Der Tech-Index Nasdaq 100 gewann weitere 1,26 Prozent auf 28.535 Punkte, womit er etwas hinter den anderen Indizes zurückblieb. Er hatte sich schon tags zuvor von einer dreitägigen Talfahrt etwas erholt. Die deutlichen Kursverluste bei Halbleiteraktien wegen der Angst vor einer stärkeren Regulierung im KI-Sektor wurden von der allgemeinen Marktstärke weitgehend in den Hintergrund gedrängt.

Bei den Wahlen zur Mitte der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump verlor dessen republikanische Partei die Mehrheit in beiden Kongresskammern. Zudem knöpften die Demokraten ihr Gouverneursposten in mehreren Bundesstaaten ab, unter anderem in Texas, wo die Republikaner traditionell stark sind.

«Die Kombination aus einer grossen demokratischen Mehrheit im Kongress und der Erklärung von Präsident Trump, er sei bereit, mit der Opposition zusammenzuarbeiten, dürfte extreme politische Entwicklungen abbremsen», sagte George Saravelos, globaler Leiter der Devisenstrategie bei der Deutschen Bank.

Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Dekabank, schrieb: «Die Machtverhältnisse verändern sich deutlich, jedoch geordnet.» Einzelne Branchen - vor allem Künstliche Intelligenz, Energie und Finanzen - könnten neue Rahmenbedingungen bekommen. So gelten die Demokraten als aufgeschlossen gegenüber Erneuerbaren Energien, während Trump die Anbieter fossiler Rohstoffe bevorzugt. Entsprechend sprangen Titel aus der Solarindustrie wie First Solar und Enphase Energy um jeweils rund 6,5 Prozent hoch.

Gefragt waren auch Aktien von Technologiegiganten wie Amazon , Microsoft und Apple mit Kursgewinnen von bis zu 7 Prozent. Apple und Microsoft reichte die Erholung vom jüngsten Kursrückschlag für Rekordhochs.

Der iPhone-Konzern schob sich damit im Tauziehen um den Status als weltweit wertvollstes Börsenunternehmen wieder am Chipgiganten Nvidia vorbei. Dessen Anteilscheine verloren mit der schwachen Branche 1,4 Prozent. Bei AMD stand dank starker Quartalszahlen und eines insgesamt optimistischen Ausblicks nur ein Minus von 0,3 Prozent zu Buche.

Die Anleger schauten auch nach Texas, wo erstmals seit mehr als 30 Jahren die Demokraten die Gouverneurswahl gewonnen haben. Das birgt nun erhebliche Regulationsrisiken für das Firmenimperium von Elon Musk. Dementsprechend büssten die Aktien des Elektroautobauers Tesla und des Weltraum- und KI-Konzerns SpaceX 2,2 und 3,3 Prozent ein.

Für die Titel der Rüstungskonzerne Lockheed Martin und Northrop Grumman ging es um 6,8 beziehungsweise 4,3 Prozent bergab. Der US-Bank Jefferies zufolge könnten dem US-Verteidigungshaushalt nach dem demokratischen Wahlsieg drastische Kürzungen drohen.

Bei Amgen freuten sich die Anleger über ein Kursplus von 3,5 Prozent und ein Rekordhoch. Das Biotech-Unternehmen erhöhte nach einem starken dritten Quartal mit hohen Wachstumsraten bei wichtigen Kassenschlagern abermals seine Umsatzprognose.

Auch Aktien aus traditionellen Wirtschaftsbranchen zählten zu den Gewinnern. So legten die Titel der Schnellrestaurantkette McDonald's nach der Zahlenvorlage um 6,1 Prozent zu. Sie profitierten davon, dass der Umsatz auf dem heimischen US-Markt weniger stark als erwartet zurückgegangen war.

Bei Kraft Heinz konnten sich die Anleger über ein Kursplus von 5,8 Prozent freuen. Der Lebensmittelkonzern kündigte mit seinem Zwischenbericht den Verkauf des nordamerikanischen Kaffeegeschäfts an einen Finanzinvestor an. Die schon zuletzt etwas erholten Anteile des Fahrdienstleisters Uber legten nach der Veröffentlichung von Quartalszahlen um 7,3 Prozent zu./gl/he

(AWP)