Der wieder getrübten Börsenlage konnten sich auch die übrigen New Yorker Indizes nicht entziehen: Der stärker auf Standardwerte ausgerichtete Dow Jones Industrial fiel zuletzt um 0,2 Prozent auf 52.358 Zähler. Der marktbreite S&P 500 gab um 0,3 Prozent auf 7.722 Punkte nach.
Die Resultate von Microsoft kamen zwar bei Anlegern nicht so schlecht an wie die von Alphabet, konnten das negative Bild in der Tech-Branche aber auch nicht aufbessern. Die erwartungsgemässe Zinsbestätigung durch die US-Notenbank Fed vom Vorabend wurde an den Märkten schnell wieder abgehakt. In Europa folgte am Donnerstag die EZB diesem Beispiel.
Der Google-Mutterkonzern Alphabet berichtete von steigenden Investitionen und war beim freien Barmittelzufluss ins Minus gerutscht. «Die Botschaft lautet: Der Markt belohnt Ausgabendisziplin und bestraft Investitionen ohne Cashflow-Deckung», resümierte Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank. Laut den Experten von Index-Radar gab Alphabet mehr für Investitionen aus, als das laufende Geschäft im Quartal an Geld einbrachte.
Der Alphabet-Kurs sackte um mehr als 12 Prozent auf das niedrigste Niveau seit Ende März ab, obwohl es hiess, dass der Internetkonzern im Cloud-Geschäft die Erwartungen übertroffen habe. Damit droht an einem einzigen Handelstag fast eine halbe Billion US-Dollar an Aktienwert vernichtet zu werden. Es könnte sogar der bisher grösste Tagesverlust der Papiere werden.
Microsoft kam mit einem Abschlag von 0,8 Prozent glimpflicher davon. Getrieben vom abermals hohen Wachstum der Cloud-Plattform Azure ist der Softwareriese überraschend stark in das laufende Geschäftsjahr gestartet. Getrübt wurde dies aber von der Nachricht, dass sich der Konzern Milliarden am Anleihemarkt besorgt, um weiter Geld in sein Wachstum investieren zu können.
Die Stimmung in der Softwarebranche wurde noch getrübt von ServiceNow und Fortinet . Beide Aktien brachen nach enttäuschen Quartalsberichten und schwachen Ausblicken zeitweise um ein Viertel ein. Dies ging im Dow auch an den Aktien von Salesforce nicht schadlos vorbei, die in dem Leitindex mit mehr als vier Prozent unter den grössten Verlierern waren.
Unter den Tech-Werten sackten mit Marvell Technology auch die Aktien eines eigentlich aufstrebenden KI-Unternehmens um fast 13 Prozent ab. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg werden fortgeschrittene Gesprächen zur Übernahme von Lumentum geführt, einem Hersteller optischer Komponenten für Rechenzentren. Dessen Aktien wurden davon mit fast drei Prozent ins Plus gehievt.
Im Dow hinterliessen noch die Zahlen von Caterpillar mit einem Kursrutsch um fast acht Prozent tiefe Spuren. Die Aktien gerieten in Sippenhaft mit dem KI-Sektor, da der eigentlich für Baumaschinen bekannte Konzern dort zuletzt wegen der Aktivitäten in den Bereichen Generatoren, Grossmotoren und Gasturbinen als Profiteur geschätzt wurde. Zudem veröffentlichte das Unternehmen einen verhaltenen Ausblick.
Auf der positiven Dow-Seite tauchten vor allem Pharmaunternehmen auf. Der grösste Indexgewinner waren die Titel von Merck & Co , nachdem der Konzern ein überraschend starkes Quartal hinter sich brachte und die Jahresziele erhöhte. Sehr gut sah es ausserhalb des Dow auch noch bei Eli Lilly mit einem Kurssprung um mehr als sieben Prozent aus. Eine höhere Umsatzprognose trieb die Titel auf Rekordniveau.
Visa wurden von Zahlen eines Konkurrenten im Dow wieder etwas in Richtung Rekord hochgezogen. Mastercard übertraf mit seinen Ergebnissen dank höherer Verbraucherausgaben die Erwartungen, sodass Analyst Daniel Perlin von RBC von starken Resultaten sprach. Im Schlepptau konnten mit American Express auch die Papiere eines weiteren Wettbewerbers zulegen./tih/he
(AWP)

