Am Vortag hatte schon Alphabet die Befürchtung exzessiver KI-Ausgaben wieder angeheizt. Nun aber wurde die Talfahrt noch rasanter: Nach gut einer Handelsstunde hatte der Nasdaq 100 sein Minus mit 28.557 Punkten auf 2,9 Prozent ausgeweitet. Er erreichte sein niedrigstes Niveau seit Anfang August. Seine Wochenbilanz wurde trotz der Erholungsphase zu Wochenbeginn wieder negativ. In der Oktober-Bilanz weitete der Tech-Leitindex sein Minus auf etwa sechs Prozent aus.
Andere Indizes, die weniger technologielastig sind, schlugen sich etwas besser. Den marktbreit aufgestellten S&P 500 belastete die Tech-Schwäche zwar noch relativ deutlich mit 1,5 Prozent auf 7.606 Punkte. Der stärker von traditionellen Branchen dominierte Leitindex Dow Jones Industrial lag aber viel weniger deutlich mit 0,6 Prozent im Minus bei 52.007 Zählern. Seine Wochenbilanz liegt jetzt mit 0,4 Prozent im Minus, seine Oktober-Bilanz bleibt mit mehr als zwei Prozent aber erfreulich.
Laut den Experten der DZ Bank kann sich die bisherige Berichtssaison eigentlich «sehen lassen», doch im US-Technologiesektor falle sie gerade unter den «Magnificent 7» weniger überzeugend aus. «Gute Ergebnisse allein reichen nicht mehr aus», hiess es in einem wöchentlichen Strategiepapier der Bank. Häufig machen derzeit neben KI-Investitionen auch Cashflow-Entwicklungen den Unterschied.
Mit Amazon musste am Freitag der nächste Technologieriese den Sorgen Tribut zollen: Die Aktien sackten um bis zu sechs Prozent auf ihren tiefsten Stand seit Ende Juli ab, konnten ihren Abschlag dann aber etwas auf 2,4 Prozent reduzieren. Der Kursverlust sei der enttäuschenden Umsatzentwicklung der Cloud-Sparte AWS geschuldet, schrieb der UBS-Experte Stephen Ju. Auch bei Amazon lasteten hohe KI-Ausgaben auf der Aktie.
Die grössten negativen Schlagzeilen kamen aber von Intel mit einem Kurseinbruch um 28 Prozent. Der Chipkonzern sorgte mit seiner Prognose für das Schlussquartal für eine herbe Enttäuschung. Das Umsatzziel bleibe selbst hinter den pessimistischsten Schätzungen zurück, merkte Analyst Timothy Arcuri von UBS an.
Anleger des Speichermedienherstellers Sandisk wurden am Freitag von einem insgesamt starken Zwischenbericht und überraschend hohen Ziele für das laufende Quartal nicht belohnt. Die Papiere wurden auf ganzer Linie von der schlechten Branchenstimmung erfasst, wie der zehnprozentige Abschlag zeigt. Auch ein Aktiensplit wurde von dem Unternehmen vermeldet.
Im Nebenwertebereich wurden mit Roblox und Reddit zwei Internetaktien mit prozentual zweistelligen Kurseinbrüchen davon belastet, dass im vergangenen Quartal unter anderem die Nutzerentwicklung enttäuschte. Im Falle von Reddit wurde ein Viertel des Börsenwertes eingebüsst. Hier blieb auch die Umsatzprognose für das vierte Quartal hinter den Erwartungen zurück.
Positive Kursentwicklungen waren selten und wenn, dann eher in defensiven Branchen zu beobachten. Aus dem Pharmasektor schnellten die Aktien von Regeneron um 11 Prozent hoch, gefolgt vom Konkurrenten Gilead mit 3,4 Prozent Plus. Ausserhalb der Gesundheitsbranche legten die Papiere des Lebensmittelherstellers Mondelez um mehr als drei Prozent zu. Die drei Unternehmen überzeugten die Anleger mit ihren vorgelegten Resultaten.
Mit dem Elektroautobauer Rivian gab es aber auch eine positive Ausnahme aus der Technologiebranche. Dank einer überraschend guten Umsatzentwicklung und der nach oben hin eingeengten Absatzprognose legten die Anteilscheine um fünf Prozent zu. Die US-Bank Jefferies reagierte mit einer Kaufempfehlung.
Auch die Ölriesen Chevron und ExxonMobil konnten mit ihren Quartalsberichten punkten, wie Kursanstiege von jeweils 1,8 Prozent belegten. Chevron profitierte im dritten Quartal von den kräftig gestiegenen Preisen für Rohöl und deutlich höheren Raffineriemargen./tih/he
(AWP)

