Im Wochenverlauf hatte eine überraschend hohe Inflation in den USA Bedenken genährt, dass die US-Notenbank Fed den Leitzins bereits im Oktober ein weiteres Mal anheben und somit Finanzierungen für Konsumenten, Unternehmen und den Staat verteuern könnte. Hinzu kamen Ängste mancher Anleger, dass sich die milliardenschweren Investitionen der KI-Konzerne womöglich nicht auszahlen könnten.
Dass sich der Chef der US-Notenbank Fed, Kevin Warsh, nun in einer Rede aber nicht spezifisch zur Geldpolitik äusserte, liess die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung noch im Oktober aus Marktsicht wieder deutlich sinken. Zum Thema Künstliche Intelligenz sagte Warsh, dass Investitionen in diesen Bereich die US-Wirtschaft stark unterstützten. «Kevin Warsh gibt den Börsen den Optimismus zurück», sagte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Die Kommentare zur Künstlichen Intelligenz liessen die KI-Sorgen der Anleger zumindest temporär schwinden.
Ob aus dem rhetorischen Rückenwind durch Warsh «ein tragfähiges Grundgerüst für eine Jahresendrallye entsteht, bleibt fraglich», gibt Marktanalyst Timo Emden vom Broker Captrader zu bedenken. «Die aktuelle Schaukelbörse unterstreicht nach wie vor die undurchsichtige Gemengelage. Zwischen Zinsfragen, KI-Zweifeln und Krisenherden fehlt den Anlegern weiterhin der entscheidende rote Faden.»
Für Sören Hettler von der DZ Bank ist die jüngste Korrektur bei Halbleiter- und einigen KI-Aktien gleichwohl lediglich eine selektive Neubewertung durch Investoren. Eine breite Abkehr vom KI-Thema sieht er nicht. «Unter Druck stehen vor allem hoch bewertete und stark fremdfinanzierte Teile des KI-Ökosystems. Unternehmen mit hoher Profitabilität, auch aus anderen Geschäftsbereichen, und starken Cashflows sind dagegen deutlich weniger anfällig für steigende Finanzierungskosten.» Der nächste Härtetest sei nun die laufende Berichtssaison zum dritten Quartal.
Im Dax und im MDax rangierten die Rüstungsaktien Rheinmetall , Renk und Hensoldt mit Kursgewinnen von bis zu fast sieben Prozent weit vorn; im Nebenwerteindex SDax schafften es die Papiere des Raumfahrt- und Technologiekonzerns OHB mit plus 14 Prozent an die Spitze. Damit ging der Erholungsversuch im Rüstungssektor weiter.
Der Chipindustrie-Ausrüster Aixtron übertraf derweil im dritten Quartal sowohl beim Auftragseingang als auch bei der operativen Profitabilität die Analystenerwartungen. Mit einem Kursplus von gut fünf Prozent machten die Papiere einen Teil ihrer Vortagesverluste von fast 13 Prozent wett. Da hatten sie unter der schlechten Tech-Stimmung gelitten.
Ganz vorn im MDax aber schnellte der Aktienkurs von Nordex um mehr als zwölf Prozent nach oben. Der Windkraftanlagenbauer überzeugte die Anleger mit einem überraschend guten dritten Quartal und einem optimistischeren Gewinnausblick.
Für die Anteilsscheine von Verbio ging es im SDax um gut 13 Prozent nach oben auf 28,98 Euro. Constantin Hesse vom Analysehaus Jefferies blickt nun deutlich optimistischer auf die Gewinnperspektiven des Biospritherstellers. Er hob das Kursziel auf 42 Euro an und stufte die Papiere daher auf «Buy» hoch.
Die Unicredit bekommt für die Aufstockung ihrer Commerzbank-Anteile grünes Licht von der EZB-Bankenaufsicht. Gegen Jahresende erwarten die Italiener die noch fehlenden weiteren Genehmigungen - und wollen dann die Kontrolle bei dem Frankfurter Geldhaus übernehmen. Die EZB-Genehmigung war bereits erwartet worden, stützt aber dennoch die Aktien der Commerzbank. Ihr Kurs stieg um etwa eineinhalb Prozent./mis/stk
(AWP)

