Mit den veränderten politischen Kräfteverhältnissen könnte der Startschuss für eine mögliche «Erleichterungsrallye» nun gefallen sein, so der Experte weiter. Es dominiere die Fantasie am Markt, dass politische Störfeuer aus Washington in Zukunft weniger werden könnten. Anleger sollten den Tag jedoch nicht vor dem Abend loben und sich den Dreiklang aus Nahostrisiken, Inflations- und Zinssorgen sowie KI-Zweifeln vor Augen halten.
Derweil gaben die Ölpreise weiter nach: Die Nordseesorte Brent fiel auf unter 99 US-Dollar und damit um rund 5 Prozent. Die Entspannung am Ölmarkt sei allerdings zunächst als mögliche Atempause einzuordnen, so ein weiterer Marktbeobachter. Denn der Iran-Konflikt und die Risiken für die Energieversorgung seien weiterhin ungelöst: «Eine erneute Eskalation könnte die geopolitischen Risikoaufschläge rasch wieder erhöhen und den Ölpreis nach oben treiben.»
UBS deutlich fester
Der Leitindex SMI stieg zum Handelsschluss um 1,90 Prozent auf 15'022,85 Punkte - mit einem neuen Intraday-Allzeithoch bei 15'044 Zählern. Der Mid-Cap-Index SMIM legte 1,40 Prozent zu auf 3269,47 Punkte und der breite SPI um 1,73 Prozent auf 21'157,72 Punkte. In ganz Europa zeigte sich an den Börsen ein ähnliches Bild, und auch die US-Börsen starteten den ersten Tag nach der Wahl klar fester in den Handel.
Im SMI legten zahlreiche Titel mehr als 3 Prozent zu, wobei die grössten Gewinner Logitech (+8,7 Prozent) im Kielwasser von Apple waren, die am Mittwoch ebenfalls stark zulegten. Zudem habe die UBS nach einer Road-Show von ermutigenden Aussagen seitens des Finanzchefs zum B2B-Geschäft berichtet, hiess es im Handel zum Mäusehersteller.
Weitere grosse SMI-Gewinner waren Alcon (+5,8 Prozent), UBS (+4,6 Prozent) und Partners Group (+4,2 Prozent). Die Aktien der Grossbank profitierten von einem Bloomberg-Bericht über einen neuen Kompromissvorschlag im Ringen um die Eigenkapitalvorschriften. Gleichzeitig gingen auch die Spekulationen an den Märkten um einen möglichen Verkauf der UBS weiter - als Käufer genannt wurde erneut Morgan Stanley.
Bankentitel legten am Mittwoch in ganz Europa zu: In Marktkreisen wurde unter anderem auf den Wechsel zu «Blau» in den USA verwiesen. So komme es zu Umschichtungen aus den AI-exponierten Bereichen in Bankenwerte. Ausserdem werde mit dem Sieg der Demokraten in beiden Kammern eine expansivere US-Fiskalpolitik schwieriger, was wiederum die langfristigen Inflations- und Zinsrisiken senke, hiess es.
KI-Sorgen belasten
Marktbeobachter verwiesen darauf, wie unterschiedlich Anleger die Folgen der veränderten politischen Mehrheitsverhältnisse in den USA für einzelne Branchen bewerten würden. So gab es nach den Wahlen an den Finanzmärkten die Sorge vor einer stärkeren Regulierung des KI-Sektors in den USA durch die Demokraten. Ähnliche Befürchtungen gibt es zudem für den Pharmasektor, was die Pharmaschwergewichte allerdings am Mittwoch kaum zu belasten schien.
Mit «KI-Sorgen» und der Unsicherheit, wie es nach dieser Zwischenwahl mit dem Ausbau von Rechenzentren in den USA weitergehen wird, fanden sich derweil ABB (-2,8 Prozent) am SMI-Tabellenende. Auch am breiten Markt standen Belimo (-4,4 Prozent), Huber+Suhner (-4,2 Prozent) sowie Accelleron (-1,7 Prozent) in diesem Zusammenhang unter Druck.
Die Pharma-Schwergewichte Novartis (+2,1 Prozent) und Roche (+1,3 Prozent) lagen trotz klaren Avancen auch eher in den hinteren Rängen. Das dritte Schwergewicht Nestlé legte 1,8 Prozent zu.
In der hinteren Reihe fielen indes Barry Callebaut (+8,6 Prozent) nach Jahreszahlen und Meier Tobler (+19 Prozent) nach der angekündigten Übernahme durch den schwedischen Haustechnik-Grosshändler Ahlsell sehr positiv auf.
ys/uh
(AWP)
