarte.

Anders kam das Leben auch für Monika Müller, die eigentlich anders heisst. Vor zwölf Jahren schloss sie bei der Skandia gegen eine Jahresprämie von 3600 Franken eine gemischte Versicherung ab. Gemischt heissen solche Policen, weil sie Sparen und Versichern kombinieren. Man kann sie im Rahmen des steuerbegünstigten Sparens 3a abschliessen und somit die Prämie vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen.

Bei einer Erwerbsunfähigkeit hätte Monika Müller nach einer Wartefrist von 24 Monaten eine Rente von 6000 Franken pro Jahr erhalten. Beim Tod hätte Skandia eine Todesfallsumme von mindestens 106'000 Franken ausbezahlt. Und mit 64, das wäre dann im April 2034, sollte Monika Müller den Wert des Sparkapitals ausbezahlt erhalten.

Mittlerweile ist Monika Müller verheiratet und als Lehrerin bei einer Pensionskasse angeschlossen: Den genannten Versicherungsschutz braucht sie nicht mehr. Sie will nur noch sparen, um fürs Alter vorzusorgen.  Konsequenterweise kündigte Monika Müller den Vertrag, liess das Guthaben auf ein Konto 3a überweisen und staunte nicht schlecht, was ihr hier alles abgezogen wurde.

Insgesamt bezahlte sie 43'200 Franken Prämien. Weil davon für den Risikoschutz, die Verwaltung und den Verkäufer allerhand abgezogen wird, beträgt der Rückkaufswert lediglich 33'917 Franken. Doch aufs Konto 3a überwiesen wurden bloss 31'757 Franken. Weitere 2160 Franken werden ihr als nicht amortisierte Abschlusskosten abgezogen.

Das geht so: Der Makler, der Monika Müller die Versicherung aufschwatzte, erhielt laut Skandia als Belohnung 4786 Franken. Diese so genannten Abschlusskosten werden über die gesamte Vertragsdauer von 2007 bis 2034 amortisiert. Wird der Vertrag vorzeitig aufgelöst, werden die noch nicht amortisierten Abschlusskosten vom Guthaben abgezogen. Im vorliegenden Fall sind das die oben genannten 2160 Franken.

Zusätzlich zu den Abschlusskosten von 4786 Franken verlangt Skandia allein für die Verwaltung dieser einen Police 4605 Franken. Zusammen mit den genannten Abschlusskosten sind das knapp 9400 Franken. Die Kosten für den Risikoschutz kommen noch dazu.

Hände weg von Skandia, könnte man sagen. Nicht nötig. Die Firma verkauft seit 2010 keine neuen Policen mehr. Ihre Eigentümerin, die Insurevolution, ist nur noch mit der Abwicklung der bestehenden Verträge beschäftigt.

Claude Chatelain

Claude Chatelain (geb. 1953) ist Kolumnist beim «SonntagsBlick». In der Kolumne «Gopfried Stutz» beschreibt er wöchentlich seine Beobachtungen auf dem Gebiet der Vorsorge, der Versicherungen und der Anlageberatung. Zuvor schrieb der langjährige Wirtschaftsjournalist für die Wirtschaftszeitung Cash und die «Berner Zeitung». Von 1991 bis 1998 betreute der studierte Ökonom im «Blick» die Ratgeber-Kolumne «Chatelain rät».