Die EZB hat die Leitzinsen wie erwartet um 25 Basispunkte und damit zum zweiten Mal seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs angehoben. Zugleich warnte EZB-Chefin Christine Lagarde davor, dass der Inflationsdruck über einen «längeren Zeitraum deutlich über dem Zielwert der EZB» verbleiben dürfte. «Die EZB behält sich weiterhin alle Optionen offen. Dazu gehört auch eine weitere Zinserhöhung im laufenden Jahr», hielt ein Ökonom fest. Ein anderer Experte warnte aber davor, «zu früh über weitere Zinserhöhungen zu spekulieren».

Der Iran-Krieg und die hohen Energiepreise bleiben derweil im Fokus der Anleger. Am Donnerstag haben die kriegerischen Aktivitäten der pro-iranischen Huthi-Miliz im Jemen die unsichere Lage befeuert und den Ölpreis für ein Fass der Sorte Brent auf über 106 US-Dollar ansteigen lassen. Vor diesem Hintergrund wird auch eine Zinserhöhung durch die US-Notenbank in der kommenden Woche noch wahrscheinlicher. Dafür sprachen auch die in den USA über Erwarten stark gestiegenen Produzentenpreise. Am Freitag folgen die für die Geldpolitik noch wichtigeren Angaben zu den Konsumentenpreisen.

SMI im Abwärtsstrudel

Der SMI schloss am Donnerstag 0,47 Prozent tiefer bei 13'740,10 Punkten. Damit hat der Index in dieser Woche mehr als 650 Zähler verloren. Verantwortlich dafür war der Kurseinbruch des Schwergewichts Novartis zu Wochenbeginn.

Der Mid-Cap-Index SMIM sank am Berichtstag um 0,49 Prozent auf 3030,05 und der breite SPI um 0,51 Prozent auf 19'410,30 Zähler. Auch europäische Indizes wie der Dax (-0,7 Prozent) oder der FTSE 100 (-0,6 Prozent) gingen mit roten Vorzeichen aus dem Handel und die Wall Street gibt ebenfalls nach.

Im SMI standen sich am Ende 13 Verlierer und 7 Gewinner gegenüber. Angeführt wurden die Verlierer von Alcon (-2,5 Prozent). «Dass die Papiere gemieden werden, liegt am Konkurrenten Cooper», berichteten Händler. Der US-Konzern hatte am Vorabend mit seinem Zwischenbericht und einer tieferen Guidance enttäuscht.

Unter Druck standen auch Titel aus dem Bausektor wie Amrize (-2,4 Prozent), Sika oder Holcim (beide -1,4 Prozent) sowie Finanzpapiere wie Partners Group (-1,7 Prozent) oder UBS (-1,4 Prozent). Die Titel des Schmuck- und Uhrenkonzerns Richemont gaben um 1,3 Prozent nach und konnten sich damit nicht von den Abgaben des Vortages absetzen. Da hatte eine Branchenstudie von HSBC den Luxusgütersektor belastet.

Novartis erholt sich kaum

Auf der Gegenseite erholten sich Novartis (+0,4 Prozent auf 112,14 Fr.) kaum vom Absturz der letzten Tage. Die Titel hatten den Handel am Freitag bei knapp 130 Franken abgeschlossen, ehe zwei enttäuschende Studienverläufe zu zukünftigen Behandlungen zum Ausverkauf an der Börse führten. Etwas Rückenwind gaben am Berichtstag Analysteneinschätzungen, die auf dem aktuellen Niveau zum Halten oder gar Kauf der Aktie raten.

Die beiden weiteren Schwergewichte Roche (-0,6 Prozent) und Nestlé (+0,01 Prozent) gaben dem SMI keinen Halt. Gut im Plus schlossen dagegen Kühne+Nagel (+1,6 Prozent). Der Logistikkonzern zählt zu den wenigen «Profiteuren», wenn sich die Lage im Nahen Osten verschärft und höhere Frachtpreise daraus resultieren. Unter den SMI-Gewinnern waren auch Logitech und Swisscom (beide +1,1 Prozent) sowie Swiss Re (+0,7 Prozent) zu finden.

Im breiter gefassten Geschäft gaben auch Tech-Aktien wie VAT (-1,1 Prozent), Comet (-2,5 Prozent) oder Inficon (-1,4 Prozent) nach. Bioversys (-3,3 Prozent) rutschten mit einer Kurszielsenkung durch die UBS ab. Und bei DocMorris (-4,9 Prozent) kam es nach den satten Gewinnen vom Vortag zu Gewinnmitnahmen, während BVZ (-3,2 Prozent) nach der Vorlage der Halbjahreszahlen ebenfalls tauchten. Kursgewinne verbuchten Titel wie Barry Callebaut (+2,6 Prozent), Bachem (+2,4 Prozent) oder Burkhalter (+2,2 Prozent).

mk/ls

(AWP)