ABB verlieren gegen 9.45 Uhr 1,3 Prozent auf 69,58 Franken, während der SMI 0,30 Prozent im Plus steht. Nach den Höchstständen im Juni bei über 89 Franken das Stück ist der Titel deutlich zurückgekommen. Zuletzt hatte er unter der nachlassenden Euphorie rund um KI gelitten. Im bisherigen Gesamtjahr verbucht die Aktie allerdings weiterhin einen Anstieg von über 17 Prozent.
Das Robotikgeschäft von ABB ist stark von China abhängig: China ist der wichtigste Markt, und über 90 Prozent der für chinesische Kunden bestimmten Roboter werden dort gefertigt. «Die Nachricht kam für uns überraschend, insbesondere da die Transaktion die kartellrechtliche Prüfung bereits bestanden hatte», kommentiert die ZKB.
Die Transaktion sei jetzt in einer separaten Sicherheitsprüfung gestoppt worden. Dies vor dem Hintergrund angespannter Beziehungen zwischen China und Japan und der Sorge Pekings, dass in China entwickelte Technologie und Daten an ein japanisches Unternehmen abfliessen könnten.
«ABB hatte fest mit dem Nettoerlös von rund 5,3 Milliarden US-Dollar gerechnet», schreibt zudem die Luzerner Kantonalbank (LUKB). Die Mittel seien direkt für den strategischen Umbau eingeplant gewesen, speziell für den kürzlich angekündigten Kauf des britischen Automatisierungsspezialisten Rotork.
«Sollte sich der Robotik-Deal komplett zerschlagen, könnte dies die kurzfristigen Akquisitionspläne und die Dynamik beim geplanten Kapitalrückfluss an die Aktionäre belasten», so der zuständige Analyst.
Octavian sieht es etwas gelassener: Es seien sicherlich unangenehme Nachrichten, aber ABB dürften diese nicht aus der Bahn werfen. Die zuständigen Analysten sind der Ansicht, die Übernahme von Rotork könne auch aus eigenen Mitteln finanziert werden. Selbst die Aktienrückkaufprogramme und die Dividenden dürften ihnen zufolge wahrscheinlich davon unberührt bleiben.
Octavian sieht nun hauptsächlich zwei mögliche Szenarien: Erstens: ABB und Softbank passen die Transaktion an und stellen die chinesischen Behörden zufrieden. Dies könnte ein längerer Prozess sein, der wohl mit einem Abschlag auf den ursprünglich angebotenen Preis verbunden wäre. Zweitens: ABB nimmt den Börsengang oder den Ausgliederungsprozess wieder auf oder findet einen anderen Käufer. Auch dies wäre ein langwieriger Prozess mit einem möglicherweise tieferen Preis.
ys/cf
(AWP)
