Belastend wirkte auch eine unerwartete Eintrübung der Stimmung in der US-Industrie. Etwa in den Erwartungen lagen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die als Indikator für den am Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktbericht gelten. Ein starker Arbeitsmarkt mit klarem Lohndruck könnte die Inflationssorgen der US-Notenbank verstärken, meinte ein Analyst. Sie müsste damit die Zinsen länger hoch halten.

Auch in Europa blieben die Zinssorgen ein Thema. So lagen die jüngsten Inflationsdaten aus Frankreich, Italien und Deutschland allesamt weit über dem Ziel der EZB, schreibt die BNP Paribas. Weitere Zinserhöhungen durch die EZB dürften damit «alternativlos» sein, zumal sich auch im Nahost-Konflikt weiterhin keine Lösung abzeichne.

Bankenwerte schwach

Der SMI schloss um 1,50 Prozent im Minus auf 13'622,85 Punkten. Von den 20 SMI-Einzeltiteln gingen 17 im Minus und nur 3 im Plus aus dem Handel. Der Mid-Cap-Index SMIM verlor 1,24 Prozent auf 3037,98 Punkte und der breite SPI gab 1,44 Prozent auf 19'329,77 Punkte nach.

Am Schweizer Markt wie auch an den anderen europäischen Märkten standen unter anderem die Bankentitel stark unter Druck. Marktbeobachter verwiesen dabei auf das derzeit unsichere Makroumfeld. Julius Bär (-4,1 Prozent) gaben erneut klar nach, womit die Titel die deutlichen Kursgewinne vom Mittwoch dank dem Abschluss des Finma-Verfahrens zur Signa-Pleite nun wieder vollständig abgegeben haben.

Tiefer schlossen auch UBS (-3,1 Prozent), die damit auch wieder klar unter die Marke von 40 Franken fielen. Die anstehende Regulierung in der Schweiz gibt weiter zu reden: Der UBS-Investor Artisan Group hatte am Vorabend in einem Brief an den UBS-Verwaltungsrat wegen den drohenden Verschärfungen den Wegzug der Grossbank aus der Schweiz gefordert.

Schwach zeigten sich auch Zykliker wie die Zementkonzerne Holcim (-3,2 Prozent) und Amrize (-3,0 Prozent). Die Analysten von Jefferies senkten am Donnerstag ihr Kursziel für Holcim: Klare Aufwärtsimpulse seien derzeit nicht zu erkennen, kommentierten sie.

Mit klaren Abgaben gingen auch Sika (-2,6 Prozent) aus dem Handel. An einem Investorentag stellte das Management des Bauchemiekonzerns weiteres Wachstum sowie eine Verbesserung der Profitabilität in Aussicht. Laut einem Analysten gab es aber keine überraschenden News.

Für Druck auf die Indizes sorgten auch Kursrückgänge der SMI-Schwergewichte Nestlé (-1,8 Prozent) und Novartis (-1,6 Prozent). Etwas besser hielten sich die Titel des Novartis-Konkurrenten Roche (-0,03 Prozent). Der Basler Pharmakonzern kündigte am Donnerstag neue Studiendaten zu seinem Augenmittel Vabysmo bei Netzhauterkrankungen vor.

Zu den wenigen Gewinnern unter den Bluechips gehörten die Titel von Swiss Re (+0,4 Prozent) und von Logitech (+1,1 Prozent). Logitech-Konzernchefin Hanneke Faber sieht für den Hersteller von Computerzubehör klare Geschäftschancen durch KI, wie sie in einem Interview erklärte. Gleichzeitig bestätigte sie die derzeitigen Schwierigkeiten bei der Chipbeschaffung auch für ihr Unternehmen.

Am breiten Markt zeigt der Genfer IT- und Cloudanbieter Infomaniak an seinem ersten Handelstag an der SIX hohe Kursschwankungen. Das Unternehmen, das den Aktienmantel von Perrot Duval in einem Reverse Takeover übernommen hat, schloss nach einem ersten Kurs von 56 Franken schliesslich bei 85 Franken.

tp/to

(AWP)