«Auf die Wahleuphorie folgt die Ernüchterung», hielt ein Marktbeobachter fest. Zunehmend rückten die Risiken rund um KI in den Fokus. Nach dem Wahlerfolg der Demokraten befürchteten Investoren, dass verschärfte regulatorische Vorgaben den Bau von Rechenzentren erschweren und einzelne Projekte verzögern könnten.
Daneben belasteten geopolitische Risiken im Nahen Osten sowie Inflations- und Zinssorgen die Stimmung, sagte ein anderer Experte. Auch der Ölpreis zog am Donnerstag wieder an, nachdem er am Vortag angesichts neuer Friedenshoffnungen deutlich nachgegeben hatte.
In den USA ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend gesunken. Der Arbeitsmarkt spielt eine wichtige Rolle für die geldpolitischen Entscheidungen der US-Notenbank Fed. Angesichts der erhöhten Inflation rechnen die Finanzmärkte derzeit mit einer Leitzinserhöhung im Dezember. Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf den US-Arbeitsmarktbericht zum Wochenschluss.
SMI fällt unter 15'000
Der SMI schloss am Donnerstag um 0,37 Prozent tiefer bei 14'967,73 Punkten und damit wieder unter der Marke von 15'000. Am Vormittag war er noch auf ein Rekordhoch von 15'092 Punkten geklettert. Im Leitindex standen sich 11 Gewinner und 9 Verlierer gegenüber.
Der breite SPI verlor 0,34 Prozent auf 21'085,19 Stellen, während der Mid-Cap-Index SMIM mehr oder weniger unverändert auf 3269,62 Punkten schloss.
An den anderen wichtigen europäischen Börsen zeigte sich ein uneinheitliches Bild: Während der deutsche DAX um 0,4 Prozent und der britische FTSE 100 um 0,5 Prozent sanken, legte der französische CAC 40 um 0,3 Prozent zu. Die US-Börsen notierten am Abend hingegen im tiefroten Bereich.
ABB stark unter Druck
Die grössten Verluste verzeichneten die Aktien von ABB (-4,2 Prozent). Die chinesischen Behörden haben den geplanten Verkauf der Robotiksparte an den japanischen Technologiekonzern Softbank blockiert. Damit ist die milliardenschwere Transaktion gefährdet.
Unter Druck standen auch die am Vortag noch fulminant gestiegenen Logitech (-3,3 Prozent). Im Techsektor gaben zudem VAT (-3,5 Prozent), Comet (-6,3 Prozent), Inficon (-7,5 Prozent) und AMS Osram (-13,0 Prozent) stark nach. Auch die Rechenzentrenzulieferer Belimo (-2,7 Prozent), Accelleron (-1,9 Prozent) und Huber+Suhner (-2,3 Prozent) wurden von den KI-Sorgen erfasst.
Deutlich im Minus schlossen auch Bankwerte wie UBS (-3,4 Prozent). Am Vortag hatten die Titel der Grossbank allerdings noch kräftig zugelegt. Bei Julius Bär (-4,6 Prozent) warnte Keefe, Bruyette & Woods vor einem möglicherweise verhaltenen Zwischenbericht. Gegen den Trend hielten sich nach Zahlen Valiant (+2,8 Prozent). Das Institut hatte beim Geschäftsertrag und -erfolg die Erwartungen übertroffen.
Etwas gebremst wurde der SMI ausserdem von den Pharmaschwergewichten Roche (-1,1 Prozent) und Novartis (-0,1 Prozent), die zuletzt stark gesucht waren. Das dritte Schwergewicht Nestlé (+1,6 Prozent) stützte hingegen den Gesamtmarkt deutlich.
Swiss Re und Versicherer gefragt
Auch andere defensive Werte wie Versicherer und Rückversicherer waren gefragt. Swiss Re (+2,0 Prozent auf 159,20 Fr) legten nach besser als erwartet ausgefallenen Gewinnzahlen zu und erreichten bei 160,45 Franken zwischenzeitlich ein neues Jahres- bzw. Mehrjahreshoch. Auch Zurich (+1,0 Prozent) waren gesucht.
Swisscom stiegen nach Zahlen um 3,3 Prozent auf ein neues Hoch bei 734,50 Franken. Der Telekomriese hatte unter anderem den Ausblick teils angehoben.
Einen Kurssprung machten auch Tecan (+7,1 Prozent). Der Laborausrüster hatte nach einem starken dritten Quartal die Jahresprognose erhöht. Clariant (+3,2 Prozent) und DSM-Firmenich (+4,8 Prozent) profitierten derweil von Analystenkommentaren.
ls/uh
(AWP)
