Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rettete ein Plus von 0,12 Prozent auf 6.455,63 Punkte ins Ziel. Er zeigte sich damit ähnlich lethargisch wie sein US-Pendant Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsende. Ausserhalb des Euroraums stieg der Londoner FTSE 100 letztlich um 0,29 Prozent auf 10.886,16 Punkte. Der Züricher SMI schloss 0,54 Prozent höher mit 14.525,29 Zählern.
Die Ölpreise sanken trotz der Drohung mit US-amerikanischen Wirtschaftssanktionen gegen den Iran immer weiter. Eine mit Spannung erwartete Rede des US-Finanzministers Scott Bessent hatte am Montagabend keine konkreten Massnahmen erwähnt, mit denen die USA den Kriegsgegner Iran stärker unter Druck setzen wollen. Zuvor hatte Washington von einem «Wirtschaftskrieg» gegen das Land gesprochen und damit gedroht, den Iran komplett von der Weltwirtschaft zu isolieren.
«Die von US-Präsident Donald Trump grossspurig angekündigten weitreichenden Sanktionen gegen den Iran blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück», kommentierte Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Vielmehr habe der US-Finanzminister auf die Verkündung von Sekundärsanktionen gegen Käufer von iranischem Öl verzichtet. Diese stünden lediglich weiter als Drohung im Raum.
Derweil erholte sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft weiter vom Einbruch infolge des Iran-Kriegs. Das Ifo-Geschäftsklima stieg im August den vierten Monat in Folge und zudem stärker als von Analysten erwartet. «Die Zuversicht unter den Unternehmen in Deutschland hat zugenommen», kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest das Ergebnis der monatlichen Umfrage unter 9.000 Unternehmen. Trotz des erneuten Energiepreisanstiegs könne sich die deutsche Wirtschaft weiter erholen.
Zunehmend stehen die am Mittwoch nach US-Börsenschluss anstehenden Quartalszahlen des US-Chipriesen Nvidia zunehmend im Fokus. Die Aktien des weltweit wertvollsten Börsenunternehmens, das als wichtiger Gradmesser für den Boom rund um Künstliche Intelligenz (KI) gilt, erholten sich zuletzt von einer mehrtägigen Verlustserie. Dies zog den gesamten Sektor etwas nach oben. So stiegen im EuroStoxx die Titel des Halbleiterkonzerns Infineon um 1,3 Prozent und die des Zulieferers ASML um 0,8 Prozent. An der Börse in Paris gewannen STMicro ebenfalls 0,8 Prozent.
Für den EuroStoxx-Spitzenreiter Siemens Energy ging es sogar um 2,7 Prozent nach oben. Der Energietechnikkonzern gilt nicht nur als Profiteur des hohen Strombedarfs der Rechenzentren von KI-Unternehmen. Händler verwiesen zudem auf einen Bloomberg-Bericht, wonach das Unternehmen die US-Investmentbank Goldman Sachs beauftragt hat, einen Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung am Dampfturbinengeschäft vorzubereiten. Die Pläne für einen Verkauf seien nicht neu, die hohen Wertindikationen von über 10 Milliarden Euro dürften den Aktienkurs aber begünstigen, hiess es aus dem Markt.
Gefragt waren auch die Aktien von Reise- und Freizeitunternehmen als Nutzniesser der gesunkenen Ölpreise. Noch stärker legten Titel aus der Gesundheitsbranche , der Industrie , dem Telekomsektor und der Baubranche zu. Letzteren halfen positive Branchendaten aus Deutschland.
Die deutlichsten Kursverluste verzeichneten am Dienstag hingegen die Anteilsscheine der Lebensmittel- und Getränkekonzerne sowie der Konsumgüterhersteller ./gl/stw
(AWP)

