Nach einem volatilen Handelsverlauf schloss der deutsche Leitindex 0,79 Prozent tiefer mit 25.199,19 Punkten. Damit rutschte er klar unter die für den mittel- bis langfristigen Trend wichtige 100-Tage-Linie, die ihm die vergangenen Tage noch Halt gegeben hatte. Im als traditionell schwach geltenden Börsenmonat September verbuchte der Dax ein Minus von vier Prozent. Für das abgelaufene Quartal ergibt sich hingegen ein Kurszuwachs von 0,8 Prozent. Für den MDax der mittelgrossen deutschen Unternehmen ging es am Mittwoch letztlich um 0,13 Prozent auf 30.842,53 Punkte nach unten.

Hohe Energiepreise trieben die Teuerung in Deutschland erstmals seit Ende 2023 über die Marke von drei Prozent. Die Verbraucherpreise lagen im September um 3,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats - nach 2,9 Prozent Inflation im August, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Ähnlich sah die Entwicklung in Frankreich und Italien aus.

Dagegen stieg in den USA der sogenannte PCE-Deflator im August weniger stark als prognostiziert. Er gilt als bevorzugte Inflationskennziffer für die US-Notenbank Fed, die ihre Geldpolitik sowohl an der Teuerungsentwicklung als auch am Arbeitsmarkt ausrichtet. An diesem Freitag steht der offizielle monatliche Beschäftigungsbericht an. Bereits davor gaben Informationen des Arbeitsmarktdienstleisters ADP Einblick in die Entwicklung der Privatwirtschaft. Dort ist die Zahl der Beschäftigten im September stärker gestiegen als erwartet.

Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst CMC Markets, sieht in den US-Daten «fast ein Wunschkonzert für die Aktienmärkte. Der Arbeitsmarkt bleibt robust, die Wirtschaft wächst stärker als erwartet und gleichzeitig fällt der Inflationsdruck geringer aus als befürchtet». Dagegen sorgten die weiter steigenden Ölpreise und Anleiherenditen für Zurückhaltung bei den Anlegern, betonte der Experte.

Nach den vortags veröffentlichten Teuerungsdaten aus Spanien lagen nun auch die der anderen Länder weit über dem Ziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent. Die Währungshüter dürften daher wohl zur Überzeugung kommen, nochmals an der Zinsschraube zu drehen, was der Markt entsprechend einpreise, hiess es seitens der Landesbank Helaba. Zum Ende des Jahres sei eine Zinserhöhung vollständig eingepreist, im ersten Quartal eine weitere.

Im Dax zählte BMW zur Wochenmitte mit einem Kursplus von 1,5 Prozent zu den besten Werten. Die Pläne des Autobauers für die kommenden Jahre schienen den Anlegern Mut zu machen. Am Dienstag hatten noch kolportierte Aussagen vom Kapitalmarkttag im späten Handel für Nervosität gesorgt. Diese Verluste holte BMW wieder auf.

Index-Schlusslicht waren die Aktien der Commerzbank mit minus vier Prozent. Analyst Benjamin Goy von Deutschen Bank strich seine Kaufempfehlung. Viele der Kurstreiber, etwa steigende Zinseinkünfte und üppige Ausschüttungen, seien entweder bereits eingepreist oder durch die überdurchschnittliche Kursentwicklung am Markt inzwischen realisiert worden, schrieb er.

Am MDax-Ende büssten die zwischenzeitlich noch schwächeren Aktien von CTS Eventim 6,2 Prozent ein. Der Tickethändler und Veranstalter muss sich einen neuen Finanzchef suchen. Gründe wurden keine genannt. Für etwas Kursentlastung sorgten am Nachmittag bekannt gewordene Aktienkäufe von Unternehmenschef Klaus-Peter Schulenberg für gut zehn Millionen Euro.

Ionos sanken nach einem negativen Analystenkommentar um 5,8 Prozent. Das Bankhaus Metzler nahm die Bewertung des Webhosters mit einer Verkaufsempfehlung auf.

Im Nebenwerte-Index SDax zählten Asta Energy mit minus 5,9 Prozent und LPKF Laser mit minus 2,5 Prozent zu den grössten Verlierern. Asta litten darunter, dass die österreichische Beteiligungsgesellschaft ETV Montana Tech 500.000 ihrer Asta-Energy-Aktien veräussert hat. Der Laserspezialist LPKF hatte seine Jahresziele gesenkt, unter anderem weil sich ein grösserer Solar-Auftrag verzögert.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 schloss am Mittwoch 0,8 Prozent tiefer. In London und Zürich ging es weniger deutlich bergab. Der New Yorker Leitindex Dow Jones Industrial trat zum europäischen Handelsende auf der Stelle, während der technologielastige Nasdaq 100 um 0,8 Prozent zulegte./gl/he

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

(AWP)