«Die neue Bestmarke ist in erster Linie das Ergebnis der Klarheit und Eindeutigkeit der US-Zwischenwahlen», resümierte Timo Emden, Marktanalyst beim Broker CapTrader. Der Startschuss für eine mögliche Jahresendrally könnte nun gefallen sein.
Der MDax der mittelgrossen Unternehmen legte um 0,56 Prozent auf 31.352 Zähler zu. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 0,6 Prozent.
Geo- und geldpolitische Unsicherheiten blendeten Marktteilnehmer für den Moment aus, so Experte Emden weiter. «Investoren sollten sich weiterhin vor Augen halten, dass mit den schwelenden Nahostrisiken, Inflations- und Zinssorgen sowie KI-Fragezeichen erhebliche Unsicherheitsfaktoren unter der Oberfläche glimmen.»
Die Anleger von Rheinmetall können sich über den Rekord im Dax kaum freuen. Nachdem der Rüstungskonzern am Vorabend nach Börsenschluss erneut die Prognose senken musste, brach der Aktienkurs um mehr als 15 Prozent ein. Die Strategie der Düsseldorfer sei nicht falsch, die bisherigen Ziele seien aber wohl unrealistisch, schrieb JPMorgan-Experte David Perry. Im Rüstungssektor gerieten nach Quartalszahlen auch die Aktien von Renk im Sog von Rheinmetall unter die Räder und verloren fast 7 Prozent.
Aus dem Dax berichteten neben Rheinmetall die Deutsche Telekom , die DHL Group , Siemens Healthineers , die Commerzbank sowie am Nachmittag Hochtief über die Entwicklung im abgelaufenen Quartal.
Die Papiere des Baukonzerns Hochtief sackten nach der Zahlenvorlage deutlich ab, grenzten das Minus dann aber auf zuletzt unter 2 Prozent ein. Lange Zeit als Profiteur vom Bau von Rechenzentren gesehen, befinden sich die Anteile bereits seit Mai in einem Abwärtstrend. Mit dem Wahlsieg der Demokraten könnten Rechenzentren nun stärker hinterfragt werden.
Die Aktien der Telekom gaben um gut 2 Prozent nach. Die Zahlen seien stark ausgefallen und lägen über den Erwartungen, sagte ein Händler. Er verwies allerdings auch auf wieder aufkommende Sorgen bezüglich einer kompletten Fusion mit T-Mobile US . Die Telekom will die Dividende um zehn Prozent erhöhen. Am Markt war aber mit einer noch stärkeren Steigerung gerechnet worden.
Die Anteile des Medizintechnikers Siemens Healthineers sanken um knapp 1 Prozent. Der Ausblick sei nicht gut genug, um das hohe Kursniveau zu halten, hiess es am Markt. Für die Papiere der Commerzbank ging es um 1,5 Prozent hinab. Oben im Dax bauten die Titel von Zalando , Heidelberg Materials und Deutsche Bank mit deutlichem Zuwachs ihre Kursgewinne vom Vortag aus.
Die Anteile des Chemiekonzerns Lanxess sprangen im MDax um fast 17 Prozent hoch. Die Resultate des dritten Quartals und der präzisierte Ausblick galten unter Börsianern und Analysten eigentlich als wenig aufregendes Ereignis. Am Markt hiess es, dass vermutlich auch Eindeckungen durch Leerverkäufer, die auf fallende Kurse gesetzt hätten, die hohen Kursgewinne ausgelöst hätten - ein sogenannter Short Squeeze also.
Der IT-Dienstleister Bechtle hob nach einem weiteren guten Quartal erneut seine Jahresprognosen für das Ergebnis an. Dies brachte den Anlegern ein Kursplus von fast 6 Prozent.
Beim Kochboxenversender Hellofresh liefen die Geschäfte auch im dritten Quartal schlecht. Sowohl bei Kochboxen als auch bei Fertiggerichten blieb die Nachfrage schwach. Weil Hellofresh seine Marketingkosten weiter reduziert, fiel der operative Gewinn aber höher aus als gedacht. Der Aktienkurs schnellte um über 17 Prozent hoch./ajx/jha/
(AWP)

