Dass der Auftragseingang in der deutschen Industrie im August überraschend deutlich eingebrochen war, trübte die Stimmung nicht. Der zweistellige Rückgang im Monatsvergleich geht vor allem auf den Rückgang bei Rüstungs-Grossaufträgen zurück. Bereinigt um den Wert von Grossbestellungen lag der Auftragseingang fast auf dem Niveau des Vormonats. Für einen nachhaltigen Konjunkturaufschwung fehlten jedoch weiterhin frische Investitionsimpulse, kommentierte Salah-Eddine Bouhmidi, Marktanalyst beim Broker IG.

In der Vorwoche war der Dax noch bis auf 24.831 Punkte gesunken, von wo aus er sich dann wieder erholen konnte. Charttechnisch erweise sich nun die Marke von 25.500 Punkten als Hürde, so Bouhmidi. Ohne eine nachhaltige Rückeroberung im Tagesverlauf könne die Vortagesspanne zwischen 25.300 und 25.150 Punkten wieder zum Magneten werden. Der starke Handelsauftakt am Dienstag reiche damit noch nicht aus, um die Aufwärtsbewegung fortzusetzen.

Der MDax mit den mittelgrossen deutschen Werten legte am Nachmittag um 0,93 Prozent auf 30.710 Zähler zu. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 zog um 0,6 Prozent an.

An den europäischen Anleihemärkten gab es Signale der Entspannung. Diese war besonders deutlich in Frankreich. Die französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen, Vorsitzende des «Rassemblement National», schlug in einem Haushaltsplan vor, das Staatsdefizit bis 2032 unter 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu senken. Dies sorgte für etwas Beruhigung am Anleihemarkt, nachdem die wachsenden Staatschulden und die politische Unsicherheit in Frankreich zuletzt die Renditen hatten stark steigen lassen und im Gegenzug den europäischen Aktienmarkt belastet hatten.

Pharmawerte waren am Dienstag europaweit gefragt. Hierzulande verzeichneten Merck KGaA , Qiagen , Sartorius und Evotec Kursgewinne zwischen 4 und 7 Prozent. Ein Händler verwies als möglichen Treiber auf die Nachricht, dass die beiden Investoren McKesson und Clayton Dubilier & Rice das US-Unternehmen Option Care Health übernehmen wollen.

Spekulationen um ein Kaufinteresse aus Japan am europäischen Geschäft von TK Elevator stützten den Kurs von Thyssenkrupp . Die Aktien legten um 3 Prozent zu. TK Elevator gehörte bis 2020 zu dem deutschen Industriekonzern, der die Mehrheit an dem Unternehmen dann an Cinven und Advent verkaufte. Thyssenkrupp ist aber noch an TK Elevator beteiligt.

Auf dem tiefsten Niveau seit über einem Jahr setzten die Aktien von Flatexdegiro ihre Anfang September begonnene Talfahrt mit einem Abschlag von 7 Prozent fort. Die Investmentbank Oddo BHF erachtet die durchschnittlichen Marktschätzungen für das dritte Quartal des Online-Brokers als etwas zu hoch.

Die Aktien von Hensoldt zollten ihrem jüngst guten Lauf Tribut mit einem Minus von mehr als 3 Prozent. Eine Kaufempfehlung von Jefferies half ihnen letztlich nicht weiter hinauf. Auch die Rüstungsaktien von Rheinmetall und Renk verloren kräftig. Der Panzerbauer Rheinmetall hat inzwischen mit der Serienproduktion von Satelliten begonnen und will damit das Produktportfolio erweitern./ajx/mis

(AWP)