«Den Sprung auf neue Bestmarken nach den US-Inflationsdaten nutzten einige Anleger dann doch für etwas ausgedehntere Gewinnmitnahmen», fasste Marktexperte Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets den Börsentag zusammen. Auch wenn es damit keine Schlussrekorde gegeben hat, sieht Lipkow nach wie vor «eine erkennbare Kaufdynamik an Europas Börsen», die sich dieses Mal wieder verstärkt auf Technologie- und Rüstungswerte konzentriert habe.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 beendete den Handel nach seinem Rekordhoch 0,26 Prozent tiefer bei 6.533,99 Punkten. Verluste wurden ausserdem in London und Zürich verbucht.
Die Inflation in den USA sank im Juli wie erwartet. Laut der Landesbank Helaba war der Preisauftrieb angesichts geringerer Benzinpreise im Vergleich zum Juni noch schwach gewesen. Das dürfte sich laut Analyst Ralf Umlauf im August jedoch umkehren.
Aktien der Halbleiterbranche erhielten hierzulande und europaweit frischen Auftrieb von starken Quartalsberichten und Ausblicken von US-Unternehmen mit KI-Bezug, allen voran von CoreWeave . Während das Kursplus von Infineon mit 0,4 Prozent moderat war, legten im MDax Suss Microtec und Siltronic jeweils um etwas mehr als 5 Prozent zu.
KI-Fantasie verhalf auch Siemens Energy zur fortgesetzten Erholung. Die Aktien profitierten mit plus 2,0 Prozent zudem vom Windkraft-Spezialisten Vestas . Dieser überraschte positiv mit seiner Umsatz- und Ergebnisentwicklung samt angehobenen Jahreszielen. Neben den Papieren des deutschen Energietechnik-Konzerns wurden auch Nordex davon nach oben gezogen. Die Anteile des Vestas-Konkurrenten gewannen im MDax 4,6 Prozent.
Das Photonik-Unternehmen Jenoptik überzeugte als KI-Wert ebenfalls mit etwas optimistischeren Jahreszielen. Als Treiber des Kursanstiegs um 5,2 Prozent kamen starke Resultate des US-Optoelektronik-Unternehmens Lumentum hinzu.
Favorisiert wurde von den Anlegern an diesem Tag obendrein der Rüstungssektor. Hier sorgte vor allem TKMS für Rückenwind mit einem Kurssprung von 8,5 Prozent. Eine von dem Marineschiffbauer deutlich erhöhte Umsatzprognose kam bei den Anlegern gut an. Analysten halten es für möglich, dass TKMS demnächst auch die mittelfristigen Ziele anhebt.
Eon verloren als Dax-Schlusslicht 3,2 Prozent. Lediglich bestätigte Jahresziele nach soliden Quartalszahlen des Energieversorgers und Stromnetzbetreibers reichten den Anlegern wohl nicht aus.
Für Tui ging es nach verfehlten Erwartungen des Reisekonzerns im dritten Geschäftsquartal um 1,1 Prozent abwärts. Zudem wies Bernstein-Analyst Richard Clarke darauf hin, dass die Umsatztrends der Sommersaison schwächer seien als es das Management noch im Mai für diese Buchungsphase erwartet habe./ck/he
--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---
(AWP)

