Als Gründe für die Absage der Wahlen im Westjordanland, in Ost-Jerusalem und im Gazastreifen nennt Wafa militärische Einschränkungen durch Israel, den Ausbau jüdischer Siedlungen, Angriffe bewaffneter Siedler sowie fehlende Bewegungsfreiheit. Für den Gazastreifen führt die palästinensische Führung zudem die prekäre Sicherheitslage und die ausstehende Stationierung internationaler Schutzkräfte an.
Islamistische Hamas gewann letzte Parlamentswahl
Ursprünglich sollten die Palästinenser nach mehr als 20 Jahren am 28. November erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder ein Parlament wählen. Bei der letzten Wahl am 25. Januar 2006 gewann die islamistische Hamas eine Mehrheit von 74 der 132 Stimmen im Palästinensischen Legislativrat. Ein Jahr später übernahm sie nach Kämpfen mit der rivalisierenden Fatah von Abbas die alleinige Kontrolle über den Gazastreifen. Das Parlament war danach weitgehend handlungsunfähig. Ende 2018 ordnete das palästinensische Verfassungsgericht seine Auflösung an.
Reguläre Amtszeit von Abbas endete bereits 2009
Der amtierende palästinensische Präsident Mahmud Abbas (90) gewann die Wahl am 9. Januar 2005. Seine reguläre vierjährige Amtszeit endete 2009. Seither wurden Präsidentschaftswahlen mehrfach verschoben oder abgesagt.
Abbas ist in der palästinensischen Bevölkerung äusserst unbeliebt. Er ist auch Vorsitzender der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Diese vertritt das palästinensische Volk offiziell auf internationaler Ebene. Die islamistische Hamas im Gazastreifen gehört nicht zur PLO.
Kritik an Abbas aus eigener Fatah-Bewegung
Kritik an der Verschiebung der Wahlen kam aus den Reihen von Abbas' eigener Fatah-Bewegung. Damit werde seine autokratische Herrschaft verlängert, teilte Dimitri Diliani, Sprecher der reformistischen demokratischen Fraktion der Fatah, mit. Abbas habe grosse Angst vor einem Wahlbündnis von oppositionellen Kräften innerhalb der Fatah, das seine Führung ablehne.
Diliani warf der EU vor, sie trage die politische Verantwortung für die autokratische Herrschaft von Abbas. Ihre Unterstützung verstärke dessen Korruption und trage dazu bei, ihn vor den Konsequenzen seiner wiederholten Behinderung von Wahlen zu schützen. Dies widerspreche dem erklärten Bekenntnis der EU zur palästinensischen Demokratie und dem Recht der Palästinenser, ihre Führung selbst zu wählen.
"
(AWP)
