Der Leitindex Dax rutschte durch seine Verluste unter sein Vortagstief und unter die kurzfristig relevante Indikatorlinie des 21-Tage-Durchschnitts. Charttechnisch wackelt damit der am Freitag versuchte Ausbruch aus dem jüngsten Korrekturtrend, der Ende August mit dem Rekord begonnen hatte. Als wichtige Unterstützungen werden neben der 25.000-Punkte-Marke die bei 24.877 Zählern verlaufende 200-Tage-Linie sowie das bisherige Oktober-Tief von 24.792 Zählern angesehen.
Inmitten der Marktschwäche belasten schwache Vorgaben aus Asien am Dienstag auch den Technologiesektor wieder deutlich. Der US-Branchenindex Nasdaq 100 hatte sich am Vorabend nach seinem jüngsten Rutsch zwar etwas stabilisiert, doch in Asien ging es wieder abwärts. Besonders schwach zeigte sich in Fernost wieder einmal der von Samsung und SK Hynix geprägte südkoreanische Kospi .
Die Infineon-Titel gaben vor diesen Hintergründen als einer der grössten Dax-Verlierer um drei Prozent nach. Im MDax erwischte es Ausrüster und Zulieferer wie Aixtron , Suss Microtec und Siltronic mit Kursverlusten von bis zu knapp sechs Prozent. Mit Hochtief und Siemens Energy gerieten auch andere Werte mit Fantasie für den Ausbau von Rechenzentren unter Druck.
Dies galt auch für das Dax-Schwergewicht Siemens , dessen Aktien mit einem Abschlag von fast vier Prozent zum grössten Indexverlierer wurden. Sie folgten damit den schwachen Vorgaben des Schweizer Konkurrenten ABB , dessen Kurs nach der Veröffentlichung von Quartalszahlen in Zürich um mehr als sechs Prozent absackte. Rekordhohe Auftragseingänge von ABB konnten den Sektor also nicht stützen.
In Frankreich sollen nach den massiven Ausschreitungen vom Wochenende Ausgangssperren verhängt werden. Nach Ansicht der LBBW macht diese Situation die derzeitigen Bemühungen um eine Konsolidierung des französischen Staatshaushalts nicht einfacher. Vermutlich werde dieser dadurch «eher auf die lange Bank geschoben». Damit einhergehend bleibt die Unsicherheit am Anleihemarkt gross.
Steigende Marktzinsen sind schon länger ein Problem für Immobilienunternehmen, unter denen die Titel von Vonovia am Dienstag einen weiteren Tiefstand seit 2023 erreichten. Der Kurs von LEG fiel, nachdem die US-Bank Morgan Stanley ihr Votum auf «Underweight» gesenkt hatte.
Die Aktien von TAG Immobilien schlugen sich mit einem Anstieg um rund zwei Prozent nach einer Kaufempfehlung von Goldman Sachs aber besser. Der Wachstumsmotor Polen verhelfe zu einer branchenführenden Gewinndynamik, schrieb der Experte Jonathan Kownator. Zudem lobte er bei TAG die Rendite und die geringen Leerstände im deutschen Immobilienbestand.
Im Dax waren die Aktien des Energiekonzerns Eon dank ihres defensiven Charakters unter den Gewinnern. Ein Händler verwies hier auf das Nachwirken eines Artikels im «Manager Magazin», das am Vortag von einem Sparprogramm namens Polaris berichtet hatte. Der Börsianer sah in den damit verbundenen möglichen Einsparungen eine Chance auf eine vorübergehend positive Kurswirkung./tih/stw
(AWP)

