Aus dem Handel ging der Dax 2,22 Prozent höher bei 26.437,67 Punkten. In der Spitze hatten dem Leitindex mit fast 26.542 Zählern nur noch 78 Punkte zur Bestmarke gefehlt. Der MDax legte um 1,41 Prozent auf 31.178,27 Zähler zu. Auch in New York waren die Kursgewinne beim Dow Jones Industrial ausgeprägt. Bei den Tech-Werten im Nasdaq 100 war die Reaktion durchwachsener.

Die Demokraten haben in den USA bei den Zwischenwahlen die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat erobert. Laut dem Kapitalmarktstrategen Joachim Schallmayer von der Dekabank sendet dies das Signal, dass die Politik von US-Präsident Donald Trump «nicht grenzenlos durchsetzbar» ist. Dramatische Kurswechsel seien zwar nicht zu erwarten, doch einzelne Branchen könnten seiner Einschätzung nach neue Rahmenbedingungen bekommen. Steve Chiavarone von Federated Hermes glaubt vorerst an eine erhöhte Volatilität.

Als Branchen, deren Rahmenbedingungen sich vielleicht negativ ändern könnten, wurden vor allem KI-Werte genannt. Aktien von Infineon , Hochtief und Siemens Energy fanden sich daher als Dax-Verlierer mit bis zu acht Prozent im Minus wieder. Laut einem Börsianer kam hier die Sorge auf, dass die Kontrolle der Demokraten in den USA zu mehr Regulierung und einer genaueren Überprüfung der KI-Branche führen wird.

Laut dem Dekabank-Experten Schallmayer könnten auch die Unternehmen aus den Bereichen Energie und Finanzen von den Verschiebungen im US-Kongress neue Rahmenbedingungen bekommen. In Deutschland wurden Werte aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien als Profiteure gehandelt. Dies verhalf vor allem den Aktien von Nordex und SMA Solar zu grösseren Kursgewinnen.

Im Dax hellten auch Unternehmensberichte die Stimmung auf. Besonders die Ergebnisse von Heidelberg Materials , Scout24 und Continental sorgten für Kaufinteresse. Sie zeigten, dass die deutschen Unternehmen trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds positive Überraschungen liefern können, erläuterte Analyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets.

Im Dax schnellten die Papiere des Baustoffkonzerns Heidelberg Materials an der Index-Spitze um 9,6 Prozent auf den höchsten Stand seit Juli. Das Wachstum beim Zementkonzern beschleunige sich, betonte der DZ-Bank-Experte Thorsten Reigber. Ein Programm zur Selbstoptimierung werde ausgeweitet und das deutsche Infrastrukturprogramm komme langsam in Fahrt.

Für die Titel des Reifenherstellers Continental ging es nach einer Anhebung der Gewinnprognose um 5,2 Prozent hinauf. Der Citigroup-Experte Ross MacDonald sah darin einen Ausnahmefall mit der Betonung, eine angehobene Prognose sei im Autosektor selten. Ein vorteilhafter Preis- und Produktmix hat laut seiner Einschätzung weiterhin Gegenwind beim Absatzvolumen ausgeglichen.

Die Continental-Aktien wurden auch zur treibenden Kraft im generell kräftig steigenden europäischen Autosektor. Hier herrschte wohl etwas Hoffnung auf eine mildere US-Zollpolitik, die für deutsche Hersteller ein wichtiger Absatzmarkt sind. Unter den Autobauern stieg der Kurs von BMW am deutlichsten um 5,5 Prozent - trotz einer Gewinnwarnung der Münchener.

Der vorgelegte Quartalsbericht schob im Dax ausserdem die Titel von Scout24 besonders kräftig um fast 6,7 Prozent an. Der Internetportal-Betreiber wird beim diesjährigen Umsatz etwas optimistischer. Im Online-Bereich schafften es nach Zahlen und zunächst schwachem Start auch die Papiere des Gebrauchtwagenhändlers Auto1 mit mehr als drei Prozent ins Plus.

Auf europäischer Bühne schloss der EuroStoxx 50 knapp zwei Prozent höher bei 6.265,71 Punkten. Er befreite sich damit vorerst aus dem Abwärtstrend, der im August begonnen hatte. Ausserhalb der Eurozone ging es für den Züricher SMI und den Londoner FTSE 100 ebenfalls deutlich nach oben. In New York stieg der Dow Jones Industrial um fast drei Prozent, während der Nasdaq 100 weniger als ein Prozent gewann. Er wurde gebremst von teils deutlich abrutschenden Chipwerten./tih/jha/

(AWP)