Der deutsche Leitindex ging 0,14 Prozent tiefer bei 26.091,33 Punkten aus dem Handel. Der MDax verlor 0,05 Prozent auf 31.822,47 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab um 0,4 Prozent nach, während die Vorzeichen in Zürich und London positiv waren. In New York stand zuletzt immerhin der Dow Jones Industrial in der Gewinnzone.

Im Fokus standen weiter die zinssensitiven Halbleiterwerte wegen ihrer Korrektur, die international unter Schwankungen weiter ging. Den Auslöser dafür sieht die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in steigenden Anleiherenditen und der damit grösser werdenden Frage, ob die angekündigten KI-Investitionen in einem Umfeld steigender Finanzierungskosten Bestand haben. Die vom US-Finanzministerium signalisierte Bereitschaft, am Anleihemarkt stützend einzugreifen, konnte die Zinssorgen nicht beseitigen.

Als Dax-Schlusslicht schloss Infineon vier Prozent tiefer. Der Kurs des Chipkonzerns näherte sich dem tiefsten Stand seit Ende Juli, als es in der Tech-Branche schon einmal Verwerfungen gegeben hatte. In Asien hatten sich Sektoranleger bereits Sorgen um die Finanzlage des Investors Softbank gemacht, der laut einem Medienbericht Pläne für die Ausgabe neuer Anleihen schmiedet, um seine KI-Ambitionen zu finanzieren.

Zwar versuchte der koreanische Chipriese SK Hynix , die Lage mit einem grossen Aktienrückkaufpaket zu beruhigen. Dies gelang aber ebenso wenig durch ein Geschäft zwischen Google und dem US-Unternehmen Marvell Technology . Die Marvell-Titel zogen zwar an, der bisherige Google-Lieferant Broadcom litt jedoch unter dieser Nachricht.

Im Grossen und Ganzen konnte die Chip-Unsicherheit den Dax aber nicht mehr so stark beeinträchtigen. Unter anderem sorgte SAP mit einem Anstieg um 1,9 Prozent für ein Gegengewicht. Die Erholung der Aktien des Software-Konzerns ging mit dem höchsten Stand seit Ende Januar weiter. Anleger verdrängen hier neuerdings die lange Zeit eingepreiste Sorge vor einem KI-Störeffekt.

Aus dem Gesundheitssektor verbuchte die Darmstädter Merck KGaA ein Plus von 1,2 Prozent. Nicht selbst daran beteiligt, profitierten die Titel von einer positiv ausstrahlenden Sektornachricht aus den USA. Die Konzerne Merck & Co und Moderna vermeldeten einen Erfolg bei einer kombinierten Hautkrebsbehandlung mit einem mRNA-Krebsimpfstoff. Deren Aktienkurse legten daraufhin deutlich zu.

Im Nebenwerte-Index SDax gewann Heidelberger Druck nach einem negativen Start am Ende 2,6 Prozent. Der Maschinenbauer hält trotz eines schwachen ersten Geschäftsquartals an seinen Jahreszielen fest. Experten hoffen auf Besserung im Jahresverlauf.

Die Titel von Redcare Pharmacy standen mit Zahlen von DocMorris im Blickfeld. Mit einem Abschlag von 1,3 Prozent konnten sie aber nicht davon profitieren, dass der Konkurrent seine Umsatz- und Ergebniszielspannen anhob. Der DocMorris-Kurs legte in Zürich um knapp vier Prozent zu.

Die Aktionäre des Rüstungsunternehmens Renk konnten sich nur zeitweise über einen Kursgewinn wegen Übernahmefantasie freuen. Diese hatte JPMorgan-Analyst David Perry geschürt. Allerdings war die gute Stimmung in einem durchwachsenen Branchenumfeld nicht nachhaltig, das Papier ging etwas tiefer aus dem Handel. Die Aktien des grössten deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall gaben im Dax um fast drei Prozent nach./tih/he

(AWP)