Steigende Ölpreise wegen der anhaltenden Angriffe im Iran-Krieg schüren weiter Inflationsängste und bleiben damit ein Problem für die Märkte. Hinzu kommt, dass die nach US-Börsenschluss vorgestellten Zahlen grosser US-Konzerne die Anleger nicht überzeugten - obwohl der Internetriese Alphabet im vergangenen Quartal die Wall-Street-Erwartungen übertroffen hat. Da Googles Mutterkonzern noch mehr Geld in den Ausbau der KI-Infrastruktur stecken will, kamen die Aktien nachbörslich unter Druck. In Asien allerdings profitierten Chipwerte davon.

Die Augen werden nun auf die Europäische Zentralbank gerichtet, die ihren Leitzins an diesem Donnerstag voraussichtlich bestätigen wird. «Die Notenbank hat keinen Grund, sich heute festzulegen - und genau darin liegt ihre grösste Stärke», glaubt der Portfoliomanager Jörg Held vom Fondsanbieter Ethenea. Mit grosser Spannung werden die Signale für die nächste Sitzung im September erwartet, für die viele Ökonomen von einer erneuten Leitzinserhöhung ausgehen. Laut Held spricht die Datenlage «für ein Umfeld, in dem Geduld gefragt ist.»

Hierzulande herrscht auch deshalb eine gewisse Zurückhaltung, weil Europas grösster Softwarekonzern SAP am Abend nach US-Börsenschluss seine mit Spannung erwarteten Geschäftszahlen für das zweite Quartal vorlegt. SAP-Chef Christian Klein steht unter Druck. Vor allem Anleger sehen die Lage derzeit sehr skeptisch, die Aktien haben in diesem Jahr rund ein Drittel an Wert eingebüsst. Grund sind die Zweifel von Investoren an klassischen Softwareanbietern, ob sie mit ihrem Geschäftsmodell zur Nutzung der Programme aus dem Netz dem Druck von KI-Apps standhalten können.

Die Deutsche Börse veröffentlichte bereits ihre Zahlen; sie legte im zweiten Quartal dank guter Geschäfte mit Finanzmarkt-Produkten erneut kräftig zu. Die Aktien des Börsenbetreibers notierten im vorbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate gleichwohl ein Prozent unter dem Xetra-Schluss vom Mittwoch. Der Bereich Investment Management Solutions (IMS) sei etwas hinter den Schätzungen zurückgeblieben, schrieb Experte Tom Mills vom Analysehaus Jefferies.

Der Labordienstleister und Pharmazulieferer Sartorius profitiert zudem weiterhin von der Nachfrage nach Verbrauchsmaterialien. Im ersten Halbjahr legte der Umsatz zu. Der Aktienkurs stieg vorbörslich um gut ein Prozent.

Der Onlinebroker Flatexdegiro hatte nach einem starken zweiten Quartal infolge hoher Handelsaktivitäten seiner Kunden erneut die Gewinnprognose angehoben. Das erst im Juni höher gesteckte Umsatzziel wurde bestätigt. Damit zogen die Anteilsscheine auf Tradegate um vier Prozent an./la/mis

(AWP)