Damit würde der deutsche Leitindex den freundlichen asiatischen Börsen folgen. Bereits am Donnerstag hatte er es wieder knapp über die viel beachtete Marke von 26.000 Punkten geschafft. Auf Wochensicht zeichnet sich angesichts der Korrektur seit dem Rekordhoch vom vergangenen Freitag dennoch ein Minus von rund zwei Prozent ab. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 wird am Freitagmorgen 0,1 Prozent fester erwartet.
Die Ölpreise, deren Anstieg den Dax in den vergangenen Tagen zurückgeworfen hatte, hätten sich auf einem hohen Niveau stabilisiert, schrieb Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Die Anleger hofften weiter, dass die aktuelle Eskalation des Konflikts im Nahen Osten zeitlich begrenzt bleibe, und nutzten den Dax-Rückgang zum Wiedereinstieg.
Auch dass die Erwartungen an eine baldige Leitzinsanhebung der US-Notenbank Fed zuletzt deutlich zurückgegangen sind, stützt Altmann zufolge die Aktienkurse. Die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte und einer Beibehaltung des aktuellen Niveaus halten sich aktuell die Waage.
Eine wichtige Rolle für die Entscheidung der Währungshüter am 16. September spielt der an diesem Nachmittag anstehende US?Arbeitsmarktbericht. «Eine weitere Abschwächung am Arbeitsmarkt wäre ein starkes Argument gegen eine Zinserhöhung», betonte der Experte.
Zunächst steht am deutschen Aktienmarkt aber Volkswagen (VW) weiter im Fokus. Europas grösster Autobauer steht vor einem einschneidenden Umbau. Er will in den kommenden Jahren weitere 50.000 Stellen streichen, die Zahl seiner Modelle zusammenstreichen sowie weniger Firmenbeteiligungen halten. Vier Werke stehen weiter auf der Kippe.
Der VW-Aufsichtsrat billigte überraschend am Donnerstagabend nach wochenlangen Auseinandersetzungen einstimmig weite Teile eines Sanierungskonzepts des Vorstandes um Konzernchef Oliver Blume. Das bis 2030 angestrebte operative Ergebnis liege deutlich über den Analystenschätzungen, lobte ein Händler. Abzuwarten bleibe, ob der Markt dieses Ziel für glaubwürdig halte. Vorbörslich zogen die VW-Titel deutlich an.
Die Aktien von Ströer könnten Marktbeobachtern zufolge vom anstehenden Aufstieg in den MDax profitieren. Der Werbevermarkter ersetzt dort ab dem 21. September den Modekonzern Hugo Boss , der dafür Ströers Platz im Nebenwerte-Index SDax einnimmt.
Die Boss-Übernahme durch die Frasers Group war zuletzt zwar gescheitert. Die Briten haben aber bereits angekündigt, ihre Beteiligung von derzeit knapp 48 Prozent auf über die Hälfte aufstocken zu wollen. Damit würde der für die Indexzugehörigkeit entscheidende Börsenwert des Streubesitzes weiter sinken.
Als Kurstreiber dürften sich einmal mehr Analysteneinschätzungen erweisen. So gab eine Hochstufung der Investmentbank Oddo BHF den Titeln des Reifenherstellers Continental schon vor dem Handelsbeginn Auftrieb. Continental sei nun keine Umbaustory mehr, sondern ein purer Reifenkonzern mit einer Profitabilität, die zu den besten der Branche zähle, begründete Experte Michael Foundoukidis seine Neubewertung.
Der Aktienkurs von Daimler Truck könnte indes unter Druck geraten, nachdem die US-Bank Morgan Stanley ihre positive Anlageempfehlung für den Nutzfahrzeughersteller gestrichen hat./gl/zb
(AWP)

