Stark gestiegene Ölpreise und der damit verbundene Anstieg der Anleiherenditen hatten bei den Anlegern nach dem Dax-Rekord Ende August zuletzt für Mollstimmung gesorgt. Beim Thema Öl nun gab es nach dem deutlichen Anstieg seit Mittwoch eine leichte Entspannung, denn es kam wieder Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im Iran-Krieg auf.
Der Iran hat den USA nach Medienberichten einen neuen Vorschlag zur Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein mögliches Ende des Krieges vorgelegt. Über Vermittler sei der US-Regierung ein Plan vorgelegt worden, wonach die Strasse von Hormus nach sieben Tagen wieder geöffnet werden könne, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt seien, sagte der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi laut der «New York Times» und der «Financial Times» am Rande der UN-Woche in New York. Auf Nachfrage zu dem angeblichen Verhandlungsangebot der Iraner hiess es aus dem Weissen Haus: «Wir führen über die Vermittler positive und konstruktive Gespräche.»
Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, schrieb: «Wir sehen heute, dass die Anleihen sich etwas stabilisieren, weil die Ölpreise zurückkommen. Das ist aber nur eine Momentaufnahme, die sich schnell wieder ändern kann.» Für den Dax bleibe es bei einer Stabilisierung.
Die Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar um gut zweieinhalb Cent in zweieinhalb Wochen hilft dem deutschen Export Stanzl zufolge eigentlich auf die Sprünge. Auch die deutschen Konjunkturprognosen hellten sich auf. Der deutsche Leitindex sei im Vergleich zu den grossen Aktienindizes an der Wall Street aber trotzdem abgeschlagen.
Unter den Einzelwerten richtete sich der Fokus auf Evonik und Hellofresh mit zwischenzeitlich zweistelligen Kursbewegungen. So schossen Evonik um bis zu 11 Prozent nachoben, nachdem die «Financial Times» über ein Kaufinteresse von BASF berichtete. Die Ludwigshafener wollten mit einer Übernahme von Evonik ihren globalen Fussabdruck und ihr Portfolio vertiefen, um im schwierigen Branchenumfeld besser zu bestehen, meldete die Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise. BASF, Evonik und die RAG-Stiftung wollten dem Blatt zufolge keine Stellung beziehen. BASF-Aktien verloren rund 3 Prozent.
Hellofresh kommt derweil nicht aus der Krise. Nach einem erwarteten kräftigen Umsatzrückgang und enttäuschender Entwicklung des operativen Gewinns im dritten Quartal senkte das Unternehmen die Prognosen für das laufende Jahr. Die Aktien sackten um 15 Prozent auf ein weiteres Rekordtief und waren auch zuletzt mit einem Minus von 10 Prozent das klare Schlusslicht im Nebenwerteindex SDax .
Im Dax gewannen die Papiere von Adidas gut 2,5 Prozent. Der Sportartikelhersteller sei in einem gemischten Branchenumfeld gut unterwegs, schrieb Analyst Piral Dadhania von der kanadischen Bank RBC nach dem Besuch eines Innovationstages des Unternehmens. Adidas gewinne Marktanteile und setze seine Strategie zielgerichtet um.
Auch die als konjunktursensibel geltenden Bankaktien waren gefragt. So stiegen die Papiere der Deutschen Bank um 2,5 Prozent und die der Commerzbank um fast 3 Prozent. Sollte sich die Situation im Nahen Osten tatsächlich nachhaltig entspannen, würde dies die Ölpreise deutlich sinken lassen und damit der Weltwirtschaft einen Schub geben. Banken könnten davon über eine höhere Kreditnachfrage oder eine geringere Risikovorsorge profitieren, so die Hoffnung.
Der Flugzeugbauer Airbus kämpft mit einem Qualitätsproblem beim Kassenschlager A321neo. Nach Angaben eines Sprechers hat der Konzern bei einigen Jets an den Längsversteifungen im vorderen unteren Bereich des Rumpfes «Abweichungen» beim Oberflächenschutz festgestellt. Es handele sich jedoch nicht um ein Sicherheitsproblem. Airbus habe bereits eine Lösung entwickelt. Die Anteilsscheine von Airbus reduzierten Abschlag zuletzt auf gut 1 Prozent./ag/stk
(AWP)

