Warsh betonte dabei überraschend deutlich die Risiken einer erhöhten Inflation, um die er sich derzeit mehr Sorgen mache, als um den Arbeitsmarkt. Die US-Notenbank müsse reagieren, falls sich die Inflation nicht zügig in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels bewege. Von der Robustheit der Wirtschaft zeigte sich Warsh hingegen beeindruckt. Der Notenbank-Chef habe mit der Rede an Glaubwürdigkeit gewonnen, wenn es um die Bekämpfung der hohen Inflation geht, merkten die Experten des Analysehauses Capital Economics an. LBBW-Experte Elmar Völker sah mit der Rede eine Zinserhöhung Mitte September wieder als ernsthafte Möglichkeit. Die Wahrscheinlichkeit für eine solche wird in US-Finanzkreisen denn auch schon wieder mit rund 55 Prozent eingeschätzt, vor der Rede waren es noch 35 Prozent.

Der US-Dollar legte gegenüber Euro und Schweizer Franken entsprechend etwas zu, während die internationalen Aktienmärkte tendenziell freundlich reagierten. Der hiesige Leitindex SMI mit seinen defensiven Schwergewichten bewegte sich hingegen per Saldo kaum.

SMI mit Wochenminus

Der SMI gewann zum Handelsschluss 0,11 Prozent auf 14'399,77 Punkte, das Tageshoch zu Handelsbeginn war etwa 60 Punkte höher. Auf Wochensicht hat der hiesige Leitindex damit ein Minus von 0,4 Prozent erzielt, seit Jahresbeginn steht derweil ein Plus von rund 8,5 Prozent zu Buche. Von den 20 Einzeltiteln schlossen am Freitag 15 im Plus und nur 5 im Minus. Der Mid-Cap-Index SMIM verlor 0,35 Prozent auf 3134,01 und der breite SPI avancierte um 0,04 Prozent auf 20'270,57 Punkte.

Unternehmensnews aus dem SMI waren zu Wochenbeginn Mangelware, entsprechend hielten sich auch die Ausschläge in Grenzen. Bremsend auf den SMI wirkten sich die Pharma-Schwergewichte Roche (PS -1,5 Prozent) und Novartis (-0,7 Prozent) aus, dies obwohl beispielsweise Roche positive Studiendaten zu seinem Augenmittel Vabysmo veröffentlichte. Die Roche-PS waren allerdings letzte Woche grösste Wochengewinner, entsprechend dürften hier einige Investoren Gewinne mitgenommen haben. Beim dritten Schwergewicht Nestlé (+0,1 Prozent) wirkte die Abstufung durch die ZKB vom Donnerstag lange Zeit noch etwas nach, gegen Handelsschluss gelang schliesslich noch knapp der Sprung ins Plus.

Die grössten Gewinner waren derweil Richemont (+1,8 Prozent), UBS (+1,7 Prozent) und Givaudan (+1,5 Prozent). Die Titel der Grossbank erzielten mit 44,53 Franken ein neues Jahres- bzw. Mehrjahreshoch. Am Montag wird erneut die Wirtschaftskommission des Ständerates (S-WAK) sich mit der Gesetzgebung zur UBS befassen. Je nachdem, wie dort der Entscheid ausfällt, könnte es also zu Gewinnmitnahmen kommen.

Flughafen unter Druck

Etwas mehr News gab es aus dem breiten Markt. So hat der Flughafen Zürich (-7,7 Prozent) mit seinen Halbjahreszahlen die Erwartungen der Analysten bei der Profitabilität leicht verfehlt. Zudem hatten sich die Experten mehr Details zum neuen Flughafen Noida in Indien erhofft. Ebenfalls nach Zahlen standen die Papiere der Jungfraubahn (-1,0 Prozent) etwas unter Druck. Dass die Bahn unter dem Ausbleiben vieler ausländischer Touristen wegen des Nahostkrieges leidet, sei allerdings schon bekannt gewesen, hiess es.

Ems (+2,9 Prozent) hat derweil noch die Reingewinnzahlen zum Halbjahr nachgeliefert. Bei der Veröffentlichung der provisorischen Zahlen Mitte Juli waren diese wie üblich bei Ems noch nicht publiziert worden. Auch CFT (+6,8 Prozent) und Warteck (+0,3 Prozent) legten nach Semesterzahlen zu, während Edisun (-2,8 Prozent) verloren und Adval Tech unverändert schlossen.

Accelleron (+3,2 Prozent) profitierten derweil von zahlreichen Kurszielerhöhungen im Nachgang der Zahlen. Am Vortag hatte der Titel nach volatilem Handelsverlauf 4,4 Prozent eingebüsst. Und bei Swissquote (+1,3 Prozent) hat sich der CEO in der Finanzpresse optimistisch geäussert.

uh/to

(AWP)