Hohe Preise für Kraftstoff und Heizöl haben die Inflation in den USA im September überraschend stark angetrieben. Die Verbraucherpreise legten im Jahresvergleich um 3,7 Prozent zu und damit stärker als Experten im Mittel erwartet hatten. Im August hatte die Inflationsrate noch bei 3,4 Prozent gelegen.

Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank zeigte sich vergleichsweise gelassen: «Von klaren Zweitrundeneffekten kann bislang immer noch nicht die Rede sein». Als Zweitrundeneffekte bezeichnet man die Reaktionen von Unternehmen und Arbeitnehmern auf einen ersten Preisschock, wodurch sich die Teuerung weiter verstärkt. Aus Sicht der US-Notenbank Fed stehe dieses Jahr noch eine Zinsanhebung an, so Gitzel. «Danach sollen dann keine weiteren Zinsanhebungen folgen».

Dass die Stimmung am Markt nicht kippte, dafür sorgte auch ein Vorhaben der EU-Kommission. Angesichts hoher Energiepreise sollen bestimmte Klimaschutzregeln für importierte fossile Brennstoffe erst später als geplant angewendet werden. Der europäische Gaspreis fiel daraufhin deutlich, und Aktien energieintensiver Unternehmen, etwa aus der Chemie- und Rüstungsbranche, legten zu. Rheinmetall etwa gewannen 3,1 Prozent, MTU 2,4 Prozent und BASF 2 Prozent.

Die Kion -Aktie legte leicht zu. Der Hersteller von Logistiktechnik senkte die Jahresziele und verschob mittelfristige Ziele wegen einer schwachen Nachfrage nach Gabelstaplern. Das irritierte die Anleger nicht lange, denn Kion hatte erst kürzlich eine träge Geschäftsentwicklung signalisiert.

Aktien von Lufthansa rückten wegen einer Übernahme in den Fokus. Das Papier gab um 2,1 Prozent nach. Die Regierung Portugals wählte den deutschen Luftfahrtkonzern als bevorzugten Partner für den Erwerb von knapp 45 Prozent der staatlichen Airline Tap aus. Die Lufthansa habe für diese Anteile ein Gebot von 1,2 Milliarden Euro abgegeben, hiess es aus Lissabon.

Im Kleinwerte-Index SDax erholte sich die schwer gebeutelte Evotec -Aktie mit 6,7 Prozent. Die Quartalszahlen des Entwicklers von Pharmawirkstoffen fielen besser aus als erwartet.

Der Windparkentwickler PNE kappte die Prognose für das Jahresergebnis, was der Aktie einen Kurseinbruch von fast 20 Prozent und ein Kurstief seit sechs Jahren einbrockte.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg am Mittwoch um 0,38 Prozent auf 6.190,37 Punkte. Ausserhalb des Euroraums ging es mit dem britischen FTSE 100 noch weiter aufwärts. Mit dem zum US-Dollar schwachen Pfund könnten sich die britischen Exportaussichten verbessern. Der Schweizer Leitindex SMI gewann sogar 1,5 Prozent, angetrieben von den Kursgewinnen der Schwergewichte Roche und Novartis . Der Dow Jones Industrial lag zum europäischen Handelsschluss leicht im Minus./bek/he

--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---

(AWP)