Experten wollten derweil den Kursrutsch nicht überbewerten. «Wir gehen davon aus, dass der KI-Investitionszyklus weiterhin intakt ist, das Gewinnwachstum der Unternehmen stabil bleibt und ein positives globales Konjunkturumfeld die Aktienmärkte stützen dürfte», sagte Mark Haefele, Chefanlagestratege beim Vermögensverwalter UBS Global Wealth Management. Auch wenn es nach den Ergebnissen der Parlamentswahlen in den USA zu einer Phase der Marktverunsicherung kommen könnte, glaube er nicht, dass die Fundamentaldaten einen anhaltenden Abschwung an den Börsen rechtfertigen.

Seit dem Erdrutschsieg der US-Demokraten bei den Kongresswahlen am Dienstag sind die Finanzmärkte nervös. Denn die Demokraten stehen den Chancen von KI skeptischer gegenüber als die Republikaner, die sich traditionell für den Abbau staatlicher Vorgaben starkmachen.

Tech-Konzerne müssen sich auf mehr Gegenwind bei ihren riesigen Rechenzentren für KI einstellen. Diese werden für Lärm, Luftverschmutzung und Wassermangel verantwortlich gemacht, zudem wird befürchtet, dass die Energiepreise wegen des sehr hohen Strombedarfs auch in der Breite steigen könnten.

Die Unsicherheit mit Blick auf die künftige Höhe von KI-Investitionen strahlt derweil auch auf die Gesamtwirtschaft aus. Aktuell wird noch davon ausgegangen, dass diese das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten erheblich ankurbeln. Sollte sich jedoch der Ausbau der dafür nötigen Rechenzentren deutlich verlangsamen, könnte dies die Konjunktur belasten. Insofern taxierte IG den US-Leitindex Dow Jones Industrial 0,9 Prozent im Minus.

Robuste US-Jobdaten für Oktober rückten erst einmal in den Hintergrund. Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) sprach von einer überraschend soliden Beschäftigungsentwicklung.

Unter den Einzelwerten legten viele am Vortag abgestrafte Aktien aus der Chipbranche oder deren Umfeld wie AMD , Marvell Technology , Micron , Nvidia oder SpaceX im vorbörslichen US-Handel wieder teils deutlich zu.

Zu der Erholung trugen auch gute Unternehmensnachrichten bei. So hatte der Rechenzentrumsbetreiber und Bitcoin-Miner Iren ein laut Experten ordentliches Umsatzwachstum im Bereich Cloud-Lösungen für Künstliche Intelligenz verzeichnet. Zudem habe das bereinigte operative Ergebnis positiv überrascht, schrieb Experte John Todaro vom Analysehaus Needham. Damit zogen die Anteilscheine von Iren um 14 Prozent an.

Die Papiere von Cloudflare stiegen um 20 Prozent. Das Softwareunternehmen hatte seine Gesamtjahresprognose für alle wichtigen Kennzahlen angehoben./la/mis

(AWP)