Die Lage am Ölmarkt blieb durch den wieder aufgeflammten Iran-Krieg angespannt. Eine Erdölraffinerie von Aramco in Saudi-Arabien und ein Tanker seien getroffen worden, hiess es aus dem Persischen Golf. Der Preis für die Nordsee-Sorte Brent kletterte auf fast 98 US-Dollar pro Fass. Sieben Mitglieder des Ölförderverbands Opec+ hatten am Wochenende mitgeteilt, dass sie ihre Produktionsziele im Oktober nicht weiter anheben wollte. Wenn sich die Angriffe auf Schiffe ausweiten und intensivieren würden, könnte der Ölpreis auf 120 Dollar steigen, sagte ein Marktteilnehmer.
Wichtig für die Anleger sind aber die anstehenden Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) diese Woche und der US-Notenbank Fed in der nächsten Woche. Hier deuten die Vorzeichen nach oben. Nach dem starken US-Arbeitsmarktbericht vom letzten Freitag erwartet derzeit eine Mehrheit von 60 Prozent der Marktbeobachter, dass auch die US-Währungshüter die Zinsen um 25 Basispunkte anheben werden. Wichtig für ihre Entscheidung dürften die noch anstehenden US-Inflationsdaten am Freitag sein.
SMI deutlich tiefer
Der Swiss Market Index SMI ging mit einem Minus von 0,81 Prozent auf 14'279,38 Punkten aus dem Handel. Der Index der mittelgrossen Werte SMIM sinkt um 0,47 Prozent auf 3062,49 und der breite SPI um 0,69 Prozent auf 20'066,71 Zähler. Von den 20 Titeln im SMI schlossen 13 tiefer und 6 höher, während Geberit unverändert notierten.
Der grösste Klotz am Bein des SMI waren Novartis (-3,2 Prozent auf 125,46 Fr.), was an einem Forschungsrückschlag des Basler Pharmagiganten lag. Das experimentelle Medikament Pelacarsen konnte nicht beweisen, dass die Senkung einer bestimmten Form von Cholesterin auch das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall reduziert.
In der Folge strichen Analysten die Schätzungen für Pelacarsen aus ihren Modellen - dem Präparat wurde ein Spitzenumsatz zwischen 1,3 und 2,0 Milliarden Dollar zugetraut. Die Bank Vontobel hat das Kursziel daher auf 128 von 130 Franken gesenkt. Der Studienfehlschlag ist ein Schock für die Pharmabranche: Am Freitag waren bereits die Papiere von Amgen zeitweise um über 6 Prozent abgesackt, konnten dann aber die Verluste eingrenzen. Der US-Konkurrent forscht an einem ähnlichen Präparat.
Auch Roche (-1,0 Prozent) und Lonza (-1,2 Prozent) mussten Federn lassen. Dagegen stiess das dritte Schwergewicht Nestlé (+0,6 Prozent) in den grünen Bereich vor.
Höhere Versicherungsschäden befürchtet
Die rote Laterne gab Novartis an die Swiss Re (-3,6 Prozent) weiter. Der Rückversicherer warnte beim traditionellen Branchentreffen in Monte Carlo vor wachsenden Kosten aus Stürmen, Dürren oder Waldbränden. Die News aus dem Fürstentum brockten auch den Konkurrenten Munich Re, Hannover Rück und Scor Verluste von fast 3 Prozent ein. Auch die Erstversicherer gerieten in den Abwärtssog.
Logitech (-2,0 Prozent) standen ebenfalls weit oben auf den Verkaufslisten, ohne dass Nachrichten vorlagen.
Auf der anderen Seite setzten sich ABB (+1,6 Prozent) an die Spitze der Gewinner im SMI vor Kühne+Nagel (+1,0 Prozent). Im breiten Markt ragten AMS Osram (+5,3 Prozent), Comet (3,0 Prozent) oder VAT (+1,9 Prozent) mit Kursgewinnen heraus. Sie folgen den Vorgaben aus Fernost - dort hatten Chipaktien mit der wieder auflebenden KI-Fantasie haussiert.
CEO-Abgang drückt R&S
Im breiten Markt sackten R&S um 5,3 Prozent ab. Der Trafohersteller hat sich nach etwas mehr als einem Jahr bereits wieder von Konzernchef Eduardo Terzi wegen unterschiedlicher Ansichten zum Führungsmodell und zur Organisationsstruktur getrennt.
Burkhalter wurden nach Zahlen 1,8 Prozent höher bezahlt. Der Elektroinstallateur und Gebäudetechniker hat die Gewinnerwartungen der Analysten für das erste Halbjahr übertroffen.
Arbonia schossen um 11,3 Prozent auf 4,89 Franken nach oben. Die UBS hat eine Kaufempfehlung abgegeben und das Kursziel um die Hälfte angehoben.
jb/cg
(AWP)
