76-Jährige wegen Mord an einem Kind in Basel vor Gericht

Heute Montag muss sich eine 76-jährige Seniorin, die im März 2019 einen siebenjährigen Schüler ermordet hatte, vor dem Basler Strafgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft beantragt die Verwahrung der als schuldunfähig deklarierten Frau.
10.08.2020 04:30

Am 21. März 2019, kurz vor 12.40 Uhr, wurde am St. Galler-Ring im Gotthelf-Quartier in Basel ein siebenjähriger Schüler auf dem Heimweg niedergestochen. Der Bub erlag seinen schweren Verletzungen.

Die mutmassliche Täterin ist eine heute 76-jährige Schweizerin. Heimtückisch und in direkter Tötungsabsicht hat sich die Seniorin dem ihr unbekannten Kind von hinten genähert, wie aus der Anklageschrift zum Fall hervorgeht.

Die Ermordung des Schülers hat die mutmassliche Täterin von langer Hand akribisch geplant. Die Beschuldigte leide an einer chronifizierten, schwerwiegend wahnhaften Störung, namentlich einem Querulantenwahn, heisst es. Auslöser der Störung waren zivilrechtliche Streitigkeiten ihres 1999 verstorbenen Lebenspartners, in welche sie involviert gewesen war.

Über 42 Jahre lang habe die Beschuldigte wahnhafte Briefe an verschiedene Behörden geschrieben, heisst es. Dabei hätten die Schreiben über die Jahre an Frequenz und Intensität zugenommen. Ab 2002 war in den Briefen der Frau häufig von Mord die Rede.

Ab 2016 häuften sich die Drohungen der Angeklagten, zunehmend äusserte sie unspezifische Drohungen hinsichtlich einer jederzeit zu erwartenden Gewalttat, falls ihre Forderungen nicht erfüllt würden und man ihr ihr Eigentum nicht zurückgeben würde.

Das letzte Schreiben der mutmasslichen Täterin ans Bundesgericht datiert vom 15. März 2019 – sechs Tage vor der Tat. Darin hielt sie fest, dass das Bundesgericht wolle, dass die abverlangte Gewalttat eingehalten und bewiesen werde.

Nach der Tat verschickte die Frau ein vorbereitetes SMS an mehrere Personen. Um 13.30 Uhr – eine Stunde nach dem Mord – stellte sie sich "ruhig und gefasst" der Staatsanwaltschaft und händigte die Tatwaffe aus.

Die Staatsanwaltschaft beantragt die Verwahrung der 76-Jährigen, weil sie wegen ihrer psychischen Verfassung schuldunfähig sei. Der Prozess dauert voraussichtlich zwei Tage.

(SDA)