Die jüngsten Nachrichten aus dem Nahen Osten setzten die Ölpreise im Handelsverlauf unter Druck. So stellte die iranische Führung im Konflikt mit den USA abermals Verhandlungen in Aussicht. «Diplomatie bedeutet keine Kapitulation, sondern die Umwandlung der Stärke auf dem Feld in politische Errungenschaften», sagte Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf laut iranischen Medienberichten in Teheran.
Zudem meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo, dass der Iran angeboten habe, die Strasse von Hormus innerhalb von sieben Tagen wieder zu öffnen, sofern die amerikanische Blockade aufgehoben werde.
Der Ölpreisrückgang milderten damit etwas die Inflationssorgen der Anleger. Die Preisentwicklung bei dem für die Weltwirtschaft wichtigen Rohstoff Öl beschäftigt inzwischen auch die Währungshüter. Nach Einschätzung des Chefvolkswirtes der Europäischen Zentralbank Philip Lane etwa wird der jüngste Anstieg der Energiepreise die Teuerung in der Eurozone länger auf einem erhöhten Niveau halten als bisher gedacht.
Ferner stützten Kursgewinne in den USA und in Asien den deutschen Aktienmarkt. Vor allem für den Nasdaq 100 war es tags zuvor kräftig aufwärtsgegangen - auch noch nach dem europäischen Handelsende.
Der US-Auswahlindex der Technologiebörse ist wieder in Reichweite seines Rekords von Anfang Juni. Dabei verzeichneten die Papiere des Facebook-Konzerns Meta mit gut elf Prozent ihren höchsten Tagesgewinn seit April 2025. Anleger feierten den starken Start der neuen Endverbraucher-KI Muse seit Anfang des Monats und positive Analystenreaktionen darauf.
Derweil blickten Anleger auch gen New York. Dort beginnt mit der Generaldebatte das Treffen der Vereinten Nationen. Dabei will US-Präsident Donald Trump mit Vertretern der Golfstaaten zusammenkommen. Zudem könnte er sich mit seinem iranischen Amtskollegen Massud Peseschkian treffen. Ausserdem trifft Trump diese Woche Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, der vom 23. bis 25. September für einen Staatsbesuch in die Vereinigten Staaten reist.
Im Dax zogen die Anteilscheine von Adidas um 3,4 Prozent an. Börsianer verwiesen auf eine Kaufempfehlung des US-Finanzdienstleisters StoneX.
Der Reisekonzern Tui bekam den Iran-Krieg und den Trend zu Last-Minute-Urlaub im Sommer deutlich zu spüren; beides zehrt am Gewinn. Der gebuchte Umsatz lag im Pauschalreisegeschäft fünf Prozent niedriger als im Sommer zuvor, wie das Unternehmen auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Die Anteilscheine von Tui waren zunächst um mehr als 2 Prozent abgesackt, bevor sie sich mit dem wieder anziehenden Gesamtmarkt erholten. Zuletzt stand ein Plus von 2,4 Prozent zu Buche. Wegen der jüngsten Nachfragesorgen glaube er, dass die Eckdaten beruhigenden Charakter haben sollten, schrieb Experte Richard Clarke vom US-Analysehaus Bernstein Research.
Unter den Nebenwerten zogen die Anteilscheine von Circus um gut acht Prozent an. Das auf KI-gestützte Robotik spezialisierte Technologieunternehmen nahm den kommerziellen Betrieb in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf./la/stk
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---
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