Zuletzt schloss der SMI Mitte Juni auf einem ähnlichen Niveau. Die Gewinne der letzten drei Monate gingen damit vollständig verloren. Schuld für den Rückgang sind vor allem die wieder deutlich gestiegenen Energiepreise. So kletterte der Preis für die Nordseesorte Brent erstmals seit zwei Monaten über die psychologisch wichtige Marke von 100 US-Dollar.

Und auch der Preis für Erdgas im richtungsweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat erreichte in Europa mit mehr als 80 Euro den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Dies ist insbesondere auch ein Problem, da die Speicher für den Winter bekanntlich nicht sonderlich gut gefüllt sind.

Getrieben wurden die Preise vor allem durch den sich weiter zuspitzenden Konflikt um den Persischen Golf. Eine Deeskalation scheint aktuell nicht in Sicht. «Während der Ölpreis den Inflationsdruck forciert, sorgt die Geldpolitik für Gegenwind und die Geopolitik für schlechte Sichtverhältnisse», hiess es im Markt. Börsianer würden sich aktuell einen «roten Faden im Handelsgeschehen» wünschen.

Der Blick richtet sich nun auf den in einer Woche anstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank Fed. Hier erwarten knapp 60 Prozent eine Zinserhöhung. Die neuesten US-Inflationsdaten am Freitag dürften den endgültigen Ausschlag für die Notenbanker geben. Dagegen ist eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank am morgigen Donnerstag fest eingepreist. Spannend werden hingegen die Aussagen von EZB-Chefin Christine Lagarde sein, wie es mit der Zinspolitik weitergehen wird.

Aktien auf breiter Front schwächer

Der SMI schloss am Mittwoch 1,80 Prozent tiefer auf 13'804,70 Punkten und damit nahezu auf Tagestief. Der breite SPI sank um 1,70 Prozent auf 19'510,45 und der Mid-Cap-Index SMIM um 1,35 Prozent auf 3044,97 Punkte. Von den 20 SMI-Werten schlossen einzig Logitech und Alcon leicht fester.

Auch andere europäische Märkte litten unter der schlechten Stimmung. Der deutsche Dax (-1,7 Prozent), der französische CAC 40 (-1,9 Prozent) und auch der britische FTSE 100 (-1,3 Prozent) schlossen ebenfalls klar tiefer. Auch die US-Börsen notieren am Abend im Minus.

Die grössten Einbussen verzeichneten im SMI Richemont (-4,7 Prozent), Swatch hielten sich mit einem Minus von 1,9 Prozent etwas besser. Neben schlechten Konjunkturdaten aus China belasten laut Händlern auch eine negative Branchenstudie von HSBC den Sektor.

Klar unter Verkaufsdruck standen auch Bauwerte. Amrize, Holcim, Sika und Geberit büssten zwischen 2,7 und 3,2 Prozent ein.

Techwerte unter Druck

Auch die als zinssensitiv geltenden Technologiewerte wurden aus den Portfolios entfernt. Im SLI traf es vor allem VAT mit Abgaben von 2,0 Prozent. Dahinter büssten auch Inficon, Comet und AMS Osram bis zu 2,0 Prozent ein. Ebenso standen die zuletzt vom Rechenzentrumsboom profitierenden ABB (-3,3 Prozent) unter Verkaufsdruck und verstärkten die Abgaben im SMI zusätzlich.

Bei den Schwergewichten gaben Nestlé (-3,3 Prozent) die Gewinne vom Vortag wieder ab. Den SMI belasteten auch Roche (-0,8 Prozent). Novartis (-0,1 Prozent) fanden nach dem Kurssturz vom Vortag in Folge erneuter Studienmisserfolge einen Boden.

Eine Branchenschwäche lastete auch auf Lonza (-3,2 Prozent) und insbesondere Galderma (-4,5 Prozent). Laut Händlern wurde diese durch den Forschungsrückschlag bei Novartis ausgelöst.

DocMorris gegen Trend stark

Im breiten Markt stachen DocMorris (+6,6 Prozent) heraus, wohingegen Mitbewerber Redcare zu den grössten Verlierern im SDax zählte. Die Onlineapotheke DocMorris will mit einer neuen Wandelanleihe ihre Finanzierung längerfristig absichern. Gesucht waren auch Barry Callebaut (+2,0 Prozent) nach ermutigenden Aussagen des CEOs in einem Interview.

Dagegen konnten Medacta (-3,8 Prozent) und Bioversys (-3,9 Prozent) mit ihren Halbjahreszahlen nicht überzeugen.

cg/ls

(AWP)