Und ABB hat weiteren Umsatz hinzugekauft: Mit der Vorlage der Drittquartalszahlen kündigte der Technologiekonzern am Dienstag ein Gemeinschaftsunternehmen mit Mitsubishi Electric für Niederspannungsprodukte an.
ABB übernimmt für knapp 500 Millionen US-Dollar 51 Prozent an dem Joint Venture und sichert sich damit die Mehrheit. Zudem erhält der Konzern die Option, das Unternehmen später vollständig zu übernehmen.
Mit dem Schritt will ABB seine bislang schwache Position in Japan ausbauen und den Zugang zu Wachstumsmärkten im asiatisch-pazifischen Raum stärken. Das Joint Venture vereint ABBs Technologie und Vertriebsnetz mit dem Japan-Geschäft von Mitsubishi Electric.
Das japanische Unternehmen produziert unter anderem Niederspannungs-Leistungsschalter, Steuergeräte, Mess- und Überwachungstechnik oder Produkte für unterbrechungsfreie Stromversorgungssysteme.
Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte die Einheit einen Umsatz von rund 640 Millionen Dollar bei einer niedrigen zweistelligen Betriebsgewinnmarge. ABB-Chef Morten Wierod will diese binnen fünf Jahren deutlich verbessern.
Zweite grosse Transaktion in Folge
Es handelt sich um die zweite grössere Transaktion von ABB innert kurzer Zeit. Erst im Juli hatte der Konzern die Übernahme des britischen Automatisierungsspezialisten Rotork für 5,5 Milliarden Dollar angekündigt. Rotork soll rund 1 Milliarde Dollar zum Umsatz von ABB beitragen.
ABB legt aber auch aus eigener Kraft kräftig zu: Im dritten Quartal stieg der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 14 Prozent auf 9,7 Milliarden Dollar. Damit beschleunigte sich das Wachstum gegenüber den ersten beiden Quartalen, in denen noch 11 beziehungsweise 12 Prozent erreicht worden waren.
Noch deutlicher fiel der Anstieg beim Auftragseingang aus, der als Basis für künftige Umsätze gilt. Er legte auf vergleichbarer Basis um 40 Prozent auf 12,1 Milliarden Dollar zu. Sowohl beim Umsatz als auch beim Auftragseingang erreichte ABB damit einen neuen Rekordwert.
Rechenzentren-Boom hält an
Der Auftragseingang legte in den meisten Kundensegmenten zu. Besonders dynamisch entwickelte er sich einmal mehr im Bereich Rechenzentren, wo die Bestellungen im dreistelligen Prozentbereich stiegen - das vierte Quartal in Folge.
«Wir sehen eine anhaltend steigende Nachfrage und gehen davon aus, dass diese auch in den kommenden Jahren hoch bleiben wird», sagte CEO Wierod an einer Telefonkonferenz.
Wichtig: ABB erkauft sich das hohe Wachstum nicht über Zugeständnisse bei den Preisen. Daher nahm der operative Gewinn im Vergleich zum Umsatz leicht überproportional zu. Die entsprechende Marge wurde in der Folge um weitere 1,6 Prozentpunkte auf 20,8 Prozent verbessert.
An der Börse werden die guten Zahlen und der für das Gesamtjahr erhöhte Ausblick nicht honoriert. Im Gegenteil: Kurz vor dem Mittag büssen die Papiere mehr als 5 Prozent ein. Laut Marktbeobachtern dominiert der allgemeine Verkaufsdruck bei den Technologieaktien.
cf/ra
(AWP)
