«Vor dem EZB-Leitzinsentscheid lassen die Investoren nichts anbrennen», so ein Börsianer. Angesichts der hartnäckigen Inflation wird am Markt überwiegend mit einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte gerechnet. «Der Schritt ist zu fast 100 Prozent eingepreist», heisst es von Experten. Von grösserem Interesse als der eigentliche Zinsentscheid seien aber die Anmerkungen zum künftigen Zinspfad. Und dabei seien böse Überraschungen möglich. Deshalb baue der eine oder andere Marktteilnehmer nun seine Positionen ab.

Dies gelte umso mehr, weil der Krieg im Nahen Osten den Ölpreis wieder über die 100-Dollar-Marke getrieben hat. Aktuell notiert der Preis für ein Fass der Sorte Brent bei über 102 Dollar. Und die Signale aus dem Iran deuten nicht auf einen baldigen Frieden hin. Im Gegenteil demonstrierten die iranischen Streitkräfte zuletzt Stärke und betonten, sie seien im Krieg gegen die USA bereit für «Blitzoffensiven» zur Landesverteidigung.

Wochenverlust von über 600 Punkten

Der Swiss Market Index SMI notiert um 11 Uhr 0,31 Prozent tiefer bei 13'761,45 Punkten und damit in etwa auf seinem Tagestief. Nach einem Tageshoch bei knapp 13'850 Zählern kurz nach Handelseröffnung gab der Leitindex fast stetig nach. Der Mid-Cap-Index SMIM gibt 0,23 Prozent auf 3038,11 Zähler nach und der breite SPI um 0,29 Prozent auf 19'452,98 Punkte. Auch die übrigen europäischen Börsen geben überwiegend nach.

Der hiesige Leitindex SMI hat bislang in der laufenden Woche mehr als 600 Punkte verloren und notiert in etwa auf dem Niveau von Mitte Juni; die Gewinne der letzten drei Monate wurden ausradiert.

Novartis erholen sich leicht

Das Verliererfeld bei den Blue Chips wird am Berichtstag mit grossem Abstand von Alcon angeführt, die um 2,2 Prozent nachgeben. «Dass die Papiere gemieden werden, liegt am Konkurrenten Cooper», berichten Händler. Der US-Konzern hatte am Vorabend mit seinem Zwischenbericht und einer tieferen Guidance enttäuscht. «Die offene Frage ist, ob es sich dabei um ein hausgemachtes Problem von Cooper handelt - oder aber um ein grösseres Nachfrageproblem, das auch Alcon betrifft», meint ein Börsianer. Der Markt gehe aktuell eher von zweiterem aus.

Abgaben von mehr als 1 Prozent erleiden ausserdem UBS, Roche, Givaudan und Richemont. Sie verlieren zwischen 1,2 und 1,5 Prozent. Richemont können sich somit nicht vom Absturz vom Vortag erholen, als eine HSBC-Branchenstudie belastet hatte.

Auf der anderen Seite grüsst die Novartis-Aktie (+1,4 Prozent) von der SMI-Spitze und macht damit immerhin einen kleinen Teil des Absturzes von Anfang Woche wett. Rückenwind geben dabei diverse Analysteneinschätzungen, die auf dem aktuellen Niveau zum Halten oder sogar zum Kauf der Aktie raten. «Der Kursrückgang war übertrieben», heisst es beispielhaft in einem aktuellen Kommentar. Die Medikamenten-Pipeline sei noch immer gut. Doch es gibt auch warnende Stimmen. Die Entwicklung der Produkte-Pipeline müsse von nun an «nahezu fehlerfrei» über die Bühne gehen, meint ein anderer Experte.

Dahinter legen Swiss Re (+1,0 Prozent), Lonza (+0,8 Prozent) und Kühne+Nagel (+0,6 Prozent) noch relativ deutlich zu.

Am breiten Markt sorgen Analysteneinschätzungen für Bewegung. So ziehen Adecco (+1,2 Prozent) und Bachem (+3,8 Prozent) nach positiven Kommentaren etwas stärker an.

Bei DocMorris kommt es nach den satten Gewinnen vom Vortag hingegen zu Gewinnmitnahmen. Ausserdem tauchen die BZV-Papiere (-4,5 Prozent) nach der Vorlage der Halbjahreszahlen.

rw/ra

(AWP)